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Attacke auf queeren Schiedsrichter Pascal Kaiser: Nachspiel neben dem Platz | ABC-Z

Als Pascal Kaiser im Stadion des 1. FC Köln vor 50.000 Fußballfans auf die Knie ging, war das mehr als ein Heiratsantrag an seinen Partner: „Ich möchte mich nicht verstecken, sichtbar sein. Nicht laut, nicht provokant, sondern ehrlich. Ich will, dass jeder sieht, dass ich diesen Menschen liebe. Einen Mann, als Mann, im Fußball“, sagte er zu seinem langjährigen Partner. Die Szene, die sich so vor rund zwei Wochen zutrug, ging viral. So etwas hatte es im deutschen Profifußball noch nicht gegeben.

Kaiser ist Amateurschiedsrichter. 2022 machte er öffentlich, dass er bisexuell ist. Auf Instagram zeigen ihn Fotos mit Regenbogenbinde am Arm, und Arm in Arm mit seinem Partner. Schon 2022 teilte er einen Petitionsaufruf mit der Forderung an den DFB, bei der WM in Katar echte Solidarität mit der queeren Community zu zeigen. Kaiser sucht die Öffentlichkeit aus der Überzeugung, dass er ein Zeichen setzen kann. Sichtbarkeit, sagte er dem Tagesspiegel, sei entscheidend: „Es braucht Vorbilder in diesem Sport, sonst fühlt man sich allein.“

Für Kaiser hat diese deutliche Positionierung nun gefährliche Konsequenzen gehabt. Nach Angaben seines Anwalts Moritz Lange ist Kaiser in der Nähe seines Hauses zweimal tätlich angegriffen worden – am Samstagabend, und erneut in der Nacht zu Dienstag. Die Polizei bestätigte der Zeit den Eingang von zwei Anzeigen wegen gefährlicher Körperverletzung, ohne Kaisers Namen zu nennen. Der Staatsschutz habe die Ermittlungen übernommen; auch ein möglicher homophober Hintergrund werde geprüft.

Mehrfach Drohungen erhalten, teils homophob

Gesichert ist ein queerfeindliches Motiv bislang nicht. Zugleich berichtet Lange, sein Mandant habe zuvor mehrfach Drohungen erhalten, teils mit homophoben Äußerungen. „Zudem ist meinem Mandanten teilweise Gewalt angedroht worden“, sagte er der taz. Kaiser habe die Polizei darüber informiert.

Es braucht Vorbilder in diesem Sport, sonst fühlt man sich allein.

Pascal Kaiser, Amateur-Schiedsrichter

Am Samstagabend sei Kaiser dann von drei Unbekannten vor seinem Haus, vermutlich im Vorgarten, angegriffen und im Gesicht verletzt worden. Er habe im Krankenhaus behandelt werden müssen. Ein veröffentlichtes Foto zeigte ihn mit geschwollenem Auge. In der Nacht zu Dienstag habe es einen weiteren Vorfall gegeben: Erneut sei er vor seiner Haustür tätlich angegriffen worden, sagte Lange der taz.

Für queere Menschen ist solche Gewalt kein Einzelfall. Laut Bundeskriminalamt wurden 2023 insgesamt 17.007 Fälle von Hasskriminalität registriert, 1.785 davon richteten sich gegen LSBTIQ*. Die Zahl der Straftaten in den Bereichen „sexuelle Orientierung“ und „geschlechtsbezogene Diversität“ hat sich seit 2010 nahezu verzehnfacht.

Kein aktiver Profispieler ist offen queer

Der Profifußball in Deutschland ringt seit Jahren besonders mit dem Thema. Thomas Hitzlsperger outete sich 2014 – nach dem Ende seiner aktiven Karriere. Er wollte eine Debatte anstoßen, mehr Akzeptanz schaffen. Doch bis heute ist in der ersten bis dritten Männer-Bundesliga kein aktiver Spieler offen queer. Zehn Jahre nach seinem Coming-out sagte Hitzlsperger 2024 der Tagesschau: „Hoffentlich gibt es Nachahmer.“

Pascal Kaiser ist kein Bundesligastar. Er pfeift Spiele, engagiert sich ehrenamtlich, diskutiert in Netzwerken, besucht Talks. Und doch steht er inzwischen exemplarisch für eine Debatte, die der Fußball lange vor sich hergeschoben hat. Sein Heiratsantrag machte ihn bekannt. Seine Haltung machte ihn sichtbar. Und die Angriffe auf ihn zeigen, wie umkämpft diese Sichtbarkeit noch immer ist.

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