Geopolitik

Atomenergie: Söder wirbt für Mini-Atomreaktor-Pilotprojekt in Bayern | ABC-Z

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder erwägt für sein Bundesland ein Pilotprojekt mit einem sogenannten Mini-Atomkraftwerk. “Bayern ist bereit für ein Pilotprojekt”, sagte der CSU-Chef der Bild am Sonntag. “Es ist Zeit für eine neue Epoche der Kernenergie.” Söder argumentiert seit einiger Zeit dafür, dass Deutschland zur Kernenergie zurückkehren müsse. Für eine Rückkehr zu den alten Meilern sei es nun aber “zu spät”.

“Kernenergie 2.0 bedeutet kein Zurück zu alter Technik, sondern ein neues Kapitel ohne die früheren Gefahren. Dazu zählen neuartige modulare Kleinreaktoren und die Kernfusion”, sagte Söder. Als Brennstoff nennt der CSU-Politiker Atommüll. “Es ist sinnvoller, alten Atommüll zu verbrauchen, anstatt ihn für
Millionen Jahre in der Erde strahlen zu lassen”, sagte Söder. Er
forderte den Bund auf, “das Transmutationsgesetz zu ändern, um diese
Bestände nutzbar zu machen. Perspektivisch könnte damit auch die
Endlagerfrage gelöst werden.”

“Saubere Energie in beinahe unbegrenzter Menge”

Neben Mini-AKWs setzt Bayern massiv auf die Kernfusion. Für den Demo-Reaktor Alpha stellt das Land bis zu 400 Millionen Euro bereit. In Kooperation mit der Wirtschaft und Forschungsinstituten will Söder “saubere Energie in beinahe unbegrenzter Menge” erschließen.

“Der internationale Konflikt im Nahen Osten zeigt: Wir müssen wieder auf Technologie statt auf Ideologie setzen. Wir können nicht über die Preise jammern und zugleich Energie nur im Ausland einkaufen”, sagte Söder. Der wachsende “Stromhunger” durch künstliche Intelligenz und E-Mobilität mache eine stabile Grundlastversorgung durch moderne Kernkraft und Gaskraftwerke unumgänglich, sagte er.

Deutschland hatte seinen Atomausstieg
im Jahr 2000 eingeleitet und nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima
2011 beschleunigt. 2023 ging der letzte Reaktor vom Netz. In der Bundesregierung aus Union und SPD ist das Thema Atomkraft umstritten.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte kürzlich, die Abkehr von der Atomkraft
sei ein strategischer Fehler gewesen. Zugleich vertrat er die Auffassung,
dieser Beschluss sei irreversibel. “Ich bedauere das, aber es ist so”, sagte Merz.

“Weltweite Renaissance der Kernenergie”

Die Europäische Union hat angekündigt, wieder stärker auf Kernenergie zu setzen. Um die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie sowie niedrigere Strompreise für die Bevölkerung sicherzustellen, wolle die EU die Forschung sowie Investitionen in die Kernenergie unterstützen, kündigte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vergangene Woche an. Sie sprach von einem “strategischen Fehler” für Europa, “einer zuverlässigen, bezahlbaren Quelle für emissionsarmen Strom den Rücken zu kehren”.

Die europäische Strategie setze auf kleine, modulare Reaktoren. Um die Entwicklung dieser Mini-Atomkraftwerke voranzutreiben, sollten Vorschriften über die Grenzen hinweg angeglichen werden, kündigte die EU-Kommissionschefin an. Die EU werde Investitionen in innovative Kerntechnologien mit einer Garantie in Höhe von 200 Millionen Euro unterstützen.

“Der vor 15 Jahren erreichte Atomkonsens hat unserem Land gutgetan”

Bundesumweltminister Carsten Schneider wiederum kritisierte die EU-Pläne zur Förderung der Atomenergie. “Es spricht Bände, dass der Kern dieser rückwärtsgewandten Strategie aus neuen Subventionen für Atomkraftwerke besteht”, sagte der SPD-Politiker. “Der vor 15 Jahren erreichte Atomkonsens hat unserem Land gutgetan, das sollten wir nicht leichtfertig aufs Spiel setzen”, sagte er. “Diese kleinen Atomkraftwerke werden schon seit Jahrzehnten angekündigt, schaffen aber den Durchbruch nicht und ringen stattdessen um Subventionen.”

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