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Athletenvertreter “schockiert”: Das Sportfördergesetz erhitzt weiter die Gemüter | ABC-Z

Stand: 19.03.2026 • 18:29 Uhr

Im zähen Ringen um das Sportfördergesetz liegt ein neuer Entwurf vor. Athleten Deutschland reagiert “schockiert” und der DOSB treibt eine umstrittene Idee weiter voran.

In das langjährige Vorhaben, Deutschlands ineffizientes Spitzensport-Fördersystem zu reformieren, kommt Bewegung. Das Bundeskanzleramt mit Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein (CDU) hat am Mittwoch (18.03.26) einen Referentenentwurf zum Sportfördergesetz verschickt, er liegt der Sportschau vor. Er soll am Donnerstag bei der Sportministerkonferenz besprochen und am kommenden Mittwoch ins Bundeskabinett eingebracht werden.

Einige Forderungen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) sind im neuen Entwurf berücksichtigt. Er erhält mehr Sitze im nun vergrößerten Stiftungsrat der Agentur (drei von neun) und vor allem mehr Einfluss auf die Wahl des zweiköpfigen Vorstands. Dieser braucht nun ein einstimmiges Votum des Stiftungsrats – also immer auch den Segen des DOSB.

In einem ersten Statement reagierte der Dachverband durchaus positiv. “Im Hinblick auf die Governance in der geplanten Spitzensportagentur führen die Änderungen, in erster Linie bezüglich des Stiftungsrats, zu einer Annäherung an die geforderte Augenhöhe des Sports mit der Politik.” Der neue Entwurf sei ein “wichtiger Schritt”.

DOSB will die Agentur ins Haus holen

Allerdings sieht der DOSB weiterhin “Optimierungspotenzial, das wir dem Bundeskanzleramt nach eingehender Prüfung detailliert benennen werden”. Und – das bestätigte der Verband der Sportschau – er verfolgt weiter eine erst kürzlich bekannt gewordene Idee: die geplante Agentur unter das Dach des DOSB zu holen. “Jetzt schauen wir, ob es für unsere Idee Unterstützung im Parlament gibt”, heißt es in einer schriftlichen Antwort. Im parlamentarischen Gesetzgebungsverfahren könnte das Gesetz sein Antlitz noch deutlich ändern.

Dieser Ansatz wirkt wie ein drastischer Kurswechsel bei den Reformplänen. Schließlich hatten sich DOSB und BMI schon vor Jahren grundsätzlich darauf verständigt, Kompetenzen an die geplante Agentur abzugeben. Deren Vorstand soll möglichst eigenständig arbeiten können, um das ineffiziente Fördersystem zu verschlanken – ohne zu viel Einfluss durch die Politik und den organisierten Sport.

Wie lähmend deren Gezerre sein kann, zeigt sich auch bei der Genese des Sportfördergesetzes. Seit Jahren geht es im Kern darum, wer in der Agentur wie viel zu sagen hat.

Vorstoß sorgt für Irritationen

Der DOSB argumentiert nun, Unabhängigkeit sei auch unter seinem Dach möglich. “Entscheidend ist die juristische Konstruktion”, schreibt der Verband. “Klar ist, dass durch die Besetzung der Gremien und die Einsetzung eines unabhängigen Vorstandes auf der operativen Ebene weiterhin unabhängig gearbeitet werden kann und muss, egal, wo die Agentur angesiedelt ist. Übrigens wäre auch bei einer Konstruktion unter dem Dach des DOSB selbstverständlich die Politik mit einbezogen, allein schon deswegen, weil der Haushaltsgesetzgeber immer bestimmen wird, wie viele Mittel zur Verfügung stehen.”

Allerdings sorgte der Vorstoß für reichlich Irritationen, intern wie extern. Er scheint schwer vereinbar mit der Forderung des Bundesrechnungshofs, die Doppelrolle des DOSB zu beenden. Dieser hat derzeit großen Einfluss auf die Verteilung der Steuermittel, ist aber gleichzeitig als Dachverband Empfänger der Gelder und Lobbyist der Sportverbände.

Entsprechend deutlich fiel auch die Ablehnung durch Bundessportministerin Schenderlein aus. Dass der DOSB die Idee trotzdem weiterverfolgt, lässt erahnen, wie weit der Weg zum Sportfördergesetz noch ist. Nach dem Bundeskabinett muss es schließlich noch den Bundesrat und den Bundestag passieren.

Hilfe aus Bayern bei der Lobbyarbeit

Zuletzt hatte der Sport bei seiner Lobbyarbeit auffallend viel Unterstützung aus Bayern erhalten. Das CSU-geführte Bundesinnenministeriums (BMI) blockierte lange das Gesetz. Die bayerische Schwesterpartei der CDU vertrat die Ansicht, dass der organisierte Sport mehr Einfluss bekommen müsse in der geplanten Spitzensportagentur. “Es braucht größtmögliche Entscheidungsfreiheit der Sportverbände statt staatlicher Einmischung”, sagte etwa der Parteivorsitzende Markus Söder der “Bild”-Zeitung.

Im “sportpolitischen Umfeld in Bayern” – so zitierte das Portal “Sport & Politics” aus einer internen DOSB-Mail – sei auch der neue Vorstoß entstanden, die Agentur im DOSB anzusiedeln.

Angesichts derart viel Hilfe aus Bayern verweisen Beobachter auf das Auswahlverfahren bei Deutschlands Olympiabestrebungen. Schließlich stimmen der DOSB und die Spitzensportverbände im September darüber ab, mit welchem Konzept sich Deutschland um die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 bewirbt. Zur Wahl stehen Berlin, Hamburg, Köln Rhein-Ruhr – und auch München, Bayerns Landeshauptstadt.

Athleten Deutschland üben deutliche Kritik

Scharfe Kritik am neuen Referentenentwurf kommt von der Athletenvertretung “Athleten Deutschland”, für die kein Sitz im Stiftungsrat vorgesehen ist. “Eine unabhängige und wirksame Athletenvertretung ist im deutschen Sportsystem weiterhin nicht gewünscht”, sagte Präsidentin Pia Greiten. Dem formulierten Anspruch, “Athletinnen und Athleten in den Mittelpunkt zu stellen”, werde das Gesetz nicht gerecht, heißt es in einer Stellungnahme.

Pia Greiten beim Medientag der deutschen Ruderinnen

Athleten Deutschland hatte sich 2017 gegründet, damit es außerhalb des DOSB eine eigenständige Vertretung der Sportlerinnen und Sportler gibt. Der Verein erhält auch Fördermittel vom Bund.

In der Agentur sieht er sich nun aber an den Rand gedrängt und nennt den Entwurf mit Blick auf die neue Struktur einen eklatanten Rückschritt. “Der Steuerungsauftrag der Agentur wurde aufgeweicht, die Unabhängigkeit durch größere Einflussmöglichkeiten durch den organisierten Sport gefährdet.”

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