Asiatische Nadelameise in Stuttgart entdeckt: Gefahr für Menschen und Natur – Wissen | ABC-Z

Am 2. Juni 2025 entdeckten Biologen eine neue Tierart im Stuttgarter Rosensteinpark – jedenfalls eine in Nordeuropa neue Art. Unter der Rinde einer abgestorbenen, sonnenbeschienenen Eiche stieß ein studentischer Suchtrupp auf ein Nest der Asiatischen Nadelameise Brachyponera chinensis. Normalerweise freuen sich Biologen, wenn sie auf eine neue Spezies stoßen, denn Artenvielfalt stabilisiert die Ökosysteme. Nicht so bei diesem Neuzugang.
Denn diese Ameisenart kann stechen und über ihren Stachel ein Gift abgeben, das nicht nur schmerzhaft ist, sondern auch heftige allergische Reaktionen auslösen kann. Allergische Reaktionen auf das Ameisengift dürften noch etwas häufiger auftreten als nach Bienenstichen, heißt es auf einer Informationsseite der North Carolina State University über die invasive Art. Menschen mit bekannter Insektenstichallergie sollten sich demnach besonders vor der Nadelameise hüten, die sich gerne in der Nähe von Menschen ansiedelt, zum Beispiel in Küchen.
Jetzt hat eine Gruppe von Insektenforschern um Brendon Boudinot vom Senckenberg-Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt den Fund im Fachjournal Zootaxa wissenschaftlich beschrieben. Neben der Kolonie unter der Eichenrinde fand das Team bei einer kurzen Arteninventur im Park fünf weitere Nester, was für die Wissenschaftler bedeutet, dass nicht nur ein paar Tiere eingeschleppt wurden, sondern sie dort bereits überwintert haben.
Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Ameise auch anderswo in Deutschland Fuß gefasst hat
Boudinot und seine Kollegen vermuten, dass die Ameisen im Erdreich von Pflanzen einreisten, die im Zoologisch-Botanischen Garten Wilhelma gepflanzt wurden. Derzeit gebe es keine Hinweise darauf, dass Brachyponera chinensis auch andernorts in Deutschland bereits Fuß gefasst hat, sagt Boudinot. „Wir hoffen, das bleibt so.“
Die Ameisenart gelangte bereits in den 1930er-Jahren vermutlich aus Ostasien in die USA und breitet sich seither dort aus. In North Carolina ist die Spezies in einigen untersuchten Gebieten inzwischen den zuvor dort heimischen Arten zahlenmäßig überlegen. In Europa wurde die Nadelameise erstmals 2020 in Neapel nachgewiesen, seither wurde sie auch an weiteren Orten in Italien entdeckt. Weil das Insekt so durchsetzungsstark ist, setzte die Europäische Union die Asiatische Nadelameise auf die Liste invasiver gebietsfremder Arten, die an einer Ausbreitung gehindert werden sollen, weil sie eine Gefahr für Mensch und Umwelt darstellen.
Nun gilt es in Stuttgart, beherzt einzugreifen. Gezielte Kontrolle sollte noch möglich sein, sagt Boudinot, solange die Zahl der Kolonien begrenzt ist. Sollten sich die Tiere auch außerhalb von Ballungsräumen in der freien Natur ansiedeln, werde eine Eindämmung weitaus schwieriger. „Keine einheimische Ameisenart hat einen derart unangenehmen Stich, daher hoffen wir, dass die Bekämpfung wirksam ist.“
Und was passiert, wenn das nicht gelingt? Boudinot verweist auf das Geschehen der zurückliegenden Jahrzehnte in den USA. „Es ist zu erwarten, dass die invasive Art mit den einheimischen Arten konkurriert und diese möglicherweise verdrängt.“





















