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Artemis-Mission: Wo der Mond in München zum Greifen nah ist – München | ABC-Z

Mit dem E-Auto über den Mond

Im Deutschen Museum gibt es etliche Exponate mit Mondbezügen. Unmittelbar mit der Artemis-Mission verbunden ist Zohar, die in einer Vitrine in der Elektronik-Ausstellung zu sehen ist. Es handelt sich um den Nachbau einer der zwei Puppen (die andere hieß Helga), mit denen bei der Artemis-I-Mission Ende 2022 erforscht wurde, welche Gefahr die Strahlung im All darstellt.

Der Weg zum Mond, die Bewegung auf dem Mond, das Ambiente dort und das, was den Mond formt: Zu diesen Aspekten gibt es in der Raumfahrtabteilung des Museums Ausstellungsstücke. Vom National Air and Space Museum in Washington stammt – als Leihgabe – das Raketentriebwerk J-2, das bei der Mondrakete Saturn V zum Einsatz kam. Ein Teil des Hitzeschildes einer Apollo-Kapsel führt vor, vor welcher extremen Hitze die Astronauten beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre geschützt werden müssen.

Nachempfundene Landeszene der Apollo-15-Mission: Diorama im Deutschen Museum Deutsches Museum

Zwei Dioramen empfinden nach, was die Astronauten der Apollo-11- und der Apollo-15-Missionen erlebten – also der ersten und der vierten bemannten Mondlandung. Eine Lande-Szenerie ist nachgestellt, mit zwei Astronauten, Landefähre und vielen Geräten wie Temperatursonde, Magnetometer, Seismometer, Kalt-Kathodenmesser, Sonnenwindmesser, Ionendetektor, Sonnenwind-Spektrometer, Radio-Isotopenbatterie.

Außerdem gibt es ein Mondauto zu sehen. Mit derlei elektrisch betriebenen Fahrzeugen, die auf dem Mond auseinandergefaltet wurden, legten Astronauten der Apollo-Missionen 15, 16 und 17 in den Jahren 1971 und 1972 etwa 90 Kilometer zurück. Das Münchner Exponat ist ein Nachbau. In ihm nahm aber schon einmal ein echter Mondautofahrer Platz: Charlie Duke, 2019, zum 50-jährigen Jubiläum der ersten Mondlandung.

Besuch von einem echten Mondautofahrer: Der ehemalige Astronaut Charles Duke 2019 bei einem Besuch in München.
Besuch von einem echten Mondautofahrer: Der ehemalige Astronaut Charles Duke 2019 bei einem Besuch in München. Stephan Rumpf

Ein echtes Stück Mond, das auch ein Stückchen Geschichte zeigt, wird ebenfalls ausgestellt: ein Fragment aus den 112 Kilogramm Gestein, die Astronauten der letzten Mondmission Apollo 17 im Jahr 1972 auf die Erde mitbrachten. Die Mondsteine wurden von den USA als Geschenk für befreundete Staaten präpariert und vom damaligen Präsidenten Richard Nixon übersandt – mit der Inschrift: „Dieses Fragment ist Teil eines Steins aus dem Taurus-Littrow-Tal auf dem Mond. Es wird übergeben als Symbol der Einigkeit menschlicher Bemühungen und birgt die Hoffnung der amerikanischen Bevölkerung auf eine friedliche Welt.“ mse

Meteoriten streicheln

Der Mond steht im kosmischen Dauerfeuer. Mangels Atmosphäre wird unser nächster Nachbar regelrecht bombardiert, da Asteroiden und sonstige Geschosse aus dem All nicht verglühen, sondern ungebremst auf der Oberfläche einschlagen. Bei jedem Treffer werden Fragmente des Mondes weggeschleudert – einige schaffen es bis auf die Erde. Ein paar wenige Trabanten-Trümmer haben den Weg nach München gefunden und werden in der Mineralogischen Staatssammlung ausgestellt. Drei der insgesamt neun in München befindlichen Mondmeteorite lassen sich momentan im Museum Mineralogia bestaunen.

Hier finden sich auch Stücke aus dem Weltraum, die noch eine bedeutend längere Reise hinter sich haben: Ein scheibenförmiger Meteorit stammt beispielsweise aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter und musste daher mehr als 150 Millionen Kilometer in Richtung München zurücklegen. Die kosmischen Gesteinsklumpen kommen aber nicht nur von weit her, sondern sind auch uralt, was sie zu Zeitkapseln aus den Kindertagen des Sonnensystems macht. Gibeon ist so eine Zeitkapsel. Das 285 Kilogramm schwere Bruchstück des Eisenmeteoriten wurde in Namibia gefunden und ist mit etwa 4,6 Milliarden Jahren älter als die Erde selbst. Und weil er so groß und offensichtlich relativ unempfindlich ist, dürfen Besucher der Ausstellung Gibeon sogar anfassen. leg

Weltraumspaziergang in München

Bei Artemis 2 sind keine Außeneinsätze geplant, die Astronauten kommen daher nicht in den Genuss eines „Space Walks“, sondern müssen im Raumschiff bleiben. So gesehen haben ihnen die Besucher der Volkssternwarte etwas voraus: Bei der von Montag bis Freitag allabendlich stattfindenden Führung nehmen die Gäste an einem „Space Walk für alle“ teil. Beim Blick durch das 80 Zentimeter große Spiegelteleskop kommen die Gäste dem Mond fast so nah wie die Teilnehmer der Mondmission. Auf dem zweistündigen Weltraumspaziergang sieht man das All jedoch nicht nur durch eines der Fernrohre, sondern kann im Planetarium einen künstlichen Sternenhimmel von seiner schönsten Seite bewundern.

Gute Aussichten auf den Erdtrabanten: die Beobachtungsstelle der Volkssternwarte.
Gute Aussichten auf den Erdtrabanten: die Beobachtungsstelle der Volkssternwarte. Volkssternwarte München e.V.

Tickets für einen Flug in den Weltraum kosten bei privaten Unternehmen wie Virgin Galactic etwa 750 000 Dollar, beim Hauptkonkurrenten Blue Origin beträgt allein die Anzahlung für einen Platz in der Rakete 150 000 Dollar. Eine Karte für den „Space Walk“ an der Volkssternwarte kostet dagegen nur zehn Euro. Allerdings kann das Wetter zu Startproblemen führen, da bei bewölkten Verhältnissen keine Himmelsbeobachtung möglich ist.

Obwohl die Sternwarte auch innen viel zu bieten hat, muss sich aber niemand mit der „Dark Side of the Moon“ zufriedengeben, sollten die Sichtverhältnisse einmal schlecht sein. Mit dem maximal drei Tage im Voraus erhältlichen Teleskop-Ticket können Kurzentschlossene den Rest der Führung überspringen und sich ganz aufs Mond-und-Sternegucken konzentrieren. Manchmal wird die sechs Euro teure Karte auch erst tagesaktuell zur Buchung freigegeben – um zu garantieren, dass alle Weltraumspaziergänger freie Sicht auf den Erdtrabanten haben. leg

Wie Asterix und Obelix den Mond sahen

Nicht erst seit dem nächtlichen Apollo-11-Fernseherlebnis, als Neil Armstrong am 21. Juli 1969 um 3.56 Uhr mitteleuropäischer Zeit den legendären ersten Schritt auf die staubige Oberfläche des Erdtrabanten machte, ist der Mond im kollektiven kulturellen Gedächtnis der Menschheit fest verankert. Das war schon so, als noch niemand auf die Idee gekommen wäre, dorthin zu fliegen. Also: vor sehr langer Zeit. Genau genommen in der Bronzezeit, also vor etwa 3000 Jahren. Wer’s nicht glaubt, möge den Mond in der Archäologischen Staatssammlung suchen. Unter den dort mustergültig nach neuesten museumsdidaktischen Erkenntnissen präsentierten Relikten ist unter anderem ein sogenanntes „Mondidol“, gefunden bei Ausgrabungen im schwäbischen Elchingen.

1975 bei Ausgrabungen in einer Siedlung der späten Urnenfelderzeit bei Unterelchingen gefunden: sogenannte Mondidole.
1975 bei Ausgrabungen in einer Siedlung der späten Urnenfelderzeit bei Unterelchingen gefunden: sogenannte Mondidole. Archäologische Staatssammlung

Mondidole sind laut der offiziellen bayerischen Museumsseite Bavarikon sichel- oder hornförmige Körper aus Keramik, selten aus Stein, und „sind als religiöse Symbole zu verstehen, deren Bedeutung sich heute nicht mehr rekonstruieren lässt“.

Mondsüchtig waren später auch die Gallier. Schon 1891 wurde im Münchner Stadtteil Allach ein Grab der frühen Keltenzeit mit einem Eisenschwert entdeckt. Auf der Klinge sieht man Goldeinlagen –einen Halbmond und eine Scheibe, dazwischen einen Strich und darunter fünf unterschiedlich große Punkte: neben dem Mond also Sonne, Erde und die fünf damals bekannten Planeten.

Ein Halbmond auf der Klinge eines Eisenschwertes, das 1891 in einem Grab der frühen Keltenzeit entdeckt wurde.
Ein Halbmond auf der Klinge eines Eisenschwertes, das 1891 in einem Grab der frühen Keltenzeit entdeckt wurde. Archäologische Staatssammlung München

„Die Bildzeichen der Vorderseite auf dem Schwert überliefern uns somit den Kern des kosmologischen Weltbilds Alteuropas“, heißt es auf Bavarikon. „Es ist eine symbolische Abbildung, entstanden aus einer vorwissenschaftlichen Beobachtung der Naturerscheinungen.“ bm

Heimaterde Mond: die Patrona Bavariae

Die vielen Menschen, die jeden Mittag auf dem Münchner Marienplatz vor dem Rathaus gen Himmel blicken, warten auf eine Erscheinung. Allerdings auf die der Ritter und der Schäffler im historischen Glockenspiel hoch oben am Rathausturm. Den Mond haben die Schaulustigen nicht im Blick. Was schade ist. Den echten Erdtrabanten kann man zwar in ihrer Blickrichtung (Norden!) nie sehen. Sehr wohl aber eine Mondsichel, geschaffen von einem der größten Münchner Künstler des 16. Jahrhunderts. Auf ihr steht nämlich die Madonna oben auf der zehn Meter hohen Mariensäule.

Die Marienstatue am Münchner Marienplatz steht auf einer Mondsichel.
Die Marienstatue am Münchner Marienplatz steht auf einer Mondsichel. Robert Haas

Gestaltet hat die vergoldete Bronzefigur der in München lebende Niederländer Hubert Gerhard im Jahr 1593. Ganz so weit oben sollte die als „Patrona Bavariae“ bekannte Mondsichelmadonna ursprünglich gar nicht stehen. Sie war vermutlich als Bekrönung eines monumentalen Wittelsbacher-Grabmals gedacht gewesen, das allerdings nie zustande kam und dessen einzelne Bauteile seither durch die Stadt wandern.

Die Mondsichelmadonna wurde 1638 auf die Mariensäule gestellt, mitten im Dreißigjährigen Krieg, der damals noch weitere, lange zehn Jahre dauern sollte. Die Darstellung geht zurück auf die biblische Offenbarung des Johannes, in der es über Maria, die Mutter Jesu, heißt: „Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.“ bm

Galaktische Eindrücke mit funktionierendem Klo

Bis zum Mond schafft man es mit dem Aufzug, anders als der Name suggerieren mag, zwar nicht ganz, aber halb so wild: Die Dachterrasse der „Frau im Mond“ auf dem Deutschen Museum ist trotzdem einen Besuch wert, vor allem an den nun bevorstehenden warmen Tagen. Der Blick, den man hier bei klarer Sicht über die Stadt, vor allem aber über die Corneliusbrücke und die zwei an dieser Stelle wieder zusammenfließenden Flussarme der Isar hat, lohnt den Ausflug in luftige Höhen allemal.

Gute Aussichten, nicht nur auf den Mond: Blick von der Dachterasse der „Frau im Mond“ im Deutschen Museum.
Gute Aussichten, nicht nur auf den Mond: Blick von der Dachterasse der „Frau im Mond“ im Deutschen Museum. Florian Peljak

Wer zum Sonnenuntergang auf etwas andere Höhenflüge hofft, kann es auch mit 1,5 Litern Wodka Red Bull oder Aperol Spritz probieren. Serviert werden die in der „Frau im Mond“ in einer Miniaturrakete, Ausgießer inklusive. Allerdings, das sollte man wissen: Nicht nur die Aufmachung, auch die Preise sind ein bisschen galaktisch; los geht es bei 75 Euro. Andererseits: Verglichen mit einer echten Rakete ist das vermutlich ein echter Schnapper. Und: Anders als bei der Artemis-2-Mondmission muss man wohl nicht fürchten, die Weltraumtoilette könnte ausfallen.  jala

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