Arsenals Teenager Max Dowman trifft mit 16 Jahren und 73 Tagen – Sport | ABC-Z

So könnten die Bilder aussehen, sollte der FC Arsenal in dieser Saison die Meisterschaft der Premier League gewinnen. Spieler und Fans lagen sich an der Eckfahne in einem gewaltigen Jubelknäuel in den Armen. Trainer Mikel Arteta ballte die Fäuste und rannte vor der Ersatzbank umher. Torhüter David Raya und Abwehrchef Gabriel Magalhães ließen sich vor Erleichterung in der eigenen Spielhälfte auf den Rasen fallen.
Die Atmosphäre im Emirates Stadium im Norden Londons erinnerte an die großen Zeiten des Klubs, als Arsène Wengers „Invincibles“ vor 22 Jahren den bislang letzten Ligatitel holten. „Es war magisch, einer der besten Momente in diesem Stadion überhaupt“, resümierte Arteta. Der Baske kann das glaubwürdig beurteilen: Von 2011 bis 2016 spielte er selbst für die Gunners, seit 2019 führt er nun das Team an. Die Zeitung Guardian schrieb: „Der Lärm auf den Tribünen explodierte wie ein Feuerwerkskörper.“
:Arsenal will die Meisterschaft – um jeden Preis
Mit einem luxuriös besetzten, sündhaft teuren Kader zieht der FC Arsenal an der Spitze der Premier League davon. Trainer Mikel Arteta kämpft gegen einen Fluch.
Auslöser war Arsenals Treffer zum 2:0-Endstand in der siebten Minute der Nachspielzeit gegen Everton – erzielt vom Wunderknaben Max Dowman. Bei seinem siebten Profieinsatz traf der Engländer erstmals für die Gunners und avancierte am Samstagabend mit taufrischen 16 Jahren und 73 Tagen zum jüngsten Torschützen der Premier-League-Geschichte. Seinen 16. Geburtstag hatte Dowman am 31. Dezember gefeiert. Den Rekord hielt bisher sein Landsmann James Vaughan, der vor 21 Jahren – 197 Tage älter – für Everton gegen Crystal Palace erfolgreich gewesen war.
Nach einer abgewehrten Ecke von Everton, bei der deren Torwart Jordan Pickford mit nach vorn gegangen war, fing Dowman den Ball mit dem Kopf außerhalb des Strafraums in halblinker Position ab. Anschließend umkurvte er zwei Gegenspieler und sprintete allein mit dem Ball am Fuß auf das leere Tor zu. Den Sololauf kommentierte Arteta später mit der Spannung eines Romanautors: „Es fühlte sich an wie 45 Sekunden, während Max durchbrach. Es baute sich immer weiter auf. Man sieht, dass kein Torwart da ist. Es wird passieren, es wird passieren. Es war einfach unglaublich.“
„Geh aufs Feld, mach dein Ding – und bring uns den Sieg“, sagte Trainer Arteta zu Dowman
Zuvor hatte der Flügelspieler in der 89. Minute die Führung für Arsenal spektakulär eingeleitet. Beinahe von der rechten Außenlinie schlug er mit seinem starken linken Fuß eine schier endlos segelnde Flanke in den Strafraum, die Pickford unterschätzte. Der Torwart griff daneben, sodass Arsenals aufgerückter Linksverteidiger Piero Hincapié den Ball mit der Hüfte für Mittelstürmer Viktor Gyökeres ablegte. Dessen Treffer glich einer Erlösung für Arsenal, nachdem sich die Gunners an den routiniert verteidigenden Gästen lange vergeblich abgemüht hatten.
In der zweiten Halbzeit erhöhte Arteta den Offensivdruck. Zunächst wechselte er Gyökeres und Linksaußen Gabriel Martinelli ein, dann griff er eine Viertelstunde vor Spielende zur letzten Option: Statt mit Gabriel Jesus einen weiteren Angreifer zu bringen, setzte er – durchaus gewagt – auf Dowman. Die Umstellung sei nicht geplant gewesen, sondern einem Bauchgefühl entsprungen, erklärte Arteta später. Bei der Einwechslung habe er Dowman mitgegeben: „Geh aufs Feld, mach dein Ding – und bring uns den Sieg.“ Die Maßnahme traute sich Arteta auch deshalb, weil sein Spieler von der Gesamtsituation offenbar unbeeindruckt bleibt. Zuschauer, Druck, Erwartungen, Alter? „Es scheint ihn kaum zu tangieren“, hob Arteta hervor: „Er spielt einfach natürlich.“
Durch Dowmans Einfluss baute Arsenal seinen Vorsprung an der Tabellenspitze vor Manchester City aus, das nicht über ein 1:1 beim Abstiegskandidaten West Ham hinauskam. Acht Spieltage vor Saisonende trennen die beiden Vereine nun satte neun Punkte, wobei Arsenal bereits ein Spiel mehr absolviert hat. Zwar muss Arsenal noch zum direkten Duell nach Manchester, doch das Restprogramm mit Gegnern überwiegend aus der unteren Tabellenhälfte spricht deutlich für die Gunners. Ebenso wie die Psychologie: Durch das League-Cup-Endspiel zwischen Arsenal und City am kommenden Sonntag, die danach anstehenden Länderspiele und das FA-Cup-Viertelfinale wird sich an der Tabellenspitze einen Monat lang nichts ändern.
Vor dem Achtelfinal-Rückspiel gegen Bayer Leverkusen in der Champions League zeigten die Gunners, dass sie auch mit angespannten Situationen umgehen können. Eine Lösung findet sich im luxuriös aufgestellten Kader fast immer – diesmal aus der eigenen Jugend. Bereits mit fünf Jahren kam Dowman im Mai 2005 in die Arsenal-Akademie und durchlief seither sämtliche Ausbildungsstufen. Sein Debüt in der Premier League hatte er zu Saisonbeginn mit 15 Jahren und 181 Tagen gegeben – den Altersrekord hält er damit allerdings nicht: Ethan Nwaneri, von Arsenal an Olympique Marseille ausgeliehen, war bei seinem Einstand vor dreieinhalb Jahren 54 Tage jünger. Nach seinen ersten Einsätzen wurde Dowman monatelang von einer Sprunggelenksverletzung ausgebremst; erst seit Ende Februar ist er wieder fit.
Auf Instagram schrieb Max Dowman nach der Partie: „Eine Nacht, die ich nie vergessen werde.“ So dürfte es auch allen Fans des FC Arsenal gehen. Von der Meisterschaft jedoch will Trainer Arteta noch nichts wissen – seine Ehrenrunde brach er auf halber Strecke ab.




















