Ärger über Mafiosi-Gefängnisse – „Sardinien ist keine Strafkolonie“ | ABC-Z

Sardinien ist bekannt für seine weißen Strände, das azurblaue Meer und die malerischen Dörfer. Die Urlaubsinsel hat in den vergangenen Jahrzehnten intensiv daran gearbeitet, ihre Natur zu bewahren und sich als eines der beliebtesten Ferienziele Europas zu positionieren. Doch diese Bemühungen drohen durch Pläne der italienischen Regierung in Gefahr zu geraten: Hunderte Mafiosi sollen auf der Insel untergebracht werden. Dagegen wehrt sich die Präsidentin der Region Sardinien, Alessandra Todde, entschieden: „Wir wollen nicht zur Strafkolonie Italiens werden.“
Worum geht es? Die Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni plant eine Neuorganisation des Hochsicherheitsvollzugs für Mafia-Häftlinge. Nach dem Plan sollen künftig sieben Gefängnisse in Italien ausschließlich für das besonders strenge Haftregime nach Artikel 41-bis des Strafvollzugsgesetzes vorgesehen werden – drei davon auf Sardinien, in der Nähe der Städte Sassari, Nuoro und Cagliari. Artikel 41-bis, auch bekannt als Carcere Duro, ermöglicht es, Häftlinge, die wegen Mafia, Terrorismus oder der Untergrabung der demokratischen Ordnung verurteilt wurden, unter strengsten Sicherheitsmaßnahmen zu inhaftieren. Ziel ist es, den Kontakt zwischen Gefangenen und ihren kriminellen Netzwerken komplett zu unterbinden.
Italien will bald bis zu 240 Mafiosi auf Sardinien inhaftieren
Derzeit sind in Italien rund 720 Insassen diesem Hochsicherheitsregime unterstellt, 90 davon allein auf Sardinien. Laut Regierungsplänen soll die Zahl der Häftlinge auf der Insel jetzt auf bis zu 240 steigen. Auch einige der gefährlichsten Schwerverbrecher Italiens sollen in den Haftanstalten der Insel untergebracht werden – sie sollen in den kommenden Wochen eintreffen.
Diese Zahlen und die Anwesenheit der Strafgegangenen hätten auf Sardinien „erhebliche Auswirkungen“, warnt Todde gegenüber der römischen Tageszeitung „La Repubblica“. Sardinien verdiene es nicht, zur „Cayenne Italiens“ zu werden, sagte Todde in Anspielung auf die berüchtigte französische Strafkolonie, bekannt aus Henri Charrières Roman „Papillon“. Die Regierung plane die Verlegung von Männern, die den höchsten Ebenen der Mafia angehören, von der ‘Ndrangheta bis zur Camorra.
Todde erklärte, sie habe seit Monaten an die Regierung appelliert, den Plan zu stoppen, jedoch ohne Erfolg: „Wir haben Ministerpräsidentin Meloni geschrieben, aber keine Antwort erhalten. Wir verlangen keine Sonderrechte – nur Respekt“, sagte die Präsidentin der Region Sardinien.
Sarden protestieren gegen Vorhaben
Kritiker befürchten, dass die geplante Unterbringung der Schwerverbrecher die organisierte Kriminalität auf der Insel stärken könnte, da Familienangehörige und Komplizen der Insassen oft in der Nähe der Haftanstalten Fuß fassen. Viele Regionen Sardiniens leiden unter hoher Arbeitslosigkeit und niedrigen Löhnen, was den Mafiosi Rekrutierungsmöglichkeiten eröffnet. Auch das angeschlagene Gesundheitssystem der Insel könnte durch die Unterbringung zahlreicher Hochrisikogefangener zusätzlich belastet werden, da medizinische Behandlungen von Mafia-Bossen aufwendige Begleitmaßnahmen erfordern.
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Zudem könnte es dazu kommen, dass aktuell auf Sardinien untergebrachte Gefangene auf das italienische Festland verlegt werden, um Platz für die neuen Schwerverbrecher zu schaffen – eine Belastung für viele sardische Familien, die ihre inhaftierten Angehörigen nicht mehr regelmäßig besuchen könnten. In den vergangenen Tagen protestierten etwa 2000 Menschen, darunter Bürgermeister und Gewerkschaftsvertreter, in Cagliari, der Hauptstadt Sardiniens, gegen den Plan der Regierung.
Italiens Regierung verweist auf gesteigerte Sicherheit
Das Kabinett Meloni verteidigt indes das Vorhaben: Die Unterbringung gefährlicher Krimineller an wenigen Orten und ihre Betreuung durch spezialisierte Gefängnisbeamte würden die Sicherheit im ganzen Land erhöhen und die Gefahr einer wirtschaftlichen Einflussnahme der Mafia auf Sardinien verringern. „Die Sicherheit wird erhöht, da das Überwachungsregime verschärft wird“, erklärte Andrea Delmastro, Staatssekretär im Justizministerium, laut Medienangaben. Das Risiko, dass Mafiaorganisationen in die sardische Wirtschaft eindringen, sei „gering“, fügte er hinzu.

Für viele Sarden weckt der Plan Erinnerungen an die Strafkolonien des 19. und 20. Jahrhunderts. Die Insel Asinara vor der Küste Sardiniens beherbergte einst ein Hochsicherheitsgefängnis. Historisch diente Asinara als Strafkolonie und Hochsicherheitsanstalt, in der gefährliche Kriminelle und Mafiosi untergebracht wurden. Das Gefängnis war für seine Isolation bekannt – die Insel ist von Meer umgeben und nur schwer erreichbar, was sie zu einem idealen Ort für die Unterbringung von Hochrisikoinhaftierten machte. Sie wurde 1997 zum Nationalpark erklärt und ist heute eine Touristenattraktion, bekannt für ihre einzigartige Population von Albino-Eseln.





















