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Ansturm auf Polens Billig-Tanken – B.Z. – Die Stimme Berlins | ABC-Z

Frankfurt (Oder)/ Slubice – Schluss mit dem Tankstellen-Horror! Seit Dienstag hat Polens Regierung die Benzin- und Dieselpreise gedeckelt – auf 80 Cent weniger als in Deutschland. Der Tank-Tourismus boomt.

Keine Zapfsäule frei an der Aral-Tankstelle im polnischen Slubice, gut einen Kilometer von der Grenzbrücke entfernt. An den zwölf Tanksäulen: ausschließlich deutsche Kunden. Aus der Nachbarstadt Frankfurt (Oder), den umliegenden Landkreisen und jeder Zehnte sogar aus Berlin. Mancher füllt nach dem Autotank noch einen Kanister auf. Denn jetzt kann man richtig sparen.

Nur 1,43 für den Liter Super

Nur 1,43 Euro (6,16 Sloty) kostet der Liter Super („95 Pb“) seit Dienstagfrüh, 1,58 Euro SuperPlus („98 Pb“). Und auch Diesel ist mit 1,77 Euro fast ein Schnäppchen. Die Preise hat Polens Regierung als Obergrenze festgesetzt. Sie sind jetzt an allen Tankstellen im Land gleich. Als Reaktion auf gestiegene Erdöl-Preise durch den Iran-Krieg.

Dazu wurde die Mehrwertsteuer auf Kraftstoff gesenkt: von 23 auf 8 Prozent. Zusätzlich drückte Warschau die Energiesteuer auf sieben Cent pro Liter – das von der EU erlaubte Minimum. Das Ergebnis: Sprit kostet rund 30 Cent weniger pro Liter als am Montag. Nie war die Ersparnis für deutsche Tank-Touristen so groß.

Auf der Grenzbrücke zwischen Frankfurt(Oder) und Slubice drängten sich am Dienstag die deutschen Autos Foto: Michael Sauerbier/BILD

Leere Zapfsäulen auf deutscher Seite

Die Kehrseite: gähnende Leere an den Zapfsäulen auf der deutschen Seite. Hier sind die Preise gleich geblieben: 2,24 Euro kostete der Liter Super am Dienstagmittag, 2,39 Euro Diesel. 62 bis 81 Cent mehr als in Polen! „Heute spüren wir den Preisunterschied besonders stark“, sagt eine Tankstellen-Mitarbeiterin in Frankfurt (Oder). „Die Leute kommen nur für Zigaretten, Pakete und Lottoscheine her. Tanken will kaum jemand.“

Gähnende Leere und Horror-Preise bei Esso in Frankfurt(Oder)
Gähnende Leere und Horror-Preise bei Esso in Frankfurt(Oder) Foto: Michael Sauerbier/BILD

„Das ist für die Pächter der Tankstellen und auch für die Mineralölgesellschaften eine schwierige Situation“, sagte ein Sprecher des Tankstellenverbandes. Das Tanken sei bereits in vielen Ländern im europäischen Ausland günstiger, „durch Polen wird das jetzt manifestiert. Der Tanktourismus wird zu unserem Bedauern zunehmen.“

Bleibt die Frage, wie lange Polen die Sparfüchse aus Deutschland gewähren lässt. Ministerpräsident Donald Tusk erklärte, seine Regierung werde den Markt im Hinblick auf ein mögliches Auftreten von Tank-Tourismus beobachten. Falls der weiter zunimmt, will Polen Gegenmaßnahmen einführen.

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