Anschlag auf General in Russland: Ein Schuss direkt in die Brust | ABC-Z

Ein Hochhaus im Nordwesten der russischen Hauptstadt Moskau: Gegen sieben Uhr am Freitagmorgen hatte Generalleutnant Wladimir Aleksejew gerade seine Wohnung im 23. Obergeschoss verlassen. Dann hörten Nachbar:innen mehrere Schüsse. Aleksejew, blutüberströmt, soll noch kurz bei Bewusstsein gewesen sein.
Der Telegram-Kanal Shot, der den russischen Sicherheitskräften nahestehen soll, berichtete von schweren Verletzungen lebenswichtiger Organe. Nach Angaben der Tageszeitung Kommersant habe sich der Killer als Essenlieferant ausgegeben, auf Aleksejews Arm und Bein geschossen. Als sich der Angegriffene zur Wehr setzte, erfolgte ein Schuss in die Brust.
Die Behörden ermitteln wegen versuchten Mordes gegen unbekannt. Fotos und Videoaufnahmen der Person sollen ihnen vorliegen; welche Spur sie verfolgen werden dürfte ohnehin klar sein. Außenminister Sergei Lawrow stellte den Anschlag sofort in den Kontext der laufenden Gespräche zwischen den USA, Russland und der Ukraine über eine mögliche Beendigung des Krieges: „Dieser Terrorakt hat erneut bestätigt, dass das Regime von Selenskyj auf ständige Provokationen aus ist, die wiederum darauf abzielen, den Verhandlungsprozess zu torpedieren.“
Wladimir Aleksejew, 1961 in der Ukraine geboren, bekleidet seit 2011 das Amt des ersten stellvertretenden Leiters der Hauptverwaltung des Generalstabs der russischen Streitkräfte GRU. Im Jahr 2017 wurde ihm die Auszeichnung „Held Russlands“ verliehen. In seinen Zuständigkeitsbereich fielen die Söldnertruppe Wagner und andere für Auslandseinsätze herangezogene Kampfverbände wie Redut.
Zerstörerische Durchschlagskraft
In Syrien war Wagner seit 2015 aktiv, immer in enger Kooperation mit der russischen Armee. Später wurde die Söldnerarmee unter Leitung von Jewgenij Prigoschin und dem ehemaligen GRU-Offizier Dmitrij Utkin in der Ukraine eingesetzt. Deren zerstörerische Durchschlagkraft sicherte der russischen Seite zwar Erfolgsmeldungen, allerdings bei exorbitant hohen Verlustzahlen in den eigenen Reihen.
Als Prigoschin im Juni 2023 seinen Aufstand gegen den Kreml anzettelte, forderte Generalleutnant Aleksejew die beteiligten Wagner-Söldner auf, ihren Widerstand sofort einzustellen. Das sei „Wahnsinn“, sagte er in einer Videoansprache. Dabei lag gegen ihn selbst der Verdacht einer Beteiligung an den Vorbereitungen zum „Marsch auf den Kreml“ vor, er wurde sogar kurzzeitig festgenommen.
Dass Aleksejew ein potenzielles Ziel von Anschlägen war, hätte ihm eigentlich bewusst gewesen sein müssen. Sein Gesicht dürfte sich 2023 vielen eingeprägt haben. Zudem hatte es vor ihm mehrere seiner Kollegen in Moskau getroffen – alle im Generalsrang: Im Dezember 2024 Igor Kirillow, im April 2025 Jaroslaw Moskalik und im vergangenen Dezember Fanil Sarwarow.
Wegen Mordes an Moskalik verhängte ein Gericht gegen Ignat Kusin im Herbst lebenslange Haft. Er soll die Tat gegen Geldzusagen aus der Ukraine begangen haben. Trotzdem scheinen sich hochrangige russische Militärs in Moskau sicher zu fühlen. Aleksejew wohnte in einem Neubau ohne spezielle Sicherheitsmaßnahmen.





















