Andechs: Klosterbrauerei mischt Apfelschorle und Weißbier – Starnberg | ABC-Z

Normales Bier verkauft sich immer schlechter, Alkoholisches ist lange nicht mehr so gefragt, wie das einmal war. Angesichts sinkender Absatzzahlen müssen sich die Brauereien etwas einfallen lassen. Auch auf dem Heiligen Berg bei Andechs tüfteln die Braumeister daher stets an neuen Kreationen. Zwei Jahre nach der Einführung des alkoholfreien Hellen ist nun eine Mischung aus Apfelschorle und alkoholfreiem Weißbier auf dem Markt, eine Mixtur, die bisher kaum zu finden ist. Die erste Abfüllung sei schon komplett verkauft, das neue Getränk nun national verfügbar, sagte Verkaufsleiter Konrad Muck am Freitag bei der Vorstellung der „Apfelweißen“ im Lagerkeller der Klosterbrauerei. Ein Fachmann äußerte sich voll des Lobes.
Biersommelier Wolfgang Stempfle, ehemaliger Leiter der Lehr- und Forschungsbrauerei Doemens in Gräfelfing, durfte das neue Gebräu aus Andechs schon vorab verköstigen. Sattes Gelb, orangefarbene Reflexe und perfekter, beständiger Schaum gefallen ihm schon vom Anblick her. Im Geruch fallen ihm „enorm viele Fruchtkomponenten“ auf, darunter die fürs Andechser Weißbier typische Banane, aber auch Mango und Papaya. Im Geschmack stellt der Experte im Zusammenspiel mit dem Apfelsaft Fruchtsäure fest, „die wunderbar mit dem Malzkörper harmoniert“. Dem Laien könnte noch auffallen, dass das Ganze bei den ersten Schlucken reichlich süß daherkommt. Insgesamt ein „absolut tolles Produkt, eigenständig, innovativ“, meint Stempfle. Pater Korbinian bezeichnete die Mischung als „einzigartig in der Getränkelandschaft“.
Selten ist es jedenfalls, zumal in der Kombination mit einem Weißbier. Etwas Ähnliches gibt es zum Beispiel in der Karlsberg-Brauerei oder der Schlossbrauerei Stein im Chiemgau, die jeweils eine alkoholfreie Mischung aus alkoholfreiem Bier und einem Apfel-Erfrischungsgetränk anbieten. Nicht jedoch mit Weißbier. Das gibt es dagegen schon seit Jahrzehnten im Andechser Bräustüberl, aber eben mit Alkohol.
Vor etwa einem Jahr sei dann vom Vertriebsteam der Anstoß gekommen, diese bewährte Mischung zu variieren und etwas Neues zu probieren. Man testete verschiedene Mischungsverhältnisse, 55 Prozent Apfelschorle mit 45 Prozent Weißbier erwiesen sich schließlich als ausgewogen und passend. Und dann ging alles recht schnell: Erste Testabfüllung im Oktober, erste Abfüllung in Flaschen mit den neuen Etiketten im Februar. Etwa 1000 bis 2000 Hektoliter könnten heuer gemischt werden, sagt Verkaufsleiter Muck, bei Bedarf auch mehr.
Die Andechser haben ja schon festgestellt, wie sehr Alkoholfreies gefragt ist. Nach Angaben von Klostersprecher Martin Glaab ist der Absatz von Weißbier und Hellem in diesem Segment insgesamt um deutlich mehr als 15 Prozent gestiegen, und er sieht weiter Wachstumspotenzial. Noch ist das alkoholfreie Weißbier, das schon seit zehn Jahren verkauft wird, vom Absatz her stärker als das erst im Frühjahr 2024 auf den Markt gebrachte alkoholfreie Helle. Der Bereich sei ein Schwerpunkt der Produktentwicklung. Dahinter stecke aber „einfach auch Neugierde und Experimentierfreude, was in Sudhaus und Gär- und Lagerkeller alles möglich ist“, erklärt Glaab.
Die zunehmende Experimentierfreude wird befeuert durch den Umstand, dass der Durst auf Alkoholisches stetig nachlässt und das schon seit vielen Jahren. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts ist allein im vergangenen Jahr der Bierabsatz um sechs Prozent gesunken. Innerhalb von 15 Jahren hat der deutsche Biermarkt beim Absatz etwa ein Viertel verloren. Mit bundesweit durchschnittlich 88,7 Litern Bier hat der Jahresverbrauch pro Kopf einen Tiefststand erreicht. Die Zahl der Brauereien in Bayern ist auf unter 600 gesunken, berichtete Walter König, Geschäftsführer beim Bayerischen Brauerbund. Dass der Bierdurst sinkt, liegt wohl auch an der Alterung der Gesellschaft. Rentner trinken eben weniger Alkohol als ausgehfreudige junge Erwachsene.
Die Firmenpolitik der Andechser Klosterbrauerei liegt daher voll im Trend. Im vergangenen Jahr überschritt der Umsatzanteil von alkoholfreien Bieren und Biermischgetränken im Handel erstmals die Zehn-Prozent-Marke. Mehr als 800 Sorten alkoholfreies Bier gibt es schon in Deutschland. Mit der Apfelweißen ist in Andechs das Dutzend der Biersorten voll. Insgesamt beläuft sich der Ausstoß dort auf etwa 100 000 Hektoliter pro Jahr.





















