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DEL-Spieler des Jahres Janne Juvonen: Erst arbeitslos – dann konkurrenzlos | ABC-Z

Stand: 17.03.2026 • 08:01 Uhr

Janne Juvonen war vor Saisonbeginn noch ohne Vertrag. Nun ist der Goalie der Kölner Haie nicht nur zum besten Torhüter der Saison gewählt worden, sondern gleich zum besten Spieler.

Es ist eine echte Cinderella-Story. Aus der harten Welt der Eishockey-Profis. Janne Juvonen, jahrelang ein überaus geschätzter und beliebter Torhüter beim Schweizer Erstligisten HC Ambri-Piotta steht vor ziemlich genau einem Jahr plötzlich auf der Straße. Ohne neuen Vertrag und ohne sportliche Perspektive.

Sechs Monate geht das so. Dann erinnert sich ein anderer Finne an die Fangkünste und Reflexe des kahlköpfigen Keepers, der in Nordkarelien, in der kleinen Ortschaft Kiihtelysvaara nahe der Grenze zu Russland aufgewachsen ist. Und nun ist Janne Juvonen von den Kölner Haien nicht nur zum besten Torhüter der DEL-Saison gewählt worden, sondern gleich auch zum besten Spieler.

Janne Juvonen – der ruhige Mann aus dem Norden

Janne Juvonen ist kein großer Redner. Er ist dabei nicht unfreundlich. Sondern einfach zurückhaltend, vielleicht sogar introvertiert. Janne Juvonen denkt eben gerne noch mal ein bisschen nach, ehe er auf eine Frage antwortet. „Aamu on iltaa viisaampi“, sagen finnische Männer wie er irgendwann vielleicht, wenn man sie auf ihre Zurückhaltung angesprochen hat: „Der Morgen ist klüger als der Abend.

Janne Juvonen ist in einer weithin unbekannten Ortschaft aufgewachsen, die inmitten eines weithin unbekannten Teils von Finnland liegt. Kiihtelysvaara in Nordkarelien – hinterm Gartenzaun fängt Russland an. Kiihtelys war in früherer Zeit die Maßeinheit für exakt 40 Eichhörnchenfelle, als der Handel noch ohne Bargeld auskam. Im Wappen von Kiihtelysvaara sind deshalb vier silberfarbene Eichhörnchenfelle zu erkennen.

Janne Juvonen brauchte ein dickes Fell. Unbedingt. Vor einem Jahr war das, als im schönen Tessin beim HC Ambri-Piotta auf einmal alles zu Ende war. Nach drei recht erfolgreichen Jahren, in denen der kleine stolze Klub sogar den großen Spengler Cup gewonnen hatte – mit Juvonen im Tor. Bei Ambri-Piotta sollte jedoch von nun an auf zwei Schweizer Goalies gesetzt werden. Für Juvonen, der immerhin zum erweiterten Kreis der finnischen Nationalmannschaft zählte, war kein Platz mehr frei.

Juvonen hält sich ohne Vertrag fit

Und so war Juvonen plötzlich wieder zurück in Finnland. “Ich bin viele Runden allein auf dem Eis oder durch den Wald gelaufen“, sagt Juvonen, nachdem er einen Augenblick oder zwei über seine Geschichte nachgedacht hat. Er musste sich fit halten, irgendwie und irgendwo, um noch einmal eine Chance auf Profi-Eishockey zu erhalten. Also trainierte er mit ein paar Jungs, die in der zweiten finnischen Liga spielten, doch als deren Klub in die Saisonvorbereitung einstieg, war für Juvonen kein Platz mehr auf dem Eis.

Manchmal bin ich am Ende von deren Training noch aufs Eis und habe ein paar Spieler gefragt, ob sie mir ein paar Scheiben aufs Tor schießen.” Vom gefeierten Torhüter in der bärenstarken Schweizer Liga zum Bittsteller in der finnischen Provinz – als der Anruf von Kari Jalonen kam, war es längst höchste Zeit.

Die Erlösung kommt im Herbst

Ende Oktober war das. Felix Brückmann, einer der beiden Stammkeeper hatte sich verletzt. Köln brauchte Ersatz, und Trainer Jalonen erinnerte sich, dass in seiner Heimat irgendwo dieser überaus begabte Juvonen ohne Vertrag womöglich genau auf seinen Anruf wartete. “Das es dann so gut gepasst hat, dazu brauchte man auch ein bisschen Glück“, erinnert sich Jalonen, der in seiner Heimat beinahe so bekannt ist wie Jogi Löw in Deutschland.

Jedenfalls ließ Juvonen gleich im ersten Spiel gegen Frankfurt keine Scheibe durch, und in den folgenden sechs Monaten erlebte er wieder die Sonnenseite seines Sports, wuchs phasenweise über sich hinaus. “Ich hätte als Verteidiger immer gern mit so einem ruhigen, introvertierten Goalie gespielt“, sagt Bundestrainer Harry Kreis. “Der gibt seinen Vorderleuten ein gutes Gefühl.” Aus der Notlösung Juvonen wurde jedenfalls eine fast konkurrenzlose Top-Lösung. Juvonen hat jüngst einen Vertrag über weitere drei Jahre unterschrieben.

Folgt jetzt der DEL-Titel?

Juvonens Geschichte ist kein Einzelfall. Sie ist im Eishockey schon einige Male erzählt worden. Vor einem Jahr zum Beispiel, als der Slowake Július Hudáček ebenfalls recht unverhofft das Kölner Tor bewachen durfte und dabei schnell zum Publikumsliebling avancierte, weil seine Show nach dem Spiel recht eindrücklich war. Man könnte auch sagen: Július Hudáček war eine echte Rampensau. Vielleicht aber auch nur ein One-Hit-Wonder.

Janne Juvonen ist das nicht, vielleicht haben ihn die Kapitäne, Trainer und Sportdirektoren der DEL auch deshalb mit einigem Abstand zum besten Spieler der Saison erkoren. Die Kölner Fans sind so zuversichtlich wie lange nicht, dass ihre Mannschaft mit diesem stillen Mann zwischen den roten Stangen im Mai endlich wieder den Meisterpokal in die Frühlingsluft strecken kann. Zum ersten Mal seit 24 Jahren. Dann wäre die Eishockey-Welt am Rhein wieder in Ordnung. Oder wie es in Finnland heißt: “Loppu Hyvin, kaikki Hyvin” – Ende gut, alles gut. Janne Juvonen nickt: “So ist es.”

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