Alleinerziehende Mutter soll über 10.000 Euro für Strom nachzahlen | ABC-Z

Wedding – Wurde eine alleine erziehende Mutter Opfer Strom-Dieben? Denn sie soll im vergangenen Jahr fast dreimal so viel Strom verbraucht haben wie üblich für einen Haushalt ihrer Größe – über 10.0000 Euro Nachforderungen sind schon aufgelaufen.
Seit zehn Jahren lebt Kamar A. (37) mit ihren vier Kindern (9, 13, 16 und 18 Jahre alt) in einer Dreizimmerwohnung (76 qm) in Wedding. 930 Euro kostet die Miete warm. Sie war aus Syrien nach Berlin geflüchtet, hat Deutsch gelernt und ihren Schulabschluss nachgeholt. Jetzt will sie eine Ausbildung als Zugführerin beginnen. „Ich bin vor dem Krieg geflohen, aber die Probleme verfolgen mich“, sagt sie.
Das Problem: aktuell gibt es eine Mahnung über 8870,96 Euro vom Anbieter Primastrom und eine weitere Stromnachzahlungs-Aufforderung von Vattenfall über 1736,92 Euro. Wie es dazu kommen konnte, kann sie sich nicht erklären: „Ich habe bereits alles unternommen. Trotzdem gibt es bis heute keine Lösung.“
Rückblick: Es begann damit, dass sie 2017 an der Haustür einen Vertrag von Primastrom abgeschlossen hat. Weil sie sparsam im Verbrauch war, bekam sie bei der Jahresabrechnung auch immer ein Guthaben zwischen 120 und 517 Euro zurück. Der Vertrag endete im Frühjahr 2024.
Dann der Schock: In der Abschlussrechnung für das Jahr 2022 wurden ihr 14.929,30 Kilowattstunden (kWh) berechnet. Dafür sollte sie 5605,46 Euro nachzahlen!

Seither bekommt sie regelmäßig Mahnungen. Inzwischen ist die geforderte Summe aufgrund weiterer offener Posten zum Vertragsende und Mahngebühren auf 8870,96 Euro gestiegen.
Anzeige bei der Polizei wegen vermuteten Stromdiebstahls
Auf eigene Kosten ließ Kamar A. den Stromzähler überprüfen. Das Stromnetz Berlin bescheinigte, dass dieser in Ordnung sei. Dann ließ sie einen Strom-Check aller Elektrogeräte machen. Ergebnis: auch alles okay, der Verbrauch normal. Es drängte sich der Verdacht des Stromdiebstahls durch unbekannte Dritte auf.
Mithilfe ihrer Familienhelferin erstattete Kamar A. daher Anzeige bei der Polizei gegen Unbekannt wegen des vermuteten Stromdiebstahls. Laut Polizei wurde dies bereits an die Amtsanwaltschaft Berlin abgegeben. Das war 2024.

Sie wechselte zum Anbieter Vattenfall – die Probleme blieben. Sie bekam eine Nachzahlungsaufforderung von 1736 Euro. Denn sie soll im vergangenen Jahr 8135 kWh verbraucht haben. „Wegen dieser ganzen Nachzahlungs-Forderungen musste ich inzwischen Insolvenz beantragen und habe große Angst vor weiteren Rechnungen“, sagt sie.
Vattenfall sagte nach B.Z.-Anfrage, den Fall noch mal zu prüfen. Laut Polizei wurden zum Delikt „Entziehung elektrischer Energie“– wie der Strom-Klau im Amtsdeutsch heißt – im Jahr 2024 insgesamt 127 Straftaten erfasst.
Primastrom, mit Sitz in Berlin, ist seit Jahren im Visier der Verbraucherzentralen, die mehrfach gegen sie geklagt haben. Wegen angeblich unzulässiger Preiserhöhungen und unerlaubter Werbeschreiben.





















