Afghanistan: Taliban-Vertreter übernimmt afghanisches Generalkonsulat in Bonn | ABC-Z

Das afghanische Generalkonsulat in Bonn hat seinen Betrieb nach der Übernahme durch einen Taliban-Vertreter wieder aufgenommen. Das teilte das afghanische Außenministerium mit. Aus Protest gegen die Kontrolle durch die Taliban hatten der bisherige
Generalkonsul, Hamid Nangialay Kabiri, und die Belegschaft vor einigen Wochen ihre Arbeit niedergelegt.
Das Generalkonsulat in Bonn war die letzte Vertretung Afghanistans in Deutschland, die noch nicht von den radikalislamischen Taliban kontrolliert wurde. Kabiri beantragte nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa im Oktober Asyl in Deutschland. Er hatte sich auch öffentlich klar gegen die Taliban ausgesprochen.
Offiziell erkennt Deutschland die Taliban als afghanische Regierung nicht an, verhandelte in der Vergangenheit jedoch mit Vertretern über Abschiebungen von Straftätern nach
Afghanistan. Die Bundesregierung hatte die Einreise von zwei Taliban-Diplomaten erlaubt, um die Konsulate in Bonn und
Berlin zu übernehmen. Beide Einrichtungen waren zuvor nicht unter Kontrolle der Machthaber in
Kabul.
Konsulat in Bonn ist IT-Knotenpunkt
Kabiri verurteilte die Entsendung der Taliban-Vertreter in einer Videobotschaft scharf. Die Entscheidung sei inakzeptabel und eine ernsthafte Bedrohung für die Sicherheit sensibler Dokumente und Informationen afghanischer Bürger.
Mit dem Generalkonsulat in Bonn übernehmen die Taliban einem Bericht der ARD zufolge auch dort gespeicherte, sensible Daten.
Das Bonner Konsulat diente bislang als Knotenpunkt für die IT-Systeme
von afghanischen Botschaften und Konsulaten in Europa, Kanada und
Australien. Viele dieser Vertretungen stehen derzeit nicht unter Kontrolle der Taliban. Nun werde befürchtet, dass Daten – etwa von Oppositionellen im Exil – in den Händen der Taliban ihnen oder ihren Familien in
Afghanistan schaden könnten.





















