Berlin

Süd-Ost-Galerie in Oberschöneweide: Wie eine neue East-Side-Gallery | ABC-Z

Geschliffene Diamanten und Erdbeeren füllen eine blau gepunktete Schüssel, um die herum Obst, Gemüse und eine Sanduhr verteilt sind, eine Hand greift nach einer Erdbeere.

Nur wenige Schritte weiter steht man plötzlich vor einer knalligen Karikatur von Schafen mit lila Augenlidern und verwirrten Blicken. Oder vor riesigen Superhelden und Werken im Comic-Stil. Jedes Stück Wand bietet ein ganz neues Graffiti-Erlebnis. Hier in Oberschöneweide können diese Werke in der Süd-Ost-Galerie entlang des Grenzweges bewundert werden, die die Kunst von über 20 Graffitiartists auf mehr als 450 Metern zeigt.

Die Süd-Ost-Galerie ist über 450 Meter lang. An dem Projekt des Künstlers Akte One haben über 20 weitere Künstler mitgewirkt



Foto:
Mila Kassem

Die Kleingartenkolonien links und rechts der Minna-Todenhagen-Straße werden von der großen, dunkelgrauen Schallschutzmauer von der Straße abgeschirmt, deren tristen Anblick die Klein­gar­ten­in­ha­be­r*in­nen leid waren. Die Lösung? Eine riesige Graffitiwand.

Das Projekt „Akte One and Friends – In The Mix“ des Berliner Künstlers Akte One diente der Umgestaltung der Wand, um den Kleingartenbesitzenden einen schöneren Anblick anzubieten. Die Wand wurde in einem knappen Jahr fertiggestellt, gesprüht wurde von Ende Juli bis zum vierten Advent. Seit dem 14. März ist die Galerie offiziell eröffnet. Nun ist die Schallschutzmauer eine kunterbunte Open-Air-Galerie, die eine Vielfalt an Stilen und Künstlern zusammenbringt.

Künstler-Credits: Akte One, More und Cren



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Mila Kassem

Künstler-Credits: Akte One, Gino Fuchs und Cren



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Mila Kassem

Die Wand besteht aus drei Abschnitten. Der mittlere Teil stellt das zentrale Projekt „In The Mix“ dar, in dem 15 verschiedene Konzeptwerke von 15 Künstlern zu sehen sind. Alle sind in Stil und Thema unterschiedlich, es gibt viel zu entdecken. Laut Akte One haben die Künstler an jedem Konzeptbild durchschnittlich 3 Tage gesprüht. Links und rechts der Mittelwand gibt es zwei Bereiche, die von Street-Graffiti-Leuten aus der Gegend designt wurden, um die Wand authentisch zu halten und die lokale Szene zu präsentieren.

Die Gestaltung der Wand war ursprünglich ein Solovorhaben von Akte One, der dann aber das Konzept für „In The Mix“ entwickelte. So wurde das Projekt zu einer großen Koproduktion von klassischen Graffitiwritern, Akte One und internationalen Gastkünstlern. Insgesamt waren mehr als 20 Künstler an der Süd-Ost-Galerie beteiligt. Das Projekt wurde schnell zu einem Sozialraumprojekt, dass Künstler und An­woh­ne­r*in­nen in engen Kontakt brachte.

Ohne Sponsoren war „In The Mix“ auf Spenden der Sprühdosenmarke Molotow und privater Maler angewiesen, die etwa die Hälfte der Dosen sowie Wandfarbe zur Verfügung stellten. Der Rest kam aus den Taschen der Künstler. Bezahlung gab es keine, dafür kann man im Buch „In The Mix“ über die Künstler, die Konzeptwände, Arbeit und Vorbereitung lesen und per QR-Code auf Making-of-Videos zugreifen.

Auch am Vormittag des windigen Ostermontags, einen knappen Monat nach der Eröffnung der Süd-Ost-Galerie, sind Besucher unterwegs, um die Straßenkunst zu bewundern. Ältere Paare spazieren den Grenzweg entlang und machen Fotos, eine Familie auf einem Fahrradausflug macht halt, vereinzelt sind auch jüngere Menschen zu sehen. Auf der gegenüberliegenden Seite ist niemand unterwegs. Kein Wunder, ohne die kunterbunte Galerie ist das Stückchen Straße ein bedrückend leerer und grauer Ort.

Die Autorin (18) ist Schülerpraktikantin bei der taz

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