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Schiri-Entscheidungen gegen den FC Barcelona: Wenn alles schiefgeht | ABC-Z

Kurz vor Schluss schlug Lamine Yamal allen Frust mit der Faust auf den Rasen. Wie ein Kind, das der 18-Jährige irgendwo ja auch fast noch ist. Der Flügelstar des FC Barcelona hatte es immer wieder mit der halben Abwehr von Atlético Madrid allein aufgenommen, den ersten Verteidiger versetzt, den zweiten getunnelt, den dritten umspielt.

Es hätte eine denkwürdige Darbietung werden können. Doch irgendwo machte er doch immer noch einen Haken zu viel oder es war da dann doch immer noch ein weiteres Bein. Am Ende blieb das für seine Offensive gefürchtete Barcelona im Champions-League-Viertelfinalhinspiel torlos, und weil es zwei Tore kassierte, steht es beim Rückspiel in Madrid vor dem Aus.

Für die Mannschaft von Trainer Hansi Flick lief im Prinzip schon seit der vergangenen Länderspielpause alles schief, was schieflaufen konnte. Da verletzte sich der Brasilianer Raphinha im Dienst für sein Land. Der Linksaußen ist nicht so spektakulär wie Rechtsaußen Yamal, doch für Fachleute wie Diego Simeone noch wichtiger. „Ich verstehe nicht, wie Raphinha nicht den Ballon d’Or bekommen konnte“, erklärte der Atlético-Trainer vor ein paar Monaten: „Bei mir ist er die erste Wahl.“

Wie Simeone aus etlichen Begegnungen gut weiß, dirigiert Raphinha meist Barças Offensivpressing, die vielleicht wirksamste taktische Waffe der Flick-Elf. Nur ein anderer Profi kommt seiner Expertise in diesem Bereich annähernd gleich, Halbstürmer Fermín López, und der hatte sich am Morgen des Spiels am Kopf verletzt. Fermín kam mit Turban erst zu einer zweiten Halbzeit, für die der angeschlagene Spielgestalter Pedri ausgewechselt wurde. Dessen angestammte Nebenleute, Frenkie de Jong und Marc Bernal, fehlten ohnehin. So blieben nicht viele Mittel als die Dribblings Yamals.

Fragwürdige Entscheidungen des Schiedsrichters

Es hätte dennoch zu einem besseren Ergebnis reichen können, wären in der Schlüsselphase der Partie nicht alle Entscheidungen zugunsten Atléticos gefallen. Kurz vor der Pause verschonte Schiedsrichter Kovacs aus Rumänien zunächst Gäste-Kapitän Koke nach seinem dritten harten Foul vor einer Gelb-Roten Karte. Wohl zur Kompensation wollte es Kovacs auch bei Gelb belassen, als Barça-Abwehrchef Pau Cubarsí kurz darauf als letzter Mann den Weg von Atléticos Trainersohn Giuliano Simeone kreuzte. Aber aus dem Video-Kabuff rief ihn der deutsche Var Christian Dingert an den Monitor, es gab Rot – und den Rückstand obendrauf, als Julián Álvarez wunderbar den fälligen Freistoß verwandelte.

Die problematischste Szene des Spiels ereignete sich kurz nach Wiederbeginn. Trotz Überzahl untermauerte Atlético seinen historischen Ruf als Fußballverderber und übte sich ausgiebig in Zeitspiel. Verteidiger Marc Pubill ging so auf in dem Projekt, dass er einen Ball in die Hand nahm und am Abstoßkreis platzierte, den sein Torwart Juan Musso vorher schon ins Spiel gebracht hatte. Die Regel verlangt für diesen Fall einen Elfmeter. Doch Kovacs und Dingert winkten die Aktion durch. Alexander Sorloth machte dann den Triumph der Gäste nach dem einzig echten Angriff in der zweiten Halbzeit perfekt.

Unfassbar, befand Flick und fühlte sich von Geistern aus dem Heimatland verfolgt. „Es war ein Deutscher, danke, Deutschland!“, kommentierte er ironisch über Dingert. Tatsächlich frappierte die Zurückhaltung des deutschen Var auch insofern, als dem FC Bayern vor zwei Jahren im Viertelfinale bei Arsenal in einer identischen Szene ebenfalls der Elfmeter vorenthalten wurde – und die Experten anschließend unisono erklärten, dass der Schiedsrichter falsch gehandelt habe.

Barça, das sich schon in den vergangenen Jahren in der Champions League häufig benachteiligt fühlte, erwägt eine offizielle Protestnote an den europäischen Fußballverbands Uefa. Bringen wird das erfahrungsgemäß wenig. Da hilft für das Rückspiel schon eher, dass Lamine Yamal seine Zuversicht wieder gefunden hat. „Es ist noch nicht vorbei“, schrieb er am nächsten Tag in den sozialen Netzwerken.

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