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Krieg im Iran: Was über die Waffenruhe zwischen USA und Iran bisher bekannt ist | ABC-Z

Der US-Präsident und Irans Außenminister haben eine Waffenruhe zwischen den beiden Staaten bestätigt. Gespräche sollen am Ende der Woche folgen. Ein Überblick




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Der Libanon ist von der Waffenruhe bisher ausgenommen.
© Kawnat Haju/​AFP/​Getty Images

US-Präsident Donald Trump hat eine zweiwöchige Waffenruhe mit dem Iran angekündigt. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi bestätigte dies. Gespräche sollen folgen. Die Reaktionen aus der internationalen Politik sind verhalten optimistisch. Was ist bisher über die Bedingungen der Waffenruhe bekannt? Und wie geht es weiter? Die wichtigsten Fragen

Wann soll die Waffenruhe gelten?

Wo soll die Waffenruhe gelten?

Auch das ist bisher nicht umfassend geklärt. Alle Beteiligten – der Iran, die USA, Israel und der Vermittler Pakistan – sprachen bisher von einer Waffenruhe im Iran. Die USA und Israel, die das Land Ende Februar angegriffen hatten, schlossen eine Waffenruhe, die damit in Israel und dem Iran gelten dürfte. Inwieweit auch die angegriffenen Golfstaaten in das Abkommen einbezogen sind, ist nicht explizit benannt. Bei einer Einstellung von Angriffen sowohl durch die USA als auch durch den Iran dürften aber auch Attacken auf diese ausbleiben.

Ob die Waffenruhe für den ganzen Nahen Osten ausgeweitet wird, ist noch unklar. Pakistan hatte angekündigt, dass der Libanon in der Waffenruhe inbegriffen sei. Auch US-Regierungsvertreter hatten mitgeteilt, dass sich das
israelische Militär ebenfalls an die Waffenruhe halten werde. Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu dementierte jedoch, dass die Waffenruhe für den Libanon gelten soll. Auch das israelische Militär schrieb, dass die Angriffe im Libanon weitergingen.

Haben die Angriffe bereits aufgehört?

Angaben zu aktuell stattfindenden Angriffen sind ebenfalls widersprüchlich. In der Nacht auf Donnerstag berichtete die New York Times bereits, dass das US-Militär seine Angriffe schon eingestellt habe. Die US-Nachrichtenseite Axios berichtete dagegen, dass das US-Militär auf die Öffnung der Straße von Hormus warten wolle. Am Mittwoch meldete der Iran erneut Explosionen am Persischen Golf.

Israel meldete nach der Ankündigung der Waffenruhe erneut Raketenbeschuss. Auch in den Golfstaaten Saudi-Arabien, Bahrain, Kuwait,
Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten gab es in der Nacht auf Donnerstag erneut Luftalarm, tagsüber sollen weiterhin iranische Drohnen abgefangen worden sein.

Das israelische Militär greift weiter im Südlibanon an und verstärkte seine Angriffe sogar. Mehr als 250 Menschen kamen nach Angaben des Zivilschutzes im Libanon ums Leben. Aus der libanesischen Hauptstadt Beirut wurden die heftigsten
Angriffe seit Beginn des Krieges zwischen Israel und der Terrormiliz Hisbollah gemeldet. Der Libanon rief einen Tag der Trauer aus.

Welche Bedingungen gelten für die Verhandlungen?

Die USA haben die Öffnung der Straße von Hormus zur Bedingung für eine Waffenruhe gemacht. Trump schrieb online, er sei bereit, “die Bombardierung und den Angriff auf den Iran für einen Zeitraum von zwei Wochen auszusetzen”, und zwar “unter der Voraussetzung, dass die Islamische Republik Iran der VOLLSTÄNDIGEN, SOFORTIGEN und SICHEREN ÖFFNUNG der Straße von Hormus zustimmt”.

Weiter schrieb Trump, dass die Verhandlungen der USA mit dem Iran auf Grundlage eines iranischen Vorschlags weitergeführt werden sollten. “Wir haben einen 10-Punkte-Vorschlag vom Iran erhalten und glauben, dass dies eine tragfähige Verhandlungsgrundlage ist”, schrieb er. “Fast alle bisherigen Streitpunkte sind zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran geklärt worden, doch ein Zeitraum von zwei Wochen wird es ermöglichen, das Abkommen endgültig zu formulieren und abzuschließen.”

Der Inhalt des Plans ist bisher nicht öffentlich. Angaben dazu gibt es von iranischen Nachrichtenagenturen, die von US-Medien teilweise aufgegriffen wurden. So soll in dem Plan stehen, dass der Iran die Kontrolle über die Straße von Hormus behalten und Uran anreichern dürfe. Zudem sollen die USA ihre Truppen aus
Militärstützpunkten in der Region abziehen, auch die Sanktionen gegen den Iran sollen aufgehoben werden. Auch soll es um Reparationszahlungen gehen und die Resolutionen des Gouverneursrats der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA sollen aufgehoben werden.

Darüber, ob der Iran sich zudem laut dem Plan dazu verpflichten soll, niemals Atomwaffen herzustellen, gibt es unterschiedliche Angaben. Mehrere dieser Punkte hatten die USA bisher eigentlich abgelehnt. Die Angaben lassen sich bisher nicht überprüfen.

Trump schrieb auf seiner Plattform einige Stunden nach Verkündung der Waffenruhe, die USA und der Iran würden gemeinsam verschüttetes Uran bergen. Zudem schrieb er: “Es wird keine Urananreicherung geben.” Der Iran bestätigte das bisher nicht.

Was für Gespräche sind geplant?

Iranischen Angaben zufolge sollen am Freitag Gespräche zwischen den USA und dem Iran in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad beginnen. Die USA bestätigten zuletzt jedoch Gespräche am Samstag. Sowohl Trump als auch Araghtschi bezogen sich auf den pakistanischen Regierungschef
Shehbaz Sharif und den pakistanischen Generalstabschef Asim Munir für künftige Gespräche. Sie sollen die Waffenruhe ausgehandelt haben. Nach pakistanischen Angaben werden bereits Sicherheitsvorbereitungen getroffen.

In welcher Konstellation die Gespräche stattfinden sollen, ist noch unklar. US-Vizepräsident JD Vance soll die US-Delegation anführen. Auch Trumps Schwiegersohn Jared Kushner sowie der Sondergesandte Steve Witkoff sollen dabei sein. Nach pakistanischen Angaben könnten auch Vertreter aus Saudi-Arabien, der Türkei und Ägypten
an den Gesprächen teilnehmen.

Ob der Krieg mit der Waffenruhe endet, hängt davon ab, ob sich in diesen Gesprächen geeinigt werden kann. Der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher
Ghalibaf hatte bereits am Mittwoch gesagt, zentrale Themen des Zehnpunktevorschlags
seien bereits vor den geplanten Gesprächen verletzt worden. Eine Drohne sei in den iranischen Luftraum eingedrungen, und die USA verweigerten dem Iran das Recht auf Urananreicherung.

Wie geht es jetzt weiter?

Trump nannte die Waffenruhevereinbarung einen “totalen und
vollständigen Sieg” für die USA
. “Hundert Prozent. Ohne jeden
Zweifel”, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Er schrieb nach Verkündung der Waffenruhevereinbarung zudem von einem “großen Tag für den Weltfrieden”. Die US-Demokraten hatten vor der Waffenruheankündigung noch Trumps Absetzung gefordert und ihm vorgeworfen, den Krieg mit dem Iran zu eskalieren. “Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht untergehen, um nie wieder
zurückzukehren”, hatte Trump zuvor angekündigt.

Einige Stunden nach der Verkündung sagte Trump zudem, die USA würden 50 Prozent Zoll auf Warenlieferungen in die USA aus allen Ländern erheben, die dem Iran Waffen lieferten. Wie er das umsetzen möchte und wer gemeint ist, ist bisher unklar.

Zudem sollen laut Trump alle US-Militärs rund um den Iran stationiert bleiben. “Alle US-Schiffe, Flugzeuge und Militärangehörigen sowie zusätzliche Munition, Waffen und alles andere, was für die tödliche Verfolgung und Vernichtung eines bereits erheblich geschwächten Feindes angemessen und notwendig ist, werden in und um den Iran verbleiben, bis das erzielte WIRKLICHE ABKOMMEN vollständig eingehalten wird”, schrieb er online.

Auch US-Verteidigungsminister Pete Hegseth bezeichnete den Krieg gegen den Iran als gewonnen. Ebenso verkaufte der Iran die Vereinbarung als seinen eigenen Sieg. Über weitere Schritte der iranischen Regierung ist bisher nichts bekannt.

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