Gary Woodland beim Golf Masters in Augusta: Die Angst als größter Gegner – Sport | ABC-Z

Auch vor eineinhalb Wochen in Houston, Texas, blickte Gary Woodland sich immer wieder angsterfüllt um. Er spielte als Führender in der finalen Gruppe des Tages, die stets die meiste Aufmerksamkeit bekommt. Ganze Scharen von Fans folgten insbesondere Woodland, dessen Geschichte im Golfsport wohlbekannt ist. Sie riefen seinen Namen und jubelten über jeden seiner Schläge auf dem Weg zu seinem ersten Sieg seit den US Open 2019. Der 41-Jährige aber empfand nur Angst, in einem Sport, der völlig ohne Körperkontakt auskommt, ohne Verletzungen. Aber nicht ohne Schicksale wie jenem von Woodland, für den das Leben abseits des Golfplatzes nach eigener Aussage eine große Herausforderung ist. Auf dem Platz, bei Turnieren, ist es noch schlimmer. Dann fühlt sich Woodland nach eigener Aussage, als würde er „innerlich sterben“.
Eine bemerkenswerte Karrieregeschichte hat der groß gewachsene Mann aus Kansas zu erzählen, der immer schon zu den am besten durchtrainierten Profis der Golf-Tour gehörte. Seine Schwäche merkt man Woodland erst an, wenn er spricht: etwas brüchig, unsicher, stets auf der Hut. Wenn Woodland erzählt, bemerkt man das Krankheitsbild der posttraumatischen Belastungsstörung, die ihm das Leben erschwert.
:Das vierte Leben des Tiger Woods
Beim Masters in Augusta fehlt einer – und steht dennoch erneut im Fokus: Tiger Woods und die Nachwehen seiner Festnahme vor einigen Wochen beschäftigen den Golfsport.
PTSD, wie die Krankheit im Amerikanischen heißt, ist in Woodlands Fall die Folge einer schwerwiegenden Gehirnoperation. 2023 wurde ihm in einer aufwendigen Operation ein Großteil eines Gehirntumors entfernt. Seitdem leidet er an permanenten Angstzuständen, vor allem in Gegenwart vieler Menschen: Hypervigilanz ist gerade für Athleten eine große Herausforderung, die inmitten von Menschenmassen funktionieren müssen. Golfer brauchen außerdem eine gewisse Anspannung, um erfolgreich zu sein: Die erhöhte Herzschlagrate etwa, die bei Woodland durch sein Syndrom ausgelöst wird, ist in angespannten Situationen in Finalrunden völlig normal. Würden seine Ärzte ihm starke Medikamente verschreiben, um besser mit dem Stress klarzukommen, hätte das wohl großen Einfluss auf sein Golfspiel, erklärte Woodland zuletzt.
Dass er das Turnier in Houston gewann, war für ihn daher gleichzeitig einer der schönsten Momente seines Lebens – die Fortsetzung seiner Comeback-Geschichte. Und doch waren die kurzfristigen Folgen anders gelagert. „Es war eine sehr schwierige Woche nach dem Sieg“, sagte Woodland bei seiner Pressekonferenz in Augusta am Dienstag: „Letzte Woche hatte ich es schwer, damit fertig zu werden. Ein Sieg bringt eine Menge Reize mit sich – Dinge, die ich schon lange nicht mehr erlebt habe.“ Dass ihm viele Menschen zujubelten und gratulierten, war für Woodland eine besonders große Herausforderung: „Für den Hirntumor und mein PTSD spielt es keine Rolle, ob ich gewinne oder verliere. Denen ist das egal.“
Die Geschichte seiner Krankheiten teilt Woodland bereitwillig mit der Öffentlichkeit, sie soll inspirieren
Woodland spricht zwar mit teils unsicherer Stimme, aber allein, dass er spricht, ist ein Dokument seiner beeindruckenden Persönlichkeit: Die Geschichte seiner Krankheiten teilt Woodland bereitwillig mit der Öffentlichkeit, sie soll inspirieren: „Meine inneren Kämpfe zu teilen, hat mich stärker gemacht“, sagte Woodland, der erstmals im März in einem Interview über seine Herausforderungen sprach: „Ich hoffe, dass jemand, der mit etwas zu kämpfen hat, diesen Kerl hier sieht, der jeden Tag kämpft und trotzdem seine Träume lebt, und dass er dann auch aufstehen und kämpfen und seinen Traum leben will.“
Woodland hat sein Kampf nach einigen Jahren also wieder nach Augusta geführt. Für das Masters qualifizierte er sich erst mit seinem Sieg vor eineinhalb Wochen, allein das betrachtet er als großen Erfolg: „Ich weiß, wie knapp es wohl war, dass ich vielleicht nie wieder hierher zurückgekommen wäre, und ich bin sehr stolz auf mich, dass ich mir meinen Weg zurück erkämpft habe“, sagte Woodland, dem die Herausforderungen bewusst sind. Während der Rest des Feldes sich allein mit einem der weltweit schwierigsten Plätze auseinandersetzt, denkt Woodland vor allem an das, was um ihn herum passieren wird.
Wie auch auf der PGA Tour bekommt Woodland in Augusta besondere Sicherheitskräfte zur Seite gestellt, die ihm etwas helfen. Dennoch: Immer wieder wird er über seine Schulter blicken, wenn sich ein Fan hinter ihm schnell bewegt, ein Mitspieler oder ein Turnierhelfer: „In meinem Kopf ist es immer noch ein Kampf, ob ich sicher bin oder nicht“, sagte Woodland: „Ich habe keine Kontrolle darüber, wann mich das überkommt.“





















