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FC Bayern in der Champions League: Pavlovic wechselt in der Halbzeit die Schuhe – Sport | ABC-Z

Aleksandar Pavlovic ist einer jener Spieler, bei dem Wort und Tat stimmig ineinander greifen. Er spielt, wie er redet. Und er redet, wie er spielt. Beides wie im Takt eines Metronoms. Nicht immer nach vorn. Sehr gerne auch mal quer.

Wobei Pavlovic niemals „reden“ sagen würde, sondern „quatschen“. Man weiß das seit seinem legendären Interview bei der Klub-WM im vergangenen Sommer, als er bei 45 Grad im Schatten einfach mal raushaute, dass Nick Woltemade auf dem Sprung sei, zum FC Bayern zu wechseln. Woltemade sei ein Freund von ihm, verriet Pavlovic auf eine recht belanglose Frage überraschend detailliert. Und, psst! Er habe über einen Wechsel sogar „schon mit ihm gequatscht“. Ob er intern Werbung mache für Woltemade? „Ja, schon!“

Lange her. Aber die Erinnerung an diese branchenunübliche Überdosis Ehrlichkeit kam in der Nacht auf Mittwoch wieder hoch. Als sich Aleksandar Pavlovic auf den Weg zu den Journalisten machte, um nach einem 2:1 gegen Real Madrid, dem ersten Sieg des FC Bayern im Bernabéu seit einem Vierteljahrhundert, die eigene Leistung ein bisschen kaputt zu quatschen.

In der ersten Hälfte habe es „drei, vier Fehlpässe“ gegeben, „die ich in meinem ganzen Leben nicht gespielt habe“, gestand Pavlovic. Er fügte zwei herrliche Floskeln an, die es nicht verdient hätten, aufgeschrieben zu werden. Aber so wie sie Pavlovic daher quatschte, hatte man das Gefühl, sie könnten erstmals in der Geschichte der Menschheit wahr werden: „Natürlich ist das Meckern auf hohem Niveau. Aber wenn man jeden Tag besser werden möchte“, sei Selbstkritik wichtig. Und so weiter.

Er dreht sich mit einem Zidane-Trick durch den eigenen Strafraum, bis die Himmelsglöckchen bimmeln

Die herausstechende Eigenschaft des Fußballers Pavlovic, das hat der mit Lob nicht um sich schmeißende Bundestrainer neulich gelobt, sei seine Konstanz: „Pavlo spielt immer den gleichen Stiefel“, befand Julian Nagelsmann: „Das klingt negativ, ist aber sehr positiv gemeint.“ Grundsätzlich mag das stimmen. Am Dienstagabend im Bernabéu hatte Pavlovic gleichwohl zwei Paar Schuhe dabei. Einmal Wanderstiefel, mit denen sich vortrefflich über Geröll und durch Matsch marschieren lässt; gemütliches Schuhwerk, in dem sich einer auf Mehrtagestouren in den Bergen keine Blasen läuft, die aber zu grobklotzig sind, um den Pass zielgenau beim Mannschaftskollegen anzubringen. Und dann hatte Pavlovic noch ein Paar Ballerinas im Spind, mit denen sich gleich zu Beginn der zweiten Hälfte aus dem Hinterhalt ein Ball abjagen ließ, den Álvaro Carreras vergeblich unter Kontrolle zu bringen gedachte. Pavlovic wechselte seine Schuhe in der Halbzeitpause.

So konnte es kommen, dass Pavlovic den überforderten Linksverteidiger Carreras (77 Prozent Passquote) von hinten überholte wie auf einer dieser Spielzeugbahnen, die so ähnlich heißen – und gedankenschnell einen Spielzug über Michael Olise einleitete, der in das 2:0 mündete. Auch über diese Szene quatschte Pavlovic so, wie er spielt: „Ich habe gesehen, dass er den Ball nicht so gut angenommen hat. Das habe ich antizipiert und dann einfach Michael den Ball gegeben: Der soll den machen.“ Olise wiederum dachte: Harry soll ihn machen, und passte den Ball zu Kane. Für Pavlovic geriet diese gelungene Aktion zum Auftakt einer Phase des Übermuts, in der ihm alles gelang: Einmal klaute er Kylian Mbappé den Ball und drehte sich mit einem sogenannten Zidane-Trick durch den eigenen Strafraum, bis er die Himmelsglöckchen bimmeln hörte.

Was ist die Moral von der Geschichte? Vincent Kompany ahnte all dies und wechselte den schlampigen Wandersmann Pavlovic in der Halbzeit nicht aus. Um, sagen wir, Leon Goretzka früher zu bringen als in Minute 90+3. Der ganze Klub ist so aufgepumpt mit Selbstbewusstsein, dass es der Trainer ist, der seinen Stiefel durchzieht. Sogar auswärts im Bernabéu.

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