Papst leitet erstmals Karfreitags-Prozession | tagesschau.de | ABC-Z

Anders als sein Vorgänger trug Papst Leo XIV. das Kreuz wieder selbst. Im Mittelpunkt der Karfreitagsprozession stand das menschliche Leid. Mahnende Worte gab es auch mit Blick auf die aktuellen Kriege.
Es ist eine ganz besondere Atmosphäre: Zehntausende Menschen, das Kolosseum in Rom mit Fackeln und Kerzen hell erleuchtet – wie immer, wenn dort die traditionelle Karfreitagsprozession stattfindet. In den letzten Jahren immer ohne den Papst. Franziskus konnte aus Gesundheitsgründen nicht mehr persönlich vor Ort sein. Aber dieses Mal ist etwas anders: Papst Leo XIV. ist nicht nur selbst dabei – der Papst persönlich trägt auch das Kreuz.
Mit ernstem Blick und ohne zu zittern, hält es Leo XIV. – alle 14 Stationen lang, den ganzen Kreuzweg über. Auch er trage all dieses Leid im Gebet und wolle die Menschen einladen, gemeinsam diesen Weg zu gehen und zu suchen, wie auch wir Friedensbotschafter sein können, so die Begründung Leos vorab.
Mit der Prozession am Kolosseum im Beisein Zehntausender Menschen wird an Jesu Leidensweg auf den Berg Golgotha in Jerusalem erinnert, wo er der Überlieferung nach dann hingerichtet wurde.
Menschliches Leid im Mittelpunkt
Der Papst eröffnet dann die Prozession. Die Meditationen, also die Texte zur Prozession, hat nicht Leo selbst geschrieben, sondern der Franziskaner Francesco Patton, der lange im Nahen Osten tätig war. Sie behandeln das menschliche Leid und sind dabei sehr politisch.
Schon bei der ersten Station wird daran erinnert, dass jede Obrigkeit vor Gott Rechenschaft darüber ablegen muss, wie sie die Macht nutzt, die ihr übertragen worden ist: “die Macht zu richten, aber auch die Macht, einen Krieg zu beginnen oder zu beenden; die Macht, zur Gewalt oder zum Frieden zu erziehen”.
Bezug zu aktuellen Krisen und Kriegen
Es geht bei diesem Kreuzweg um Mütter, die mitansehen müssen, wie ihre Kinder verhaftet, gefoltert, verurteilt und getötet werden. Es geht um Frauen allgemein – die, so heißt es, zur Stelle seien, wo Leid oder Not herrsche, in Kriegs- und Krisengebieten helfen und Trost spenden.
Seit Jahrhunderten weinen sie um sich selbst und um ihre Kinder, die etwa während einer Demonstration abgeführt und inhaftiert werden, die deportiert werden aufgrund einer Politik, die kein Mitleid kennt, die auf verzweifelten Reisen der Hoffnung Schiffbruch erleiden, die in Kriegsgebieten niedergemetzelt werden, die in Vernichtungslagern ausgelöscht werden.
Die Verbindung zu den Krisen und Kriegen unserer Zeit liegt auf der Hand. Auch, wenn es dann bei der zehnten Station um den Versuch geht, Jesus zu demütigen und seiner Menschenwürde zu berauben.
Aufforderung zu Nächstenliebe und Frieden
Dieser Versuch wird auch in unseren Tagen ständig unternommen, etwa von autoritären Regimen, wenn sie Gefangene zwingen, halbnackt in einer kahlen Zelle oder auf einem Hof auszuharren. Folterer unternehmen ihn, die sich nicht darauf beschränken, die Kleidung wegzureißen, sondern auch Haut und Fleisch. Er wird von denen unternommen, die Formen der Leibesvisitation und Kontrolle anordnen und anwenden, die die Würde des Menschen nicht respektieren. Er wird von Vergewaltigern und Missbrauchstätern unternommen, die ihre Opfer wie Gegenstände behandeln.
Die Unterhaltungsindustrie, die Nacktheit zur Schau stellt, wird ebenfalls kritisiert. Oder Medien, die Menschen in der Öffentlichkeit bloßstellen. Aber es fehlt auch nicht an Vorschlägen, wie man es besser machen kann: Mit Respekt, Anstand, Würde – im Gedanken an Jesus.
“Du, der gekreuzigte König, erinnerst uns daran, dass auch wir lernen müssen, um deiner Liebe willen zu vergeben und die Schwierigkeiten des Lebens friedlich zu ertragen, wenn wir an deinem Königtum teilhaben wollen, denn es ist nicht die Liebe zur Macht, die siegt, sondern die Macht der Liebe.”
Es wird nicht die letzte Aufforderung zu Nächstenliebe, zu Frieden, in dieser Heiligen Woche sein: Auch beim Urbi et Orbi, dem Ostersegen, wird Papst Leo aller Wahrscheinlichkeit nach zum Frieden aufrufen.






















