Eidechsen und Fledermäuse verzögern Wohn-Projekt | ABC-Z

Hildburg Bruns
Berlin – Die Hauptstadt plant ihren ersten Wolkenkratzer zum Wohnen. 52 Etagen mit dringend benötigten 1078 Wohnungen bis in 167 Meter Höhe. Aber Zauneidechsen und Fledermäuse könnten den hochfliegenden Plan durchkreuzen.
Gegen den Willen des grün regierten Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg will SPD-Bausenator Christian Gaebler (61) das Projekt durchdrücken. Derzeit läuft die Bürgerbeteiligung.
Artenschutz verzögert den Bau
Problem: In der unmittelbaren Nachbarschaft des Bauplatzes an der Warschauer Brücke leben Zauneidechsen – und die lieben die Sonnenplätze entlang der Bahngleise. Ein Gutachter musste den Schattenwurf des Neubauriesen berechnen. B.Z. kennt das Ergebnis: Sonne fehlt auf rund 1304 Quadratmetern Eidechsen-Land!

Was tun? Ein Amphibienzaun aus PVC-Folie soll 20 cm tief eingegraben werden. Er trennt Bauplatz und Eidechsen-Gebiet und muss auf Mauselöcher kontrolliert werden. Damit sich die Zauneidechsen auf ihrer Restfläche weiter wohlfühlen, bekommen sie dort Totholzhaufen und Sandflächen aufgeschüttet.
Kopfschütteln bei Jan-Marco Luczak (50), baupolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion: „In Berlin fehlen Tausende Wohnungen. Dadurch steigen die Mieten und die Schlangen bei den Wohnungsbesichtigungen werden immer länger. Wir brauchen mehr bezahlbaren Wohnungsbau, das muss jetzt unbedingten Vorrang haben. Die Zauneidechse wird nach Millionen Jahren erfolgreicher Evolution bestimmt auch ganz ohne Behördenbescheid den Weg in die wärmende Sonne finden.“
Ist der Wolkenkratzer im Bau, müssen Naturhelfer zudem noch nach anderen Schattenopfern Ausschau halten: Raupen des Nachtkerzenfalters müssen abgesammelt und versetzt werden.

Arbeitsverbot rund um den Sonnenaufgang
Und: In der Dämmerung dürfen sich niemals Kräne drehen. Bauaktivitäten eine Stunde vor Sonnenuntergang und eine Stunde nach Sonnenaufgang werden verboten sein. So will man die Kollision von jagenden Fledermäusen mit Baustellenfahrzeugen verhindern.

Damit es kein Problem mit geschützten Bibern auf der Baustelle gibt, muss der Zaun drumherum schon jetzt immer dicht sein. Denn die großen Nagetiere sind nachweislich zumindest 750 Meter weiter im Südwesten (Spreepark) unterwegs.
Bund will schneller bauen
Baupolitiker Luczak setzt jetzt auf die grundlegende Novelle des Baugesetzbuchs. Damit würden Bauvorschriften vereinfacht. Luczak: „Künftig bekommt der Bau von neuen Wohnungen in angespannten Wohnungsmärkten wie in Berlin bei der Interessenabwägung Vorrang. Künftig entscheidet nicht mehr die Kreuzkröte, die Zauneidechse oder die Feldmaus, sondern wieder der gesunde Menschenverstand darüber, wo dringend benötigte Wohnungen gebaut werden.“





















