VfL Wolfsburg und FC Bayern in der Champions League: Die Deutschen melden sich ein bisschen zurück – Sport | ABC-Z

Der Videoschiedsrichter blieb stumm. Das ist im Frauenfußball erwähnenswert, weil dieser Assistent gar nicht in jedem Wettbewerb dabei ist. Und in diesem Viertelfinalrückspiel der Champions League fragten sich die Zuschauer dann auch, ob wirklich ein VAR vor den Bildschirmen sitzt. Arsenals Katie McCabe hatte Chelseas Alyssa Thompson von hinten an den Haaren zu Boden gezogen. Und es passierte: nichts. Schiedsrichterin Frida Klarlund ließ weiterlaufen, der VAR schritt nicht ein. Letztlich sah McCabe nur die gelbe und die zornig protestierende Chelsea-Trainerin Sonia Bompastor die rote Karte.
In der letzten Partie der Halbfinalisten-Suche meldete sich der VAR dann, um Wolfsburg zu retten. Aber auch der schaffte das nicht. Olympique Lyon stand mit Wut auf dem Platz, das Hinspiel hatte der VfL überraschend 1:0 gewonnen. Schon nach 35 Sekunden gab das Team um die deutsche Nationalspielerin Jule Brand den ersten Torschuss ab. Danach folgte ein Angriff nach dem anderen. Wenn Katzen sieben oder neun Leben haben, hatten die Wölfinnen am Donnerstag um die 40, sie kamen aus dem Verteidigen gar nicht mehr heraus. Lily Yohannes traf für Lyon abgefälscht in der 16. Minute, dann erst wieder Marie-Antoinette Katoto in der 98. Minute, aber Stopp, VAR, Abseits! Im Chaos nach einer Ecke schlug Melchie Dumornay zu (102.). Wieder meldete sich der Videoreferee. Doch das Tor zählte, wenig später stand es 4:0.
:Jetzt nur nicht überrollen lassen
Der Einzug ins Halbfinale der Königsklasse zeigt die Entwicklung der Bayern-Frauen unter Trainer José Barcala. Doch nun wartet der schwerste Gegner auf sie: der FC Barcelona.
„Wir haben das Herz auf dem Platz gelassen, Kampfgeist gezeigt bis zum Schluss“, sagte Wolfsburgs Trainer Stephan Lerch. „Wir wussten, dass es schwierig wird, dass dieser Sturm auf uns zukommt.“ Dass sein Team sich dem Orkan so entgegenstemmen konnte, war schon eindrucksvoll. Aber der Abend offenbarte auch, wie groß der Abstand zwischen den beiden traditionellen Spitzenteams inzwischen geworden ist. Der Rekordsieger aus Lyon war mit 78:12 Angriffen und 38:6 Abschlüssen absolut überlegen. Auf dem Weg in sein zwölftes Endspiel trifft Olympique auf Titelverteidiger Arsenal mit der deutschen Torhüterin und früheren Wolfsburgerin Anneke Borbe.
Die Entwicklung dieser Mannschaft ist unaufhaltsam.
Bayern-Trainer José Barcala
Mit dem FC Bayern hat es nach dem Sieg gegen Manchester United nach 2023 – als Wolfsburg erst im Finale gegen den FC Barcelona verlor – zumindest wieder ein Bundesligist unter die besten vier in Europa geschafft. Das nationale Kräfteverhältnis überträgt sich in dieser Saison auf die anderen Wettbewerbe. Der Liga-Dritte Eintracht Frankfurt verpasste gegen BK Häcken das Endspiel im Europa Cup, vergleichbar mit der Europa League bei den Männern. So ganz meldet sich der deutsche Fußball also nicht zurück auf der internationalen Bühne, zu deren Hauptdarstellern einst Vereine wie Turbine Potsdam (zwei Champions-League-Titel, zuletzt 2010), der 1. FFC Frankfurt (vier Titel, zuletzt 2015) und Wolfsburg (zwei Titel 2013 und 2014) zählten. Seit mehr als zehn Jahren ist der deutsche Fußball im wichtigsten Vereinswettbewerb titellos.
Für die Deutschen geht es weiter darum, den Anschluss nicht zu verpassen. Auch wenn Bundestrainer Christian Wück zuletzt meinte, er glaube schon, „dass die deutschen Mannschaften unabhängig vom Namen besser sind als letztes Jahr.“ Die Maßstäbe aber setzen längst andere, als Liga vor allem die englische Women’s Super League, während sich der Deutsche Fußball-Bund und die Bundesliga-Klubs trotz des gemeinsamen Ziels der Professionalisierung nicht auf eine Route einigen konnten. Und unter den Teams ragen Lyon sowie Bayerns Halbfinalgegner Barça heraus, das seine Gegner regelmäßig genussvoll und unerbittlich zerlegt: gerade erst Real Madrid mit 6:2 und 6:0.

Wolfsburg hat zumindest daran erinnert, dass es den besten Teams trotz Umbruchs sowie ohne die verletzte und im Sommer zum BVB wechselnde Alexandra Popp, die sich als deutsche Rekordspielerin der Königsklasse zuschauend verabschieden musste, immer noch etwas entgegensetzen kann. Für eine Überraschung aber ist das nicht (oder nicht mehr?) genug. Der DFB-Pokal bleibt die einzig verbleibende Chance auf einen Titel für den VfL, im Halbfinale am Ostersonntag (16.15 Uhr, Sky) trifft der Klub auf Carl Zeiss Jena. Wahrscheinlich läuft es auf ein Finale gegen Dauerrivale München hinaus, der am Ostermontag die SGS Essen empfängt.
In der Liga sind die Bayern mit 13 Punkten Vorsprung längst enteilt, kommenden Spieltag können sie vorzeitig Meister werden. Überhaupt haben die Münchnerinnen gerade das erreicht, was möglichst bald gemäß dem Universalanspruch dieses Klubs zum Standard werden soll: Sie sind überall vorn dabei. Trainer José Barcala inspirierte das nach dem Sieg gegen United zu einer Eloge auf seine Spielerinnen. Diese seien sehr fordernd gegenüber sich selbst und detailversessen. „Mit dieser Einstellung, mit dieser Mentalität gibt es keine Limits“, sagte der Spanier: „Die Entwicklung dieser Mannschaft ist unaufhaltsam.“
Dieses Zwischenhoch könnte in ein paar Wochen der Erkenntnis weichen, dass auch für die Münchnerinnen weiterhin eine Lücke zur internationalen Spitze klafft. Im Halbfinale (25./26. April und 2./3. Mai) werden sie perfekt auftreten müssen, um vom FC Barcelona nicht platt gemacht zu werden. Das jüngste Duell in der Ligaphase der Champions League war zu einem 1:7-Debakel geworden. „Wir hatten viele Lehrstunden diese Saison“, sagte Linda Dallmann. „Aber Barça war schon die größte.“ Seitdem haben Team und Trainer offensichtlich zueinander gefunden. Wäre da nicht die immer wieder auftretende Nervosität in der Anfangsphase. Also, was tun? Bloß nicht wieder, wie Dallmann es hemdsärmelig formulierte, „wie mit Kötteln in der Hose“ spielen!





















