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Mondmission Artemis II: DLR-Antenne bei Weilheim überwacht die Flugbahn – Starnberg | ABC-Z

Etwa 400 000 Kilometer sind die vier Astronauten im Raumschiff Orion am weitesten Punkt ihrer Reise von der Erde entfernt. Da sind die knapp 8000 Kilometer zwischen dem Startgelände im Kennedy Space Center in Florida und einer Parabolantenne bei Weilheim in Oberbayern fast zu vernachlässigen. Etwa 60 Kilometer südwestlich von München im schönsten Voralpenland befindet sich die Zentralstation des Deutschen Bodensystems (ZDBS), betrieben vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen, die gerade eine sehr wichtige Aufgabe übernimmt.

Eine ganze Menge Entfernungsangaben, aber genau darum geht es. Mitten in der Landschaft am Waldrand zwischen Weilheim und Wessobrunn steht eine ganze Reihe von Antennen; eine davon mit einem Durchmesser von 15 Metern empfängt Signale des Raumfahrzeugs, das gerade auf dem Weg zu einer Umrundung des Mondes ist, und trägt damit zur präzisen Verfolgung der Flugbahn bei, teilt das DLR mit.

„Wir schauen, ob das Raumfahrzeug da ist, wo es sein sollte, oder knapp daneben“, erklärt Pierre-Alexis Lagadrilliere, der in Oberpfaffenhofen für die Projektleitung zuständig ist. „Und das mit extrem großer Genauigkeit.“ Und bei immensen Geschwindigkeiten. Die Orion bewege sich je nach Flugphase mit 3600 bis 18000 Kilometern pro Stunde. Das entspricht etwa dem Tempo von Satelliten, die um die Erde kreisen und ist etwa so schnell wie eine Gewehrkugel.

Mit sogenannten Dopplermessungen ermittelt die NASA anhand der von DLR-Techniker im Weilheim gemessenen Werte, wo sich das Raumfahrzeug der Artemis-2-Mission befindet und wie schnell es ist. Wie genau diese Messungen sind, verdeutlicht Lagadrilliere mit diesem Rechenbeispiel: Orion sende ein Signal mit einer Frequenz von etwa 2,2 Gigahertz, die Systeme in Weilheim messen das Signal bis auf 1 Hertz Genauigkeit. Eine Verschiebung um ein Hertz entspreche in dem Fall um 0,14 Meter pro Sekunde. Um präzise Daten zu liefern, müsse die Antenne sehr exakt in die Richtung von Orion schauen, eine Aufgabe, die Mitarbeiter der Flugdynamikabteilung übernehmen.

Das Raumfahrtkontrollzentrum gehört zu einem internationalen Verbund

Fünf Kollegen unter der Leitung von Amanuel Geda seien in der Station bei Weilheim gerade täglich von 6 bis 19 Uhr in Bereitschaft, um die Orion mit der vierköpfigen Besatzung im Blick zu behalten. Die Raumkapsel ist seit der Nacht zum Donnerstag im Rahmen der zehntägigen Mission Artemis II zum Mond und um den Erdtrabanten herum unterwegs.

Die Station des nationalen Raumfahrtkontrollzentrums (GSOC) des DLR, die 1969 in Betrieb genommen wurde, gehört bei der Flugbeobachtung zu einem internationalen Verbund. Vor einigen Monaten habe sich die Nasa deswegen mit einer Anfrage gemeldet, berichtet Lagadrilliere. Vor der Mondmission Artemis II wurden weltweit 34 internationale Partner und Freiwillige ausgewählt, die das Orion-Raumschiff während seines Fluges um den Mond von der Erde aus verfolgen und damit „die globale Einbindung in diese historische Mission stärken“, wie das DLR schreibt.

Üblicherweise dient die Bodenstation bei Weilheim als Verbindungsglied zwischen Erde und Satelliten. Sie wird rund um die Uhr im Schichtdienst an sieben Tagen pro Woche betrieben. Insgesamt sind dort 44 Mitarbeiter beschäftigt.

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