Nachhaltige Mobiliar, Taschen und Jeans in Deutschland – Stil | ABC-Z

Inox Living ist ein junges Start-up aus dem Rheinland, das sich auf ein ganz handfestes Produktsortiment konzentriert: langlebige Drinnen- und Draußen-Möbel aus Edelstahl. Bisher waren vor allem formschöne Pflanzenbehälter und Accessoires im Programm, jetzt dürften auch Familien hellhörig werden. Denn mit der „Capri“ hat die Firma die wahrscheinlich schönste und stabilste Matschküche für Kinder auf den Markt gebracht. Diese Spielgeräte kennt man bislang nur als billig verschraubte und immer wacklige Holzkonstruktionen, die nach zwei Sommern zügig in einer Gartenecke verrotten. Die Capri ist anders – aus pulverbeschichtetem Stahl in vier Farben erhältlich kommt sie mit Bambus-Arbeitsfläche, herausnehmbarem Becken und Wasserhahn inklusive Schlauchanschluss. Dank höhenverstellbarer Füße wächst die Spielküche auch ein Stück weit mit den Kindern mit. Außerdem lässt sie sich nach heftigem Gebrauch einfach mit dem Gartenschlauch sauber spritzen und im Winter zusammenklappen und verstauen. Wahrscheinlich kann sie auch noch an die Enkel vererbt werden – zehn Jahre Garantie gibt das Unternehmen. Die Küche kostet 249 Euro und ist über den Onlineshop der Marke erhältlich.
Absolut tragbar
Der Pariser Hersteller Longchamp ist weltweit für seine Handtaschen bekannt – allen voran die berühmte Pliage. Das Modell gehört mit seiner klassisch schönen und praktischen Nylon-Leder-Kombination heute zur Standardausrüstung in allen Städten dieser Welt und wird jedes Jahr in neuen Größen- und Farbvariationen aufgelegt – gewissermaßen als Einstiegsmodell in die große Welt der Taschen aus Paris. Was jenseits dieser schicken Taschen vielleicht nicht so bekannt ist: Longchamp ist ein unabhängiges Familienunternehmen, das sich besonders um handwerkliche Tradition und nachhaltige Produktion bemüht. Das gilt vor allem, seit der junge Adrien Cassegrain als Transformations-Direktor den Fokus auf die nachhaltigen Aspekte der Firma seiner Familie gelegt hat. Diese Linie wurde im vergangenen Monat mit der Verleihung des B-Corp-Zertifikats gewürdigt. Das internationale Label wird von einer unabhängigen Organisation vergeben und bewertet die sozialen, ökologischen und gesellschaftlichen Praktiken eines Unternehmens in ihrer Gesamtheit, mehr als 300 Kriterien werden dafür geprüft.
Neben dem gesellschaftlichen Engagement eines Unternehmens und zum Beispiel der internen Förderung marginalisierter Gruppen geht es natürlich auch um umweltschonende Aspekte. Interessant ist dabei zum Beispiel, dass Longchamp im vergangenen Jahr 80 000 seiner Produkte repariert hat. 33 Reparaturzentren stehen heute weltweit zur Verfügung, um die Langlebigkeit der Taschen zu garantieren und auch Aspekte der Kreislaufwirtschaft zu integrieren. Nächstes Ziel des Unternehmens ist die Reduzierung der CO₂-Emissionen um 30 Prozent bis zum Jahr 2033.

Heitere Aussichten
Null Flugkilometer, obwohl es um Urlaubsmode geht: Das ist schon mal ein guter Ansatz. Die Schweizer Firma Volans, gegründet 2018, hat von Beginn an auf nachhaltige Produktionsmethoden gesetzt, und dazu gehört, dass vom Prototyp bis zum fertigen Badeanzug nicht alles über Tausende Kilometer zwischen Kontinenten hin- und hergeflogen wird. Die Bikinis und Einteiler werden in einem kroatischen Familienbetrieb genäht, die Entwürfe kommen aus Zürich. Der verwendete Stoff hat einen eingebauten Sonnenschutzfilter und ist zudem öko-zertifiziert. Und was die Langlebigkeit betrifft: Wer hat schon Lust, sich jedes Jahr wieder auf die Suche nach gut sitzender Swimwear zu machen? Die Volans-Modelle sind klassisch geschnitten, also zeitlos. Neu in dieser Saison ist die Farbe Poppy Red, ein heiteres, aber nicht zu knalliges Mohnrot. Dürfte ein paar Sommer lang gut aussehen.

Optimiert wie geschmiert
Viel war zuletzt von „Clean Beauty“ die Rede. Der Begriff ist leicht schwammig, manche verstehen einfach einen cleanen Look darunter, andere, Kosmetik mit wenigen, möglichst natürlichen Inhaltsstoffen. Aber es geht ja nicht nur darum, wie umwelt- und hautschonend die Produkte sind, sondern auch, wie nachhaltig sie hergestellt werden. Die aus London stammende Marke Medik8 hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2040 „Net Zero“ zu sein, also keinerlei Treibhausgase mehr in die Atmosphäre abzugeben. Dafür müssen die Emissionen nicht nur drastisch gesenkt, sondern die verbleibenden auch noch kompensiert werden. Schon jetzt betreibt das Unternehmen seine Produktions- und Lagerstätten mit vollständig erneuerbarer Energie, die gesamte Struktur inklusive Lieferketten gilt als so vorbildlich, dass auch sie seit 2023 B-Corp-zertifiziert sind. Ach ja, die Pflege ist natürlich auch fortschrittlich: Einer der Bestseller, „Advanced Day Total Protect“, ist leichte Feuchtigkeits- und Sonnenschutzcreme in einem, die außerdem vor Umwelteinflüssen wie blauem Licht, Luftverschmutzung, Infrarotlicht und Glykation (Schädigung von Kollagen und Elastin in der Haut) schützen soll. Besonders beliebt ist das nicht fettende, unsichtbare Finish.

Grüne Jeans
Es ist schon schwer genug, die Jeans zu finden, die zu einem passt. Aber eine, die auch noch umweltfreundlich ist? Von den meisten Marken gibt es mittlerweile gute Ansätze, aber selten ist das ganze Sortiment waterless oder circular. Von der spanischen Marke Ecoalf gab es bislang kein Denim, weil sie schlicht noch keine zufriedenstellende Lösung gefunden hatten. Irgendwas störte immer noch, war nicht innovativ genug oder nicht recycelbar. Schließlich hat man sich auf die Fahne geschrieben, „wirklich nachhaltige“ Mode zu produzieren. Nach rund fünf Jahren Forschung – mancher Mitarbeiter sagt auch, es seien gefühlt eher zehn gewesen – kommt nun Denim for the Planet in die Läden. Pro Jeans werden von durchschnittlich sonst 6000 Litern bis zu 5434 Liter Wasser eingespart – das entspricht dem Trinkwasserbedarf eines Menschen für mehr als sieben Jahre. Erreicht wird das durch regenerative und recycelte Baumwolle, eine innovative „Smart-Indigo“-Färbetechnologie ohne giftige Chemikalien sowie Laser- und Ozon-Finishing ohne Wasser. Vielleicht noch revolutionärer: Die Hosen und Hemden sind vollständig kreislauffähig, weil sie nur aus einem Material gefertigt werden, ohne Elastan, ohne synthetische Garne, sogar ohne Reißverschlüsse. Alles, was das Zerlegen und wiederverwerten sonst schwierig macht. Produziert wird in Spanien, Italien und Marokko. Ein altes Problem bleibt natürlich trotzdem bestehen: Eine der drei Passformen muss die richtige sein.



















