Berlin

Spargel-Preis knallt hoch auf 19 Euro | ABC-Z

Beelitz – Lange erwartet, jetzt ist er da! Am Donnerstag wurde in Beelitz der erste Spargel des Jahres gestochen. Superfrisch, superlecker – aber auch: superteuer. 18,95 Euro kostet ein Kilo inzwischen. Das schreckt immer mehr Kunden ab.

Die Aprilsonne lacht über den Beelitzer Feldern, Spargelkönigin Emily (21) auch. Mit Bürgermeister Bernhard Knuth (63) und Brandenburgs Agrarministerin Hanka Mittelstädt (38, SPD) sticht sie ersten Stangen aus den sandigen Dämmen. Elf Tage früher als vor drei Jahren. „Wegen der Klimaerwärmung rückt die Ernte immer weiter nach vorn“, freut sich Bauer Jürgen Jakobs (60). Doch die Kosten steigen – und damit der Spargelpreis.

Spargelkönigin Emily Friedrich (21, l.) beim Anstich auf den Beelitzer Feldern Foto: Michael Sauerbier/BILD

Unfassbare 18,95 Euro kostet an Jakobs 50 Verkaufsständen ein Kilo der besten Qualität: kerzengerade Stangen, blütenweiß, mindestens 18 Millimeter dick. 14 Millimeter gibt‘s für 16,50 Euro, krumme Stangen mit violetten Stellen für 14,95 Euro, Bruchspargel für 12,95 Euro. „Die Preise haben sich seit 2016 fast verdoppelt“, räumt der Bauer ein. Damals gab es einen Aufschrei, als die Schallmauer von zehn Euro pro Kilo erstmals durchbrochen wurde.

Folge der Spargelpreis-Explosion: viele Kunden bleiben weg. „Wir mussten die Anbaufläche von 350 auf 250 Hektar verkleinern“, erklärt Jakobs, „im gesamten Beelitzer Gebiet ging die Anbaufläche um ein Drittel von 1800 auf 1200 Hektar zurück.“ Denn frischer Spargel ist auch billiger zu bekommen: für knapp 6 Euro pro Kilo bietet eine Warenhauskette die weißen Stangen gerade an. Herkunft: Griechenland. Der Geschmacks-Unterschied: gering.

Spargelbauer Jürgen Jakobs (60) klagt über gestiegene Kosten
Spargelbauer Jürgen Jakobs (60) klagt über gestiegene Kosten Foto: Michael Sauerbier/BILD

Hauptgrund der Spargel-Inflation sei der gestiegene Mindestlohn. Inzwischen liegt er bei 13,90 Euro pro Stunde. „Seit 2016 sind unsere Lohnkosten um 65 Prozent gewachsen“, rechnet Jakobs vor. CDU und Bauernverband fordern einen geringeren Mindestlohn für ausländische Erntehelfer. Hinzu kommt jetzt der höhere Dieselpreis. Allein für den Jakobs-Spargelhof verursache die Spritpreis-Steigerung „alle zehn Tage 5.000 Euro Mehrkosten“, sagt der Vorsitzende des Beelitzer Spargelvereins.

Agrarministerin Hanka Mittelstädt (38, SPD) will den Mindestlohn nicht senken
Agrarministerin Hanka Mittelstädt (38, SPD) will den Mindestlohn nicht senken Foto: Annette Riedl/dpa

„Beelitzer Spargel ist ein Premium-Produkt, das man sich leisten können muss“, räumt Ministerin Mittelstädt ein. Damit die Preise nicht weiter steigen, will sie die Sozialabgaben senken. Das kann aber nur der Bund. Ein geringerer Mindestlohn für ausländische Erntehelfer wäre für die Sozialdemokratin „nur das Letzte, was wir tun können“. Mittelstädt: „Da müssen wir nicht unbedingt ran.“

Wer unbedingt Beelitzer Spargel haben will, sollte bis nach Ostern warten. „Dann sinkt der Preis auf 10 bis 12 Euro“, verspricht Bauer Jakobs.

Back to top button