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Osterferien: Dieselpreis so hoch wie nie zuvor – viel Stau auf den Straßen – Wirtschaft | ABC-Z

Die Osterfeiertage im Süden zu verbringen, klingt verlockend. Sehr viele Reisende machen sich an Gründonnerstag auf den Weg – es ist der verkehrsreichste Tag der Osterferien. Passend dazu kommt am Mittag die Nachricht, dass der Dieselpreis in Deutschland so hoch ist wie nie zuvor. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt kostete ein Liter Diesel am Mittwoch laut ADAC 2,327 Euro und übertraf damit den alten Rekord aus dem März 2022 – das war kurz nach Beginn des Ukraine-Kriegs – um 0,6 Cent.

Seit 1. April dürfen die Tankstellen die Preise nur noch einmal am Tag erhöhen. Aber was hilft das? „Aktuell sieht es nicht danach aus, dass die neue Regel Tanken wirklich günstiger macht“, sagte Ramona Pop, die Vorsitzende des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen.

Auf jeden Fall Geld sparen lässt sich durch die Fahrweise. Wer vorausschauend und ruhig fährt, schont den Tank. Das heißt: frühzeitig hochschalten und hohe Drehzahlen vermeiden, nicht ständig beschleunigen und bremsen. Dabei kann der Tempomat hilfreich sein. Wer im Mittel mit 100 Kilometern pro Stunde unterwegs ist, verbraucht nach Berechnungen des ADAC rund 15 Prozent weniger Kraftstoff als bei Tempo 120. Reisende, die an Ostern ins Ausland fahren, haben möglicherweise Glück: In vielen europäischen Ländern, etwa in Österreich, Italien oder Frankreich ist der Sprit derzeit billiger als in Deutschland.

Volle Autobahnen und volle Züge

Neben den hohen Preisen für Benzin und Diesel ist auch die Verkehrslage über Ostern unerfreulich. Mit Staus und stockendem Verkehr ist zu rechnen. Auch lange Wartezeiten an den Grenzen müssen eingeplant werden. Gerade die Brennerautobahn Richtung Italien, dem Lieblingsurlaubsziel der Süddeutschen, zählt dabei zu einer der prognostizierten Staustrecken. Ab Karsamstag erwartet der ADAC die ersten Urlaubsrückkehrer und somit Verkehrsstörungen in der entgegengesetzten Richtung.

Die Spritpreise veranlassen offenbar einige Reisende, auf die Bahn umzusteigen. Die Deutsche Bahn verzeichnet eine erhöhte Auslastung im Zugverkehr. Die Buchungen lägen im zweistelligen Prozentbereich über den Prognosen. Besonders beliebt ist die Zugverbindung Berlin-München. Auch die Fluggesellschaften sind sehr gut ausgelastet. Von Gründonnerstag bis Ostermontag ist mit rund einer halben Million Fluggästen zu rechnen.

Wie könnte man Verbraucher entlasten?

Seit Ende Februar und dem Beginn des Iran-Kriegs haben Mineralölunternehmen die Spritpreise immer weiter erhöht. Sie begründen das damit, dass auch die Raffinerien höhere Preise für Rohöl bezahlen und entsprechend Diesel und Benzin teurer werden. Öltanker können derzeit die Meeresenge von Hormus nicht durchqueren, weil Iran sie blockiert. Etwa 20 Prozent des weltweiten Erdöls werden von dort normalerweise verschifft.

Ähnliche Spritpreise gab es auch in der Energiekrise 2022. Damals reagierte die Regierung mit einem sogenannten „Tankrabatt“: Um Autofahrer zu entlasten, senkte sie die Steuerabgabe auf Kraftstoffe und verzichtete auf Staatseinnahmen in Milliardenhöhe. Tatsächlich gaben die Unternehmen diesen Rabatt auch an Verbraucherinnen und Verbraucher weiter, zeigt etwa eine Auswertung des Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI).

In der aktuellen Situation sei ein solcher Rabatt „ökologisch und ökonomisch bedenklich“, „teuer“ und „schädlich“, warnen aber die großen Wirtschaftsforschungsinstitute Ifo, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und das RWI. Denn wer Kraftstoff verbilligt, setzt den Anreiz, dass die Nachfrage steigt und mehr Sprit verfahren wird. Dabei besteht in Zeiten von Verknappung eines Rohstoffs Anlass, zu sparen.

Die Internationale Energieagentur empfiehlt daher in einem Zehn-Punkte-Plan Sparmaßnahmen, die Staaten schnell umsetzen könnten. Dazu gehören etwa Tempolimits auf Autobahnen, günstigeren Nahverkehr, autofreie Sonntage in Großstädten, oder auch mehr Home-Office-Tage für Büroangestellte.

Der Staat habe zudem noch andere Möglichkeiten, Bürger zu entlasten, meint etwa DIW-Ökonom Marcel Fratzscher: Wer die Mehrwertsteuer auf ebenfalls teurere Lebensmittel senke, helfe Menschen mit wenig Einkommen. Denn auch das ist eine Lehre aus dem Tankrabatt von 2022: Er kam vor allem wohlhabenden Menschen mit relativ großen Autos zugute.

Mit Material von dpa.

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