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Chemiebranche leidet unter Folgen des Iran-Kriegs | ABC-Z

Das Geschäftsklima der Chemischen Industrie hat sich im März im Vergleich zum Februar weiter verschlechtert. Das ifo-Institut stellte Zahlen des Geschäftsklima-Indizes zur Branche vor. Grund seien auch die Folgen des Iran-Krieges.

„Die Folgen der Kriegshandlungen im Nahen Osten treffen die ohnehin angeschlagene Chemiebranche mit voller Wucht“, so ifo-Branchenexpertin Anna Wolf. Die Chemische Industrie hatte laut den Experten des Instituts bereits vor dem Iran-Krieg mit einem ausgeprägten Auftragsmangel zu kämpfen. Dieser habe sich im März weiter verschärft. Hinzu kommen nun die stark gestiegenen Kosten für Rohöl, Rohstoffe und Energie.

Konkret zeigt der Branchenindikator des Ifo-Instituts folgendes Bild;

  • Der Geschäftsklimaindex für die Chemieindustrie fiel im März auf minus 25 Punkte, nach minus 16,7 Punkten im Februar.
  • Die Unternehmen haben zudem ihre aktuelle Geschäftslage mit minus 31,9 Punkten erheblich schlechter als im Februar beurteilt. Damals lag sie saisonbereinigt bei minus 21,2 Punkten.
  • Die Geschäftserwartungen sanken von saisonbereinigt minus 12,1 auf aktuell minus 17,9 Punkte.

Um den Kostendruck aufzufangen, planen die Unternehmen mit deutlich höheren Preisen, so die Experten vom Ifo-Institut. Außerdem seien die Beschäftigungserwartungen mit minus 32,1 Punkten auf ein historisches Tief gesunken. „Die Unternehmen können die schwierigen Rahmenbedingungen kaum beeinflussen; ihnen bleibt daher nur der Abbau von Arbeitsplätzen als Handlungsspielraum“, sagt Wolf.

Auch Chemie- und Pharmaunternehmen sind stark von globalen Lieferketten abhängig, wie etwa Professor Peter Holm vor kurzem in einem Interview mit der VerkehrsRundschau erklärte. Die Chemie- und Pharmabranche leidet insgesamt unter einer schwachen Industriekonjunktur, hohem Importdruck und einem intensiven Preiswettbewerb, so der Verband der chemischen Industrie (VCI).

Er war schon Mitte März bei der Vorstellung seiner Jahresbilanz besorgt, dass es zu zunehmend ernsten Versorgungsengpässe bei Rohstoffen durch die Blockade von Hormus kommen könne – zum Beispiel bei Ammoniak und Phosphat, Helium und Schwefel. Zusätzlich gebe es erste Hinweise auf Störungen bei internationalen Lieferketten.

„Je länger der Krieg dauert, desto heftiger sind die Folgen. Die hohen Preise und die anhaltende Unsicherheit bringen viele Betriebe an ihre Grenzen. Strategische Planung ist immer weniger möglich“, so VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup damals. Schon vor dem Krieg hatte die Chemiebranche zu kämpfen, wie die Zahlen aus dem Jahr 2025 zeigen. „Die Jahresbilanz der Chemie ist unterirdisch – Produktion, Umsatz und Preise sind im roten Bereich“, so Große Entrup.

Allerdings sind die internationalen Lieferketten anders als vor fünf Jahren noch weitgehend intakt und der Konflikt regional begrenzt, wie Kfw Research im aktuellen KfW-Ifo-Mittelstandsbarometer für den gesamten Mittelstand in Deutschland hervorhebt. Im schlechtesten Fall könne es aber zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung kommen, sollte die Nachfrage nach vermutet knappen Gütern kurzfristig in die Höhe schnellen und die Preise treiben, erklären die Marktforscher.

Der Rückgang des mittelständischen Geschäftsklimas zog sich im März durch alle Wirtschaftsbereiche. Am stärksten trübte sich die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe ein. Das Geschäftsklima der kleinen und mittleren Unternehmen ist im März um 3,6 Zähler auf minus 18,2 Punkte gefallen.

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