Goldfund in Sachsen: Wenn sich kein Eigentümer meldet, gehört es der Gemeinde – Panorama | ABC-Z

Gold gefunden in Sachsen, diese erfreuliche Meldung ging so oder ähnlich im vergangenen Oktober durch ein paar Medien. Zum großen Rausch ums Sachsengold, dem Saxony Gold Rush, hat sie nicht ganz gereicht. Könnte an der Art des Fundes liegen: zehn 30-Gramm-Barren, noch eingeschweißt in ihren Plastikverpackungen, so wurden sie auf einer Wiese der Gemeinde Bannewitz bei Dresden entdeckt. Was ja nicht ganz unverdächtig aussieht. Bannewitz’ Bürgermeister Heiko Wersig (parteilos) sucht seitdem nach dem Eigentümer des Goldes. Es haben sich schon einige gemeldet, aber bislang konnte noch niemand glaubhaft versichern, dass ihm das Gold gehöre. Am 17. April verstreicht die Meldefrist, dann gehört der Schatz dem Finder: der Gemeinde.
SZ: Guten Tag, Herr Wersig, ich rufe wegen des Goldes an. Ich will mich aber nicht als Eigentümer melden.
Heiko Wersig: Dann müssten Sie sich auch hinten anstellen, so viele Bewerbungen, wie ich hier habe.
Wie viele angebliche Eigentümer haben sich denn gemeldet?
Bei uns sind so zwölf bis 15 Anfragen und Hinweise in dem Zeitraum eingegangen, von unterschiedlichster Couleur. Angefangen beim Spaziergänger, der sagt, ihm sei das Gold aus der Tasche gefallen. Er habe halt die Barren mit zum Spazierengehen genommen. Einer hat behauptet, seine Drohne sei abgestürzt, die angeblich Gold transportiert habe. Das fand ich sehr kreativ. Und dann war da die Bürgerin aus unserer Gemeinde, die mich beim Bäcker angesprochen hat. Sie sei Opfer eines Enkeltricks geworden und habe nach einem Schockanruf dem Dieb auch Goldmünzen rausgegeben. Sie hat sich erkundigt, ob die bei unserem Goldfund gewesen sind, was ich leider verneinen musste.
Also bislang sind Sie noch nicht fündig geworden?
Niemand konnte wirklich mit Rechnung und Beleg nachweisen, dass es seine Goldunzen sind.
Nur so könnte ich beweisen, dass das Gold mir gehört?
Auf dem veröffentlichten Bild sehen Sie ja, dass die Goldunzen eingepackt sind. Da steht eine Registrierung vom Hersteller drauf und die ist dann auf einer Rechnung hinterlegt.
Wie wurde das Gold genau gefunden?
Man muss sich das so vorstellen: Anfang Oktober machen unsere Kollegen vom Abwasserbetrieb Grasmäharbeiten an einem Regenrückhaltebecken, das ein bisschen außerhalb liegt auf einer Wiese an einer Kreisstraße, und finden acht Goldunzen. Ihr Anruf im Rathaus hat natürlich für ungläubige Blicke gesorgt. Ich habe Mitarbeiter unseres Ordnungsamts rausgeschickt und die haben sogar noch zwei weitere Unzen gefunden. Da uns das alles Spanisch vorkam, haben wir die Polizei hinzugezogen. Es muss halt wirklich wie so ein Fächerwurf aus dem Auto ausgesehen haben, wie die Barren dalagen. Wir dachten, es geht so in Richtung Flucht und Verfolgung.
Was ja erklären könnte, warum der Eigentümer bislang darauf verzichtet hat, sich zu melden.
Genau, die Polizei hat ermittelt, aber in ihren Akten nichts finden können. Die Barren sind seitdem in der Asservatenkammer in Dresden eingelagert. Wir hoffen jetzt auf den Fristablauf, dass wir dann zuschlagen und die Goldunzen zu uns nach Bannewitz holen können. Nach Fundrecht, Paragraf 973 BGB.
Wie viel ist das Gold denn wert?
Nach Marktwert im besten Fall 40 000 Euro.
Für eine Gemeinde von 11 000 Einwohnern ja eine begrüßenswerte Summe.
Auf alle Fälle ein angenehmer Geldregen. Wenn das alles so aufgeht, wollen wir das Geld in unsere Vereine zurückgeben, die sich um unsere Gemeinde kümmern. Feuerwehr, Seniorenvereine, wir haben zwei Sportvereine und zwei Musikschulen.
Schöne Idee. Wie groß ist da Ihr Interesse, dass der echte Eigentümer doch noch auftaucht?
Ich würde mir wirklich wünschen, dass wir den ehrlichen Eigentümer finden. Das wäre das Fairste. Ich will nichts behalten, was mir nicht zusteht. Durch die Schlagzeilen ist der Aufruf ja nun deutschlandweit publik, der Eigentümer hätte genügend Möglichkeiten, sich zu melden. Aber jetzt wird es langsam konkret.
Weitere Folgen der Serie „Ein Anruf bei …“ finden Sie hier.





















