Spargelsaison eröffnet: Wie teuer darf Gewissen sein? | ABC-Z

Mit der Eröffnung der Saison in Beelitz geht die Ernte los. Trotz Lohndumping auf Kosten der Erntehelfer soll ein Kilo 15 Euro kosten. Die Konkurrenz durch Billigspargel ist groß.
dpa/taz | Brandenburgs Agrarministerin Hanka Mittelstädt (SPD) hat rechtzeitig zu Ostern am Gründonnerstagvormittag die Spargelsaison in Beelitz eröffnet. Das (teure) Edelgemüse wird bis Juni geerntet. Andere Spargelbauer sind offiziell schon am 1. April in die Saison gestartet.
Heimischer Spargel der obersten Güteklasse dürfte zum Saisonbeginn mit noch knapperem Angebot zu Ostern um die 15 Euro je Kilo kosten, meldete der Rundfunk Berlin-Brandenburg. Der Beelitzer Spargelverein – Werbeslogan: „Wir stehen mit dem Spargel im Bunde“ – nannte eine Spanne zwischen 12 und 15 Euro. Danach solle der Preis aber sinken. Na hoffentlich.
Die Region um Beelitz ist das größte Anbaugebiet in Brandenburg. Die Anbaufläche insgesamt ist gesunken. In Brandenburg wurden 2025 fast 19.000 Tonnen Spargel geerntet, meldete am Donnerstag die dpa. Konkurrenz macht den heimischen Betrieben Import-Spargel, der meist zu einem niedrigen Preis angeboten wird. Er kam 2025 vor allem aus Spanien, Mexiko und Griechenland in den Handel – da greifen die Kund:innen gerne zu. Wem kann man das verdenken?
Lohndumping auf dem Rücken der Erntehelfer
Landwirte forderten zudem eine Ausnahme vom gesetzlichen Mindestlohn für Saisonkräfte, der derzeit bei 13,90 Euro je Stunde liegt und bis 2027 weiter steigt. Ohne ausländische Saisonarbeitskräfte wäre der Spargelanbau in Deutschland – so wie bei der personalintensiven Erdbeerernte ab Mai auch – nicht möglich, hieß es. Den Mindestlohn unterschreiten: Das wäre Lohndumping auf dem Rücken der Erntehelfer, die eine schwere und monotone Arbeit verrichten. Spargelessen bekommt einen politischen Beigeschmack. Das Gewissen aber endet für viele Verbraucher:innen bei der eigenen Geldbörse.
„Arbeitstage von bis zu 16 Stunden und Wochenarbeitszeiten von über 70 Stunden sind keine Seltenheit“, teilte die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) Ende März im neuen Jahresbericht zur Saisonarbeit der Initiative Faire Landarbeit mit. „Arbeitstage von bis zu 16 Stunden und Wochenarbeitszeiten von über 70 Stunden sind keine Seltenheit.“ Gesetzliche Ruhezeiten von 11 Stunden würden systematisch ignoriert. „In manchen Betrieben wird an sieben Tagen pro Woche gearbeitet, ohne dass ein Ausgleich für die extreme Mehrbelastung erfolgt.“
Dennoch wird auch in der taz kantine in den nächsten Wochen sicher das ein oder andere Spargelgericht auf der Mittagsspeisekarte stehen. Die Natur setzt dem teuren Essvergnügen aber ein zeitliches Limit. Die Saison endet wie jedes Jahr zum Johannistag, dem 24. Juni.
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