“Ist ein Skandal”: Spitzel-Akte am Eisbach empört Münchens Surfer | ABC-Z

Dass die Stadt im vergangenen Sommer kurzfristig Securityleute eingesetzt hat, um die Einhaltung der verschärften Surfregeln an der Eisbachwelle zu beobachten, das war bekannt. Zuvor war im April eine Surferin an der Welle verunglückt und wenig später gestorben.
Doch wie lange diese Überwachung gedauert hat, und was die Aufseher alles in ihren täglichen Kontrollberichten dokumentiert haben, das hat jetzt erst die “SZ” ans Licht gebracht. 450 Seiten Papier enthält demnach die Akte, die im Referat für Klima- und Umweltschutz angelegt worden ist – ab dem Zeitpunkt, als OB Dieter Reiter (SPD) Ende Juni 2025 die Welle nach der Sperrung wieder freigegeben hat. Akribisch seien Surferinnen und Surfer, aber auch Zuschauer, Hundehalter und Eltern mit ihren Kindern beobachtet worden, beschreibt die “SZ”.
“Die Fülle an Details schockiert uns”
In der Münchner Surfercommunity reagiert man entsetzt. Die “Bespitzelung von Bürgern ist ein Skandal“, schreibt der Surf Club München in einer Presseerklärung vom Mittwoch. “Dass wir im Sommer an der Welle beobachtet worden sind, das wussten wir”, erklärt Präsident Martin Grün auf AZ-Nachfrage, “es waren ja regelmäßig zwei schwarz gekleidete private Sicherheitsleute dort.” Die Surfercommunity habe dazu im Juli 2025 zwei Mal Mitteilungen von der Stadt erhalten. Darin sei es um an der Welle aufgefundene Gegenstände (wie eine Bierbank und einen Hammer) gegangen, die vom Baureferat entfernt wurden, oder die die Surfer selbst hätten entfernen sollen. “Aber der Umfang, diese Fülle an dokumentierten Details schockiert uns”, sagt Grün.
© Ben Sagmeister
von Ben Sagmeister
“}”>
Neun Einträge, 24 Fotos für einen Tag
Laut “SZ” sind für den 4. Juli beispielsweise neun Einträge notiert, angereichert mit 24 Fotos: “11.22 Uhr: Ein Surfbrett liegt im Wasser. Besitzer unbekannt.” Oder: “12.42 Uhr: Ein Ast lag im Wasser. Er wurde durch SMA (Sicherheitsmitarbeiter; Anm. d. Redaktion) entfernt.”
Die Aufseher seien bis zum Beginn der Bachauskehr am 17. Oktober im täglichen Zwei-Schicht-Einsatz gewesen. Und nochmal von 30. Oktober bis 3. November – obwohl die Welle da nach der Reinigung des Bachbetts schon zerstört und das Surfen nicht mehr möglich war.
Sechs Surferunfälle mit Verletzungen
Auch sechs Surferunfälle zwischen Mitte Juli und Mitte September sind demnach dokumentiert. “13. Juli: 14.15 Uhr ist ein Surfer beim Surfen der Welle ins Wasser gesprungen und verletzte sich am Kopf. Die Person blutete stark am Kopf”, zitiert die “SZ” etwa aus der Akte.
Die Wirkung, die diese Eintragungen mutmaßlich auf die Stadtverwaltung haben, ärgert den Surf-Club-Präsidenten. “Natürlich haut man sich beim Sport auch mal an”, sagt er zur AZ. “Ich wüsste aber nicht, dass es nach dem tödlichen Unfall der Surferin im letzten April einen dramatischen Vorfall an der Eisbachwelle gegeben hätte.”
Weitere Beobachtungen: offenbar nicht geplant
Immerhin, man werde wohl in Zukunft, wenn die Welle wieder funktionieren sollte, nicht mehr beobachtet, sagt Grün: “Das war eine Auskunft aus dem OB-Büro. Allerdings noch unter OB Dieter Reiter.”
Dessen Nachfolger Dominik Krause (Grüne) hat sich am Mittwoch laut seinem Sprecher in den Osterurlaub verabschiedet – und die “Akte Eisbach” nicht kommentiert.





















