Wal in Not: Wie Till Backhaus die Rettungsaktionen koordinierte | ABC-Z

Der Buckelwal steckt schon wieder fest, seine Atemfrequenz wird schwächer, und der Wasserstand sinkt. Die Fachleute vor Ort gingen am Mittwoch davon aus, dass das Tier bald sterben werde. Erwartet wurde, dass es im flachen Wasser am Gewicht seiner eigenen Fleischmassen erstickt. Eine einzigartige Tragödie, aber die habe das Tier sich so ausgesucht, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) am Mittwoch dazu. Die Ergriffenheit war ihm anzumerken. Von Hochachtung gegenüber diesem riesigen Säugetier sprach Backhaus. Und davon, dass auch er persönlich alles unternommen habe, um dem Wal zu helfen. Auch ihm selbst gehe die Sache nahe, auch bei ihm schlügen die Emotionen hoch.
Seit über 27 Jahren ist Backhaus ununterbrochen Minister, so lange wie niemand sonst in Deutschland. Derart im Scheinwerferlicht gestanden haben wie dieser Tage, da das Schicksal des großen Wals die Republik bewegt, dürfte er selten. Backhaus studierte zu DDR-Zeiten Agraringenieurwesen, arbeitete in einer LPG, brachte sich bei der Neugründung der SPD ein, war Abgeordneter der ersten frei gewählten Volkskammer. Der Siebenundsechzigjährige gilt als fleißig, im Auftreten volksnah, ohne sich anzubiedern.
War der Rettungsversuch nur eine Qual für den Wal?
Den Wal machte er rasch zur Chefsache. Wiederholt war er draußen auf dem Boot bei dem Tier, zusammen mit Wissenschaftlern und Walschützern. Unter seiner Leitung gingen die sehr anders vor, als man es in Schleswig-Holstein getan hatte, wo der Wal davor gestrandet war. Dort war der Tierschutzaktivist und Influencer Robert Marc Lehmann zu dem Tier getaucht, wurde faktisch zum Leiter einer „Rettungsaktion“. Mit mehreren Baggern wurde rings um den Wal Sand entfernt, mit der Baggerschaufel wurde das Tier angeschoben. Aus Sicht von Fachleuten dürfte das eine Qual für das überaus geräuschempfindliche Tier gewesen sein, von dem angenommen wird, dass es sich gezielt zum Sterben auf den Sand gelegt hatte.
Unter Backhaus’ Leitung war der Umgang sehr viel rücksichtsvoller. Nur sanft suchte man den Wal, etwa mit Ruderschlägen, zum Weiterschwimmen zu bewegen. Eine Schutzzone wurde eingerichtet, Boote durften sich nicht mehr nähern, der Tierschutzaktivist Lehmann wurde nicht mehr involviert. Der übte scharfe Kritik. Auch in sozialen Netzwerken gab es viel Unmut. Backhaus wehrte sich öffentlich dagegen. Die Anfeindungen machten ihn tieftraurig, sagte er. Er habe auch eine Seele. Und er versicherte, man habe Experten bis nach Island um Rat gefragt, sei streng wissenschaftlich vorgegangen. Alle hätten gesagt, das Land handele vollkommen richtig. Nun sei es notwendig, dem Wal Ruhe zum Sterben zu gönnen.





















