Tierschützer feiern Erfolg – Touristenattraktion auf Palma endet | ABC-Z

Das Klappern der Hufe vor der Kathedrale von Palma soll bald der Vergangenheit angehören: Die umstrittenen Pferdekutschen, seit Jahrzehnten eine der bekanntesten Touristenattraktionen in Mallorcas Inselhauptstadt, werden Schritt für Schritt abgeschafft. Nach jahrelangem Streit, wachsendem Druck von Tierschützern und immer neuen Skandalbildern von erschöpften oder zusammengebrochenen Pferden hat sich die Stadt nun mit den Kutschern auf einen Kurswandel verständigt. Künftig sollen elektrische Kutschen durch die Altstadt rollen – leise und emissionsfrei.
Die Entscheidung markiert einen Wendepunkt. Immer wieder hatten Bilder von entkräfteten Kutschpferden für Empörung gesorgt – vor allem im Hochsommer, wenn Temperaturen von über 35 Grad zur Belastungsprobe werden. Tierschützer sprachen von „Tierquälerei“ und machten mobil.
Mallorca: Kutscher steigen auf Elektro um
Der öffentliche Druck zeigte Wirkung: Mehr als 100.000 Unterschriften wurden gesammelt, Protestaktionen begleiteten den Alltag der Kutscher – und auch Touristen reagierten zunehmend kritisch auf das Thema. Deswegen zieht die Stadt Palma nun Konsequenzen. Entscheidend für den Durchbruch waren lange Verhandlungen mit der Branche selbst. Die 28 noch aktiven Kutscher Palmas haben sich nach Angaben des Rathauses mehrheitlich bereit erklärt, auf ein umweltfreundliches Transportmodell umzusteigen.
Der Übergang soll phasenweise erfolgen. Die Stadtverwaltung muss nun zunächst die rechtlichen Grundlagen schaffen, damit die neuen elektrischen Gefährte überhaupt zugelassen werden können.
Palmas Verkehrsdezernent Toni Deudero stellte klar, dass es sich um eine freiwillige Vereinbarung mit der Kutscherbranche handele. „Ein Verbot der Pferdekutschen ist damit zunächst nicht verbunden.“ Allerdings rechnet man im Rathaus damit, dass sich die meisten Kutscher diesem Wandel anschließen werden.

Immer wieder erregten Bilder von erschöpften Tieren die Öffentlichkeit.
© picture alliance / Eibner-Pressefoto | Augst / Eibner-Pressefoto
Ziel sei es, dass interessierte Fuhrleute „möglichst bald“ auf das neue Modell umsteigen können, heißt es aus Palmas Stadtverwaltung. Konkrete Fristen gibt es noch nicht, doch man rechnet damit, dass die ersten Elektrokutschen ab 2027 unterwegs sein könnten. Die neuen E-Kutschen sollen äußerlich an die bisherigen Fuhrwerke erinnern, jedoch moderner gestaltet sein. Kostenpunkt: rund 40.000 Euro pro Fahrzeug – finanziert von den Kutschern selbst, die allerdings auf Unterstützung und Subventionen hoffen.
Pferde in Palma sollen in den Ruhestand
Der Stimmungswandel ist bemerkenswert. Die Branche hatte sich lange gegen Veränderungen gewehrt. Doch nach wachsenden Protesten kam die Einsicht. „Die Zeiten haben sich geändert“, heißt es von den Kutschern. Man sei es leid, ständig beschimpft zu werden.
Der Präsident der Kutschervereinigung, Venancio Vargas, erklärt, man habe zunächst die Entwicklung in anderen mallorquinischen Touristenorten beobachten wollen. Etwa in der nördlichen Inselstadt Alcúdia, wo bereits seit einem Jahr elektrische Kutschen erfolgreich im Einsatz sind. Ziel sei es, nun auch in Palma „den Service zu verbessern“ und den Touristentransport an die Erwartungen der heutigen Gesellschaft anzupassen.

Zu Fuß unterwegs statt in der Pferdekutsche: Immer mehr Touristen sahen den Betrieb der Kutschen kritisch.
© picture alliance/dpa | Clara Margais
Mit dem Ende der Pferdekutschen in Palma stellt sich auch die Frage nach der Zukunft der Tiere, die bisher die Gespanne zogen. Nach Angaben der Kutscher laufen dafür bereits Gespräche mit Behörden und Tierschützern. Die Idee ist, dass für die außer Dienst gestellten Kutschpferde neue Besitzer gefunden werden, damit die Tiere auf Weiden und Wiesen ihren Ruhestand genießen können.

Die Kutschen gehörten bislang fest zum touristischen Bild von Palmas Altstadt. Die Rundfahrten durch das Stadtzentrum waren klar geregelt, mit festen Routen und Tarifen je nach Strecke und Dauer. Eine halbstündige Fahrt kostete zuletzt 30 Euro, für eine Stunde wurden 50 Euro fällig. Mit dem Aus für die Pferdegespanne folgt Palma einem Trend, der sich in vielen europäischen Urlaubsdestinationen abzeichnet: weg von Attraktionen mit Tieren, hin zu nachhaltigeren und gesellschaftlich akzeptierten Lösungen.
Tierschützer auf Mallorca warnen vor Rückschritten
Mallorcas Tierschutzbewegung Progreso en Verde (Grüner Fortschritt), die jahrelang für ein Ende der umstrittenen Pferdekutschen gekämpft hat, wertet die Entscheidung als wichtigen Schritt. Man sehe den Wandel aber mit einer „gewissen Vorsicht“, da es in der Vergangenheit bei den Verhandlungen immer wieder Rückschläge gegeben habe.
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Zugleich verweisen die Tierschützer auf ein verändertes Bewusstsein bei Besuchern und Einheimischen. „Viele Touristen steigen gar nicht mehr in die Pferdewagen ein”, sagte ein Sprecher von Progreso en Verde, „oder sie kritisieren das Kutschangebot sogar ganz offen.“





















