Meinungen

Was läuft im Fernsehen? Die besten Filme an Gründonnerstag und Karfreitag – Medien | ABC-Z

Drama, Das Erste, Freitag, 23.35 Uhr

Diese Regiearbeit Philipp Stölzls die Verfilmung von Stefan Zweigs „Schachnovelle“ zu nennen, träfe die Sache nicht. Es ist sehr entschieden eine Interpretation, eine Variante, auch eine Konkretion dieses vielgelesenen, rätselhaften Textes. Stölzl und der Drehbuchautor Eldar Grigorian konzentrieren sich stärker als die Novelle auf die Binnenerzählung. Die Rahmenhandlung, in der zwei Passagiere eines Ozeandampfers einander ein Schachduell liefern, der grobschlächtige Weltmeister Czentovic und der Geistesmensch Josef Bartok, der sich das Schachspielen in der Folterhaft der Nazis selbst beigebracht hat, tritt in den Hintergrund. Der Film fokussiert auf Bartoks Tortur; klarer als bei Zweig wagt er Widerstand gegen seine Auslöschung als Intellektueller, klammert sich an den Verstand, den er zu verlieren droht. Das ist famos gespielt von Oliver Masucci, und Birgit Minichmayr als Bartoks Frau sowie Albrecht Schuch als Folterer sind ihm ebenbürtig.

Judy

Biopic, ARD One, Freitag, 20.15 Uhr

Ein brutaler, ein gnadenloser Film ist das über die Schauspieldiva Judy Garland, weil er beinahe ausschließlich vom letzten Jahr in deren Leben handelt. In dem Garlands Karriere, die so früh mit „Der Zauberer von Oz“ begonnen hatte, im Alter von Mitte 40 so gut wie vorüber ist. Sie kann ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen, auch weil den größeren Teil des Geldes, das sie verdient hat, Männer eingestrichen haben. Ein Angebot hat sie noch, ein mehrwöchiges Engagement in einem Nachtclub in London, von dem sich kaum leugnen lässt, dass sie in der Rolle als has been auftreten muss. „Judy“ ist, auf der anderen Seite, aber auch ein warmherziger Film, und das liegt sehr an Renée Zellweger. Sie spielt Judy Garland und versagt ihr nie die Energie, die sie so stark, so gut, so selbstbewusst gemacht hat. Renée Zellweger ergreift Partei, für eine Kollegin, die (auch) am System zerbrochen ist.

Die Schöne und das Biest

Musical, Disney Channel, Donnerstag, 20.15 Uhr

Diese Realverfilmung des Disney-Klassikers – für die nichtsdestotrotz eine Menge Animation angewandt wurde – geriet, als sie vor neun Jahren in die Kinos kam, in ein Gender-Ge(t)witter: Ist der Film misogyn und wenn ja, wie sehr? Verrät die Hauptdarstellerin Emma Watson nicht all ihre feministischen Ideale? Oder hat sie die schon zuvor drangegeben für ein freizügiges Fotoshooting? Und was ist wiederum davon zu halten, dass es eine offen homosexuelle Figur gibt, die vermeintlich erste in einem Disneyfilm? Mittendrin das Filmstudio, das wie kein zweites für wertkonservative Erzählungen steht. Tatsächlich ist die Schöne, wenn auch nicht die Speerspitze der Emanzipation, doch eindeutig Subjekt und nicht Objekt des Films – eine entscheidende Änderung gegenüber der Vorlage. Und er bringt, was sehr schön anzuschauen ist, die Dinge zum Tanzen. Und manchmal sogar die Verhältnisse.

Drive

Thriller, RTL 2, Freitag, 22.30 Uhr

Einer der coolsten Filme der 2010er ist dieser Thriller des dänischen Regisseurs Nicolas Winding Refn. Das liegt am Look des Films, an der Art, wie die Gangstergeschichte verhandelt wird – und an dem Hauptdarsteller Ryan Gosling. So arrogant wie er an einer Kühlerhaube zu lehnen, macht ihm so rasch niemand nach. Er spielt einen Fahrer, den Driver, eigentlich ist er Stuntman. Aber in einem Nebenberuf fährt er Fluchtfahrzeuge – zu seinen Konditionen. Er hilft nicht bei den Überfällen, er ist nicht bewaffnet, er fährt bloß. Das sind großartig choreografierte Jagden durch Los Angeles. Der Driver sieht in seiner silbrig glitzernden Jacke aus wie ein Ritter. Auf seine Neutralität hält er alles. Aber das ist die Crux: Er steckt eben doch mit drin, ist verwickelt in die Verbrechen der anderen. Daran ändern auch Lässigkeit und Verachtung nichts.

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