Staatsstraße zwischen Wolfratshausen und Sauerlach: Laster dürfen weiter durch die Dörfer rollen – Bad Tölz-Wolfratshausen | ABC-Z

Die Staatsstraße 2070 zwischen Wolfratshausen und Sauerlach ist eine Abkürzungsroute für den Schwerlastverkehr, um schneller von der Salzburger Autobahn A8 zur Garmischer Autobahn A95 oder umgekehrt zu wechseln. Damit sparen sich die Fernfahrer die um die fast 25 Kilometer längere Route über die Landeshauptstadt München sowie Mautgebühren. Die knapp 27 Kilometer lange Strecke auf der Staatsstraße von einer zur anderen Autobahn führt die großen Laster indes mitten durch mehrere kleine Dörfer, sowie durch die Stadt Wolfratshausen und die Gemeinde Sauerlach, was die Anwohner dort mit Lärm und Abgasen belastet.
Daher hat die Sauerlacher Agenda 21 eine Initiative gestartet, die Strecke für Schwerlaster von mehr als 7,5 Tonnen zu sperren und so die Bevölkerung zu entlasten. Der Gemeinderat von Sauerlach (Landkreis München) stimmte zwar dafür. Die politischen Gremien der anderen beiden Anliegerkommunen Egling und Wolfratshausen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen votierten jedoch dagegen.
Damit dürfte der Vorstoß erst einmal erfolglos bleiben, obwohl vor allem die Sauerlacher Handlungsbedarf sehen. „Die Laster donnern mit 50 Stundenkilometern durch die Hofoldinger und Wolfratshauser Straße durch“, sagt Jeanette Linhardt, die das Bauamt der Gemeinde leitet. Anwohner sorgten sich zusätzlich zur Lärmbelastung insbesondere um die Sicherheit ihrer Kinder auf dem Schulweg. Daher gebe es schon seit Jahren Versuche, den Schwerlastverkehr zu reduzieren, so Linhardt. Bei den Vorstößen der Kommune ist allerdings, bis auf eine Reduzierung auf Tempo 30 auf der Hofoldinger Straße während der Nachtstunden von 22 bis 6 Uhr, bislang wenig Zählbares herausgekommen.
Liefer- und Durchgangsverkehr seien bei Kontrollen nicht zu unterscheiden, sagt der Eglinger Bürgermeister
In Egling stellte sich der Gemeinderat bei nur einer Befürworterstimme kürzlich gegen den Antrag der Sauerlacher Agenda 21. Für Bürgermeister Hubert Oberhauser (Freie Wählergemeinschaft Egling) ist das geforderte Durchfahrverbot nicht umsetzbar. Die Polizei müsste ja jeden Lastwagen kontrollieren, um den Schleich- vom Lieferverkehr unterscheiden zu können, so der Eglinger Rathauschef. Das sei personell gar nicht umsetzbar.
In Wolfratshausen unterstützte vor allem die Fraktion der Grünen eine Sperrung der Staatsstraße für den Schwerlastverkehr. Der Verkehr rausche auf der Staatsstraße 2070 durch die Orte hindurch, in Wolfratshausen auf der Äußeren Sauerlacher und der Schießstättstraße, so Grünen-Stadtrat Hans-Georg Anders. „Wir sind es den Bürgern schuldig, die da wohnen, etwas zu tun.“ Von der Möglichkeit, die Lebensqualität für viele Bürger zu erhöhen, sprach auch seine Fraktionskollegin Annette Heinloth. Diese vorbeiziehen zu lassen, wäre aus ihrer Sicht eine verpasste Chance.
Zwar unterstützten auch Ulrike Krischke und Max Schwarz (Bürgervereinigung Wolfratshausen) zusammen mit den fünf Grünen-Räten die Initiative zur Sperrung. Sie wurden aber von 14 Stadträten überstimmt.
Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) verwies in der Sache auf ein Treffen von Vertretern der Anliegerkommunen Egling und Wolfratshausen, des für die Staatsstraße zuständigen Staatlichen Bauamts Weilheim, der unteren Verkehrsbehörde im Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen und der Polizei. „Wenn wir etwas verbieten, wird sich der Schwerlastverkehr den Weg durch die kleinen Weiler suchen“, so der Rathauschef. Das würde dort zu erhöhtem Verkehrsaufkommen, mehr Belastungen durch Lärm und Abgase sowie mehr Streckenkilometern führen, was wiederum aus Umweltgründen problematisch sei, so Heilinglechner.
Circa 150 Laster am Tag rauschen laut Erhebung der Agenda durch die Dörfer, um die Route über München zu vermeiden
Außerdem dürften Laster eine Staatsstraße prinzipiell befahren. Daher sei es nötig, die Route zur Kreisstraße umzuwidmen. Das bedeute aber, dass die Kommunen dann die Straßenbaulast übernehmen müssten. Ein Punkt, den Heilinglechner insbesondere wegen des hohen Sanierungsbedarfs der Marienbrücke, die bei Wolfratshausen über die Isar führt, sehr kritisch bewertete. Der Rathauschef gab überdies zu bedenken, dass die Kommunen nichts selbst beschließen könnten, sondern auf die Kooperation mit übergeordneten Behörden angewiesen seien.
Der Antrag der Agenda 21 sei zwar verständlich, stehe aber in keinem guten Verhältnis zu den negativen Auswirkungen, so Heilinglechner. Von einem „Schaufensterantrag“ und viel heißer Luft sprach Manfred Fleischer (Wolfratshauser Liste).
Auf der Staatsstraße 2070 sind laut Staatlichem Bauamt täglich 6000 Fahrzeuge unterwegs. Fünf Prozent von ihnen gehören zum Schwerlastverkehr. Bei ungefähr der Hälfte davon – das wären also 150 Lastwagen am Tag – handle es sich um Ausweichverkehr, um sich den Umweg über den Mittleren Ring zu sparen, so der Sprecher der Sauerlacher Agenda, Anton Pfefferseder. Das habe die Agenda durch eigene Zählungen im Jahr 2025 überprüft. Daran wird sich vorerst nichts ändern. Denn die beiden Anliegerkommunen aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen haben die Initiative der Agenda vorerst ausgebremst.





















