Wirtschaft

Warum Tech-Aktien unter Druck geraten | ABC-Z

Die Kurse der Aktien von Halbleiter-Herstellern sind seit Monaten im Aufwind gewesen. Schließlich werden viele Chips gebraucht, um all die Anwendungen rund um Künstliche Intelligenz (KI) zu entwickeln und voranzubringen. Doch mit Beginn des Irankriegs hat sich das geändert. Schließlich ist die Produktion der Halbleiterbausteine energieintensiv. Auch braucht es für die Fertigung spezielle Gase. Darüber hinaus lässt der milliardenteure Ausbau von Rechenzentren und die dahinterstehenden Investitionen viele Anleger zweifeln. Diese Zweifel traten am Dienstag an den Börsen deutlich zutage.

Ein Medienbericht des „Wall Street Journal“, wonach US-Präsident Donald Trump den Irankrieg vorerst auch ohne die Öffnung der für die Lieferketten wichtigen Straße von Hormus beenden möchte, drückten die Stimmung – und die Kurse. US-Speicherchiphersteller Micron Technology verlor am Montag zehn Prozent und setzte den Abwärtstrend nach Börsenschluss fort. Am frühen Dienstagmorgen zogen die Kurse der asiatischen Wettbewerber nach.

Der koreanische Leitindex Kospi rutschte zwischenzeitlich um rund 4 Prozent ab. Der Hongkonger Hang-Seng-Index, die Börse Shanghai und der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen gaben jeweils nach. Unter Druck gerieten etwa die japanischen Technologiewerte Tokyo Electron, Softbank und Advantest, die rund drei bis vier Prozent verloren. „Aktien aus dem Halbleitersektor gaben an der Wall Street am Vorabend deutlich nach, und diesem Trend folgend ist heute auch in Japan Verkaufsdruck zu beobachten“, sagte Maki Sawada vom Finanzdienstleister Nomura.

Chipwerte rutschen ab

In Südkorea rutschten SK Hynix, Samsung Electronics und LG Energy um knapp vier bis acht Prozent ab. Auch andere Halbleiterwerte zog es mit in die Tiefe. Die Chipzulieferer aus dem Bereich Maschinenbau ASML und Suss, der weltgrößte Halbleiterproduzent TSMC, sowie der deutsche Waferhersteller Siltronic verloren. Einzig der deutsche Chipproduzent Infineon lag zwischenzeitlich rund zwei Prozent im Plus, nachdem er am Montag mit einem Minus von 1,2 Prozent als drittschwächster Dax-Wert geschlossen hatte. Im Februar hatte das Papier noch ein Jahreshoch erreicht, ist seitdem aber im Abwärtstrend.

„Der Krieg treibt die Energiepreise nach oben und schürt damit die Angst vor wieder steigender Inflation. Das belastet vor allem Technologieaktien, weil sich dadurch auch der milliardenschwere Ausbau von KI-Rechenzentren verteuert“, schreibt Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank. Anleger stellten wachsende Fremdkapitalkosten infrage und seien nicht mehr bereit, die hohen Bewertungen im Sektor mitzutragen. Stiegen die Zinsen, erhöhten sich auch die Kosten für den ohnehin stark fremdkapitalfinanzierten Ausbau von KI-Rechenzentren. „Schon vor dem Zinsanstieg sorgten sich Anleger darum, ob die großen Konzerne diese Investitionen jemals wieder einspielen können. Mit steigenden Zinsen werden diese Zweifel umso lauter“, sagt Stanzl. Technologieaktien seien seit Monaten ein richtiger Renditekiller im Portfolio und dieser Trend scheine sich durch den Irankrieg noch einmal zu beschleunigen.

Mit steigenden Ölpreisen und zunehmender Volatilität treibt es die Anleger in weniger riskante Werte und dementsprechend weg von KI-Titeln. Simon Weinberger vom amerikanischen Vermögensverwalter Blackrock gibt zu bedenken: „Am US-Aktienmarkt zeigt sich zunehmend, dass die Entwicklung nicht mehr nur von wenigen Mega-Caps getragen wird. Dadurch gewinnt die Auswahl einzelner Aktien wieder stärker an Bedeutung“, sagte er. KI verliere aus seiner Sicht jedoch nicht grundsätzlich an Bedeutung. Der Markt achte inzwischen genauer darauf, „wer die Umsätze tatsächlich erzielt, wer die Kosten trägt und wer seine Margen langfristig sichern kann“.

Auf Jahressicht verzeichnen die Chiphersteller denn auch noch ein deutliches Plus. So hat sich der Kurs des Schwergewichts TSMC seither nahezu verdoppelt. Infineon legte in einem Jahr immerhin knapp 24 Prozent zu, bei ASML waren es sogar mehr als 80 Prozent. Die Aktie des Waferherstellers Siltronic zog um rund 30 Prozent an.

KI-Optimisten sind sich auch sicher, dass die hohen Investitionen in neue Rechenzentren sich weiter auszahlen und KI zunehmend im Alltag gebraucht wird. Sobald sich die Märkte von den Kriegsauswirkungen erholt hätten, würden die Anleger sehen, wie günstig einige Titel geworden seien. Dann könne die Erholung sehr schnell gehen, sagte Anna Wu von VanEck Associates.

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