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Berliner Halbmarathon: Der Zweitplatzierte, der gegen die Regeln verstieß | ABC-Z

Stand: 31.03.2026 • 09:18 Uhr

Eigentlich sollte Dennis Kipkemoi “nur” als Tempomacher am 45. Berliner Halbmarathon teilnehmen. Am Ende wurde er Zweiter. Das warf sofort einige Fragen auf.

  • Kenianer Dennis Kipkemoi sollte eigentlich nur Pacemaker sein beim Halbmarathon
  • Am Ende wurde er Zweiter vor dem, für den er das Tempo machen sollte
  • Abgesprochen sei das nicht gewesen, sagt Renndirektor Mark Milde

Für einen jungen Athleten, der beim 45. Berliner Halbmarathon zum ersten Mal außerhalb seiner Heimat Kenia gelaufen ist und der nicht einmal seinen Namen auf seinem Trikot getragen hat bei diesem Rennen, ist Dennis Kipkemoi seit diesem Wochenende ganz schön bekannt.

Der Grund dafür ist so einfach wie ungewöhnlich. Denn Kipkemoi sollte dieses Rennen eigentlich gar nicht beenden. Vielmehr ist er als sogenannter Pacemaker, also Tempomacher, an den Start gegangen. Seine Mission: Auf den ersten 15, 16 Kilometern das Tempo zu machen für den letztlich Drittplatzierten Amanal Petros. Weshalb auf Kipkemois Trikot auch nicht sein Vorname Dennis stand, sondern das Wort “Pace”. Allein: Statt nach erfolgreicher Tempoarbeit für den neuen deutschen Rekordhalter Petros auszusteigen aus dem Halbmarathon, lief Kipkemoi einfach weiter – und wurde Zweiter.

Darf der das, fragten sich interessierte Beobachter sogleich. Ja, sagt Mark Milde, Renndirektor des Veranstalters SCC Events. Aber auch: “Er hat sich nicht an die Absprachen gehalten.” Weshalb Milde mitten im Rennen auch als Beifahrer eines Kamera-Motorrads zu Kipkemoi aufschloss und das Gespräch suchte. Was genau Milde in diesen Augenblicken zum Pacemaker außer Dienst sagte, gibt er im Gespräch mit rbb|24 nicht preis. Nur soviel: “Ihm bei Kilometer 18 zu sagen, bitte halt an, Du gehst jetzt raus, hätte auch kein Mensch verstanden. Also haben wir ihn quasi unterstützt, dass er durchlaufen kann.”

Beobachter der Szene beschreiben das Grundgefühl dieses Austauschs hingegen als eher etwas angespannt.

Die Zeit ist wichtiger als die Platzierung

Fakt ist, dass Kipkemoi die Lücke, die sich im Lauf des Rennens zwischen seiner Gruppe um Amanal Petros und dem späteren Sieger Andrea Kiptoo zwischenzeitlich ergeben hatte, relativ mühelos zuzulaufen schien. So mühelos, dass man sich fragen musste, warum er nicht gleich an die Spitze spurtete. Dabei, so Renndirektor Mark Milde, sei “nicht unbedingt der erste Platz das Wichtige, sondern die Zeit, die man erzielt”. Auch um Einladungen für andere Rennen rund um die Welt zu erhalten. Diese “Referenz”, wie Milde es nennt, könne Kipkemoi nun vorweisen.

Dass er überhaupt für so viel Aufregung sorgen konnte, hat er Amanal Petros und seinem Management zu verdanken. Der Läufer von Hannover 96 hatte im Vorfeld des Rennens in Kenia trainiert, unter anderem mit Kipkemoi. Weil die Veranstalter Petros als eines der Zugpferde für das Rennen ausgemacht hatten, sollte das Management des deutschen Läufers Athleten organisieren, die bei dieser Zielstellung helfen könnten. Die Wahl fiel auf Kipkemoi.

Alles nur ein Versehen?

Am Ende, so Mark Milde, habe der seinen “Job gut gemacht”. Amanal Petros knackte die Stundenmarke mit neuem, deutschen Rekord. Auch deshalb hege er keinen Groll, so Milde. Er sei gern bereit, Kipkemoi “beim nächsten Mal offiziell einzuladen, denn es ist ja auch cooler für ihn, wenn er hier mit seinem richtigen Namen durch das Ziel läuft.” Auch die Prämie für den zweiten Platz (2.000 Euro) werde man natürlich zahlen. Dazu kommt die Antrittsprämie als Pacemaker, im “niedrigen, vierstelligen Bereich”, wie Milde sagt.

Wie es letztlich dazu gekommen ist, dass der Mann mit dem Namen “Pace” auf seinem Trikot gegen die Absprache ins Ziel gelaufen ist, darüber kann auch Milde nur spekulieren. Es sei Kipkemois erstes Mal außerhalb Kenias gewesen, so Milde, und vielleicht “hat er auch nicht alles so richtig verstanden. Und dann war da vielleicht auch eine Unsicherheit bei ihm – wie verhalte ich mich richtig.”

Nach dem Rennen habe er nochmal mit Kipkemoi gesprochen, so Milde. Der Kenianer sei “mega happy gewesen, dass er laufen und sich eine Zeit unter einer Stunde sichern konnte”. Amanal Petros hatte schon direkt nach seinem Zieleinlauf freudvoll für Fotos posiert mit seinem Trainings- und Laufpartner. Als klassisches Happy End könnte man das Ganze also bezeichnen. Oder auch: Pace out.

Sendung: rbb|24, 30.03.2026, 19:50 Uhr

Audio: rbb|24, 30.03.2026, Ilja Behnisch

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