Tod an der Mauer! Berlin erinnert an kleinen Cetin (5) | ABC-Z

Kreuzberg – Der 11. Mai 1975 war ein Sonntag mit viel Sonne in Berlin. Und Muttertag – der einer Mutter unendlich viel Schmerz bringen sollte: Ihr Junge, gerade fünf Jahre alt, fiel in der Nähe der Oberbaumbrücke in die Spree. Unfassbar: DDR-Grenzsoldaten verhinderten seine Rettung.
Cetin Mert ist eines der jüngsten Opfer der Berliner Mauer. Am Montag, seinem Geburtstag, wurde mit einer Gedenkstunde an ihn erinnert. Er wäre an diesem Tag 56 Jahre alt geworden. Deshalb stiegen 56 weiße Luftballons in den Himmel.

Es passierte in Kreuzberg, am damaligen Gröbenufer (heute May-Ayim-Ufer). Cetin spielt dort ab 11 Uhr mit seinem Freund Ünsal Fußball. Als der Ball in die Spree fällt und Cetin ihn herausangeln möchte, stürzt er gegen 12.30 Uhr selbst ins Wasser. Das Problem: Die 125 Meter breite Spree gehörte an dieser Stelle komplett zur DDR.
DDR verbot Einsatz der Rettungstaucher
Schon wenig später treffen West-Berliner Polizei und Feuerwehr am Gröbenufer ein. Es kommt auf schnelles Handeln an, denn ein kleines Kind kann unter Wasser nur etwa drei bis fünf Minuten überleben. Auch die Rettungstaucher der Feuerwehr sind im Einsatz, suchen mit Stangen verzweifelt nach dem Jungen im trüben Wasser. Ins Wasser springen dürfen sie nicht – das DDR-Regime verbietet es.
Später sind zwei Boote der DDR-Grenztruppen in Hör- und Sichtweite, unternehmen aber nichts. Um 13.36 Uhr bietet die West-Berliner Feuerwehr erneut ihre Hilfe an, die Grenztruppen lehnen wieder ab. Erst um 14.12 Uhr wird das tote Kind von den Grenztruppen geborgen, drei Tage später wird der Leichnam in den Westteil der Stadt gebracht.

„Eine Hilfe durch uns war nicht möglich, weil die Politik es nicht wollte“, erinnert sich Klaus Abraham (88), damals Einsatzleiter der Feuerwehr, bei der Gedenkstunde. „Ohnmächtig standen wir an der Kaimauer, durften nicht eingreifen.“
Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (53, CDU) erinnerte in einer emotionalen Rede an die Grausamkeit des damaligen Grenzregimes: „Hätte man versucht, dem kleinen Jungen das Leben zu retten, wäre der Retter erschossen worden. Denn die Grenzsoldaten hätten keine Rücksicht genommen.“
Wegner: „Cetin war ein Berliner Junge, wir werden sein Schicksal niemals vergessen.“





















