“So spielt man mit Lego”: Rheinmetall-Chef verspottet ukrainische Drohnenproduktion | ABC-Z

“So spielt man mit Lego”Rheinmetall-Chef verspottet ukrainische Drohnenproduktion
29.03.2026, 18:56 Uhr
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Nach Beginn der russischen Invasion in der Ukraine profitiert kaum ein deutsches Unternehmen so sehr von neuen Rüstungsanstrengungen wie Rheinmetall. Zuletzt wird die Konkurrenz aber härter. Die Ukraine selbst macht zudem große Fortschritte. Der Rheinmetall-Chef hat dafür allerdings nur Spott übrig.
Der Vorstandvorsitzende des deutschen Rüstungsriesen Rheinmetall, Armin Papperger, hat sich mit spöttischen Aussagen über die ukrainische Drohnenproduktion einen Shitstorm eingehandelt. Das US-Magazin “The Atlantic” hatte Papperger begleitet und mit ihm unter anderem über die aufstrebende ukrainische Drohnenproduktion gesprochen. Der Chef der Rüstungsschmiede hatte deren Arbeit abqualifiziert und laut “Frankfurter Allgemeiner Zeitung” (FAZ) gesagt: “Das ist keine Innovation”.
Schlimmer noch wird er mit den Worten zitiert: “Es sind ukrainische Hausfrauen”. Die hätten in der heimischen Küche 3D-Drucker zu stehen und würden damit Teile für Drohnen herstellen. An anderer Stelle stellte Papperger demnach einen Zusammenhang zu Spielzeug her, als er sagte: “So spielt man mit Lego”. Er fand laut FAZ zwar auch lobende Worte für den Drohnenbau der Ukraine, stellte aber klar, dass die Technologie aus seiner Sicht mit der von Lockheed Martin, General Dynamics oder Rheinmetall nicht vergleichbar sei.
Die Reaktionen in sozialen Medien ließen nicht lange auf sich warten. Aus der Ukraine selbst äußerte sich Alexander Kamyschin. Er ist Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Sarkastisch bemerkte er, dass die ukrainischen “Lego-Drohnen” immerhin 11.000 russische Panzer zerstört hätten. Die Zahl wird allgemein als zu hoch betrachtet. Das unabhängige niederländische Militärportal Oryx kommt aber immerhin auf gut 4300 verlorene russische Panzer. Nicht alle wurden allerdings mit Drohnen zerstört. Dennoch spielen Drohnen für die Ukraine eine immer größere Rolle bei der Verteidigung gegen Russland und das oft sehr erfolgreich.
Kamyschin schreibt weiter, dass er etwa 200 ukrainische Fabriken für Militärgerät besucht habe. Die Männer und Frauen, die dort arbeiten, “verdienen Respekt”, forderte er von Rheinmetall. Der CDU-Experte für Außenpolitik, Roderich Kiesewetter, antwortete Kamyschin: “Wenn ich könnte, würde ich mich entschuldigen.”
Rheinmetall will Ärger dämpfen
Rheinmetall selbst versuchte mittlerweile, die Wogen ein wenig zu glätten. Auf X schrieb das Unternehmen an Kamyschin gewandt: “Wir haben größten Respekt vor den enormen Anstrengungen des ukrainischen Volkes, sich gegen den russischen Angriff seit nunmehr gut vier Jahren zu verteidigen.” Und weiter: Es sei “der Ukraine besonders hoch anzurechnen, dass sie selbst mit begrenzten Mitteln äußerst effektiv kämpft. Die Innovationskraft und der Kampfgeist des ukrainischen Volkes sind uns eine Inspiration.”
Die deutsche Konkurrenz ließ sich kritische Worte ebenfalls nicht nehmen. Florian Seibel, der Co-Chef des Drohnenherstellers Quantum Systems schrieb auf Linkedin, die Aussagen des Chefs eines deutschen Rüstungsunternehmens täten ihm leid und er schäme sich dafür. Pappergers Namen nannte er nicht.
Stefan Thumann, Gründer und Chef des Drohnenherstellers Donaustahl, schrieb auf Linkedin: “Wir unterstützen einhellig den Kurs, den Rheinmetall unter Führung ihres CEOs in Sachen Drohnen eingeschlagen hat und bedanken uns herzlich.” Gezeichnet: “Die deutschen Drohnenbauer”. Hintergrund der sarkastischen Worte ist ein Kampf um die Verteilung der Militärausgaben der Bundesregierung.
Rheinmetall profitierte nach Beginn der russischen Invasion in der Ukraine zunächst massiv und steigerte Umsatz, Gewinn und Aktienkurs erheblich. Laut FAZ profitierte auch Papperger persönlich. So soll seine Vergütung um das Zweieinhalbfache auf etwa zehn Millionen Euro gestiegen sein. Zuletzt gab es aber Rückschläge für das Unternehmen. Der Aktienkurs bewegte sich nach explosionsartigem Sprung zuletzt eher seitwärts.
Erste Aufträge der Bundesregierung für die Produktion Tausender Kampfdrohnen gingen zudem nicht an Rheinmetall, sondern an Helsing und Stark Defence, zwei junge Start-ups. Rheinmetall will sich noch nicht geschlagen geben. Es ist jedoch ungewiss, ob das Unternehmen noch zum Zug kommt.
Im derzeit eskalierenden Iran-Krieg ist die Expertise der Ukraine durchaus gefragt. Dort schießen Israel, die USA und zahlreiche vom Iran angegriffene Staaten vor allem günstige Drohnen mit in Relation enorm teuren Patriotraketen ab. Die Ukraine bot sich an, bei der Abwehr der Angriffe mitzuhelfen und Experten zu entsenden. Mittlerweile sind Teams vor Ort. Der Ukraine gelingt es zum einen, einen relativ hohen Anteil russischer Drohnen abzuwehren, und die Kosten dafür deutlich zu reduzieren. Mit Saudi-Arabien und Katar hat die Ukraine nun Abkommen über Unterstützung bei der Flugabwehr unterzeichnet.




















