Wenig Eigenkapital? Ökonom teilt „unterschätzten“ Trick | ABC-Z

Die Bauzinsen reagieren empfindlich auf aktuelle Entwicklungen außerhalb des Immobilienmarkts. Dabei spielen geopolitische Ereignisse, Inflationserwartungen und wirtschaftliche Unsicherheiten eine zentrale Rolle. Wer derzeit eine Baufinanzierung plant, steht vor einem zunehmend instabilen Zinsumfeld. Der Ökonom Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln beobachtet diese Verschiebung sehr genau.
„Mit dem Beginn des Kriegs im Iran und den damit verbundenen Energiepreisanstiegen sind die Zinsen um rund 20 Basispunkte, also 0,2 Prozentpunkte, gestiegen“, sagt er. Was zunächst nach einer kleinen Bewegung klingt, zeigt, wie sensibel der Markt geworden ist. Das hat weitreichende Folgen für Kreditnehmer.
Bauzinsen: Das ist laut Ökonom „entscheidend für die Zinsentwicklung“
Ursache für die Bewegung sei „vor allem die Befürchtung steigender Inflationsraten“, so Voigtländer. Steigende Energiepreise erhöhen den Inflationsdruck. Genau diese Erwartungen treiben die Kapitalmarktzinsen nach oben, die wiederum maßgebend für die Bauzinsen sind. „Entscheidend für die weitere Zinsentwicklung wird sein, wie lange der Krieg im Iran andauert“, so der Ökonom.
Michael Voigtländer leitet den Bereich Internationale Wirtschaftspolitik, Finanz- und Immobilienmärkte beim Institut der deutschen Wirtschaft.
© Uta Wagner | Uta Wagner
Dabei gilt: Je länger der Krieg andauert, desto nachhaltiger werden die Energiepreise und die Inflation steigen – mit entsprechenden Konsequenzen für die Zinsentwicklung. Auf Kaufinteressierte hat das direkte Auswirkungen. Die Unsicherheit schlägt sich nicht nur in den Zinsen selbst nieder, sondern auch in den Angeboten der Banken.
Bei der Vergabe von Krediten mit langer Zinsbindung müssen diese unter anderem einschätzen, wie sich die Inflation über die nächsten Jahre entwickeln wird. „Gerade aktuell sind die Unsicherheiten aber besonders groß, weshalb sich auch die angebotenen Konditionen der Banken unterscheiden können“, erklärt der Ökonom. Sein Rat: „Ein Vergleich der Zinsen lohnt sich: Aktuell liegt die Spanne oft bei 50 Basispunkten zwischen dem günstigsten und teuersten Kredit.“
Baufinanzierung mit wenig Eigenkapital? Simple Lösung oft ungenutzt
Gleichzeitig zeigt sich, dass sich viele Finanzierungen weniger an den Zinsen entscheiden als an den Rahmenbedingungen. Eigenkapital bleibt ein zentraler Hebel und wird in der Praxis oft zum entscheidenden Faktor. „Wer über Eigenkapital verfügt, ist generell in einer besseren Lage“, sagt Voigtländer. Doch auch darüber hinaus gebe es ungenutzte Spielräume: „Oft unterschätzt werden innerfamiliäre Möglichkeiten, etwa die Beleihung einer bestehenden Immobilie der Eltern oder innerfamiliärer Kredite.“
Prof. Dr. Michael Voigtländer ist ein deutscher Immobilienökonom. Er ist Leiter des Themenclusters „Internationale Wirtschaftspolitik, Finanz- und Immobilienmärkte“ am Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln), wo er seit 2005 arbeitet.
Auch Förderprogramme können derzeit wieder stärker ins Gewicht fallen. „Anfang März wurden die Konditionen zahlreicher Förderkredite, zum Beispiel für den Kauf besonders nachhaltiger Immobilien, deutlich verbessert“, so Voigtländer. In Kombination mit Eigenkapital können solche Bausteine entscheiden, ob eine Finanzierung tragfähig ist oder nicht.
Trotz aller Möglichkeiten bleibt die eigene finanzielle Belastbarkeit der zentrale Punkt. Denn auch wenn sich Modelle und Strategien optimieren lassen, bleibt eine Immobilienfinanzierung immer eine langfristige Verpflichtung. Voigtländer warnt deshalb davor, sich von äußeren Entwicklungen treiben zu lassen: „Immobilieninteressenten sollten sich aufgrund der Möglichkeit steigender Zinsen nicht zum Kauf drängen lassen.“
Am Ende zähle weniger die kurzfristige Marktlage als die langfristige Perspektive. „Man sollte sich der eigenen finanziellen Möglichkeiten bewusst sein und genau überlegen, welche Rate man noch stemmen kann“, rät der Ökonom. Die eigentliche Entscheidung liegt nicht beim Timing, sondern bei der Frage, ob die Immobilie wirklich zum eigenen Leben passt – heute und in der Zukunft.
Im Gespräch mit Prof. Dr. Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln), im März 2026.





















