Schwere Krankheiten in berühmten Bildern enthüllt | ABC-Z

Die Analyse bedeutender Kunstwerke eröffnet nicht nur kunsthistorische, sondern auch medizinische Perspektiven. Werke wie „Die Sintflut“ von Michelangelo, das Porträt Kaiser Karls V. von Tizian oder „Bathseba im Bade“ von Rembrandt van Rijn erlauben Einblicke in historische Krankheitsbilder. Experten der sogenannten Ikonodiagnostik erkennen darin Hinweise auf Erkrankungen wie Brustkrebs, Störungen des Stoffwechsels oder Lepra. Diese Deutungen bleiben Laien meist verborgen.
Berühmte Gemälde offenbaren schwere Krankheiten
Die Ikonodiagnostik vereint Ansätze der Medizin- und der Kunstgeschichte und eröffnet dadurch eine neue Perspektive auf historische Bilder. Dieser Blick ermöglicht es, in Gemälden Hinweise auf genetische oder potenziell lebensbedrohliche Erkrankungen zu identifizieren, die für Laien in der Regel nicht erkennbar sind. Der Pathologe Prof. Dr. Andreas Nerlich von der Ludwig-Maximilians-Universität in München etwa analysiert gezielt krankheitstypische Merkmale, die von Künstlern detailgetreu festgehalten wurden.
Ein Beispiel bietet das „Porträt Kaiser Karl V. mit seinem Hund“ von Tizian. Das Gemälde zeigt eine Fehlstellung des Unterkiefers bei Karl V., die als Folge einer erblich bedingten Erkrankung gilt, wie sie innerhalb des Hauses Habsburg verbreitet war. Charakteristische Merkmale umfassen eine verlängerte Nase, eine ausgeprägte Lippenform sowie ein vergrößertes Kinn. Diese Besonderheiten waren mit funktionellen Einschränkungen verbunden, etwa beim Kauen und beim Sprechen.
Ein weiteres Beispiel ist das Werk „Greis und Junge“ von Domenico Ghirlandaio, in dem die auffällige, knollenartige Nasenveränderung des älteren Mannes medizinisch als Rhinophym interpretiert wird. Auch in der „Mona Lisa“ von Leonardo da Vinci werden Hinweise auf eine Fettstoffwechselstörung diskutiert, basierend auf einer gelblichen Veränderung am Augenlid sowie einer lipomähnlichen Struktur an der Hand.
Brustkrebs-Darstellungen bei Michelangelo und Rembrandt
Zwei der bedeutendsten Künstler der Kunstgeschichte liefern in ihren Werken Hinweise auf eine Brustkrebserkrankung. In „Bathseba im Bade“ von Rembrandt van Rijn werden Veränderungen im Bereich der Brust sowie eine Schwellung in der Achselregion der dargestellten Frau von Experten als Hinweise für Brustkrebs oder eine Lymphknotenschwellung interpretiert. Insbesondere die Verfärbung und Gewebeveränderung werden in diesem Zusammenhang diskutiert.
Passend dazu: Michelangelos Kunstwerk birgt tödliches Geheimnis
Auch in den Fresken von Michelangelo an der Decke der Sixtinische Kapelle wurden Befunde publik. Die näheren Untersuchungen weiblicher Figuren in „Die Sintflut“ legen nahe, dass anatomische Auffälligkeiten der Brust auf ein fortgeschrittenes Krankheitsbild hindeuten könnten. Einige Forscher vertreten die Auffassung, dass diese Darstellung bewusst von Michelangelo gewählt wurde, um die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens zu thematisieren.

Fresken von Michelangelo an der Decke der Sixtinische Kapelle (1508–1512).
© Alamy Stock Photo | Peter Barritt
Versteckte Krankheiten in der Kunst
Mit fortschreitender Analyse historischer Gemälde lassen sich zunehmend Hinweise auf unterschiedliche Krankheitsbilder erkennen. So zeigt ein Altarwerk von Hans Holbein der Ältere Hautveränderungen an den Armen eines Bettlers, die von Wissenschaftlern als Anzeichen von Lepra interpretiert werden. Ähnliche Deutungen finden sich auch in „Das Jüngste Gericht“ von Bernard van Orley. Im „Isenheimer Altar“ von Matthias Grünewald werden hingegen eitrige Hautveränderungen und körperliche Schwellungen dargestellt, die als Hinweise auf Syphilis gedeutet werden.
Neben körperlichen Erkrankungen thematisieren Kunstwerke auch psychische Leiden. Ein prominentes Beispiel ist „Melancholie“ von Edvard Munch, das häufig mit Depression und Angst in Verbindung gebracht wird. Insgesamt eröffnet die ikonodiagnostische Perspektive einen erweiterten Zugang zu bekannten Werken, indem sie deren Darstellung von Krankheitssymptomen in den Fokus rückt.





















