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Festspiele: Aus für Hinterhäuser in Salzburg – Kultur | ABC-Z

Das Kuratorium der Salzburger Festspiele trennt sich mit sofortiger Wirkung von deren Intendanten Markus Hinterhäuser. Nach der Kuratoriumssitzung am 20. März hatte die Kuratoriumsvorsitzende und Salzburger Landeshauptfrau Karoline Edtstadler von der konservativen ÖVP in einem Pressegespräch noch verkündet, man werde „zeitnah“ über die Zukunft Hinterhäusers sprechen. Dies fand offenbar sehr schnell statt. Als Grund der Trennung werden „unüberbrückbare Auffassungsunterschiede und Differenzen“ angeführt. Eine gütliche, für das Ansehen der Festspiele verträgliche Lösung konnte in den Gesprächen zwischen den Anwälten des Salzburger Festspielfonds und Hinterhäusers Rechtsvertretung offenbar nicht gefunden werden. Ursache für die Trennung ist wohl Hinterhäusers Führungsstil, der zum einen bei Mitarbeitern der Festspiele auf Kritik und zum anderen Politiker vor den Kopf stieß.

Hinterhäuser werde nun, so sei „einvernehmlich festgelegt worden“, bis zum Ende seines laufenden Vertrags beurlaubt, der noch bis 30. September 2026 läuft. Keine Rede mehr von der von Altlandeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) mit Hinterhäuser vereinbarten Vertragsverlängerung bis 2029 respektive 2031 (es gab da eine Ausstiegsklausel). Die war offenbar an Hinterhäusers „Wohlverhalten“ gebunden, welches als Klausel auch im Vertrag stand. Hinterhäuser konnte, das ist in Salzburg kein Geheimnis, extrem aufbrausend sein und Menschen vor den Kopf stoßen. Seine Verbalattacken auf Mitarbeiter waren gefürchtet, der Spiegel berichtete nach Hinterhäusers Entlassung in einem Stück von solchen Schikanen.

Nun stehen die Festspiele in diesem Sommer ohne künstlerische Leitung da

Gleichwohl bezieht sich die Frage nach dem Wohlverhalten aus Sicht des Kuratoriums aber auch auf die Bestallung der neuen Schauspielleitung der Festspiele. Das Kuratorium, bestehend aus Vertretern von Bund, Stadt und Land Salzburg sowie dem Tourismusfond, fühlte sich übergangen, als Hinterhäuser öffentlich seine Favoritin für den Schauspielposten benannte, die ehemalige Burgtheater-Direktorin Karin Bergmann. Diese hatte sich offenbar um den Posten gar nicht beworben. Nur: In der Folge gab sogar Landeshauptfrau Edtstadler zu, es sei das gute Recht des Intendanten, diesen Posten auch ohne ein Ausschreibungsverfahren selbst zu bestimmen.

Karoline Edstadler ist erst seit Juli 2025 als Landeshauptfrau im Amt und sitzt in dieser Funktion im Kuratorium der Festspiele. Hinterhäuser war seit 2016 als Intendant extrem erfolgreich, künstlerisch wie merkantil, die Auslastung lag im vergangenen Jahr bei 98,4 Prozent, der Vorverkauf für diesen Sommer ist bereits jetzt um 20 Prozent höher als im Vergleichsmoment des Vorjahrs. Er manövrierte die Festspiele durch die Corona-Beschränkungen, leitete zuletzt, ohne finanziellen Aufschlag, das Sprechtheaterprogramm selbst, nachdem die Russin Marina Davydova im November 2024 nach nur einem Jahr im Amt als Schauspielchefin wegen nicht genehmigter Nebentätigkeiten gekündigt worden war.

Nun stehen die Festspiele in diesem Sommer ohne künstlerische Leitung da. Die Präsidentin Kristina Hammer, die eigentlich vor allem für die Pflege der Sponsoren zuständig ist, und der kaufmännische Direktor Lukas Crepaz übernehmen die operative Leitung. Auch deren Verträge laufen bald aus, in diesem beziehungsweise Anfang kommenden Jahres. Das Programm für diesen Sommer steht fest, das für 2027 auch weitgehend. Danach stehen die Festspiele nicht nur künstlerisch vor einem Scherbenhaufen, auch intensive Umbau- und Renovierungsarbeiten stehen im ganz physischen Sinne an; von 2028 an wird das Große Festspielhaus zwei Jahre geschlossen sein. Keine attraktive Situation für eine nun zu suchende neue Leitung. Markus Hinterhäuser sagte selbst in einem kurzen Telefonat nur: „Ich bin total fertig, ich kann jetzt nicht reden.“

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