Berlin

Noch 10 Meter bis zur Freiheit | ABC-Z

Henning Schaffner, Markus Langner, Noel Altendorf, Marco Zitzow

Timmendorfer Strand – Das Wal-Drama in der Lübecker Bucht spitzt sich zu. Der Rettungseinsatz wurde in der Dunkelheit abgebrochen. Dabei stand der seit Montag gestrandete Buckelwal kurz davor, sich freizuschwimmen. Unterstützt von Baggerfahrern, Tauchern, Tierschützern, Polizisten, Feuerwehrleuten und weiteren Helfern schob sich der völlig entkräftete Jungbulle am Donnerstag rund 40 Meter über die Sandbank. Jetzt fehlen nur noch zehn Meter bis in die Freiheit.

Das sagte Meeresbiologe und Taucher Robert Marc Lehmann (43) am Abend den „Lübecker Nachrichten“. Nur Augenblicke zuvor hatte er das vier Grad kalte Wasser der Ostsee vor Timmendorfer Strand verlassen – beziehungsweise verlassen müssen. Die Einsatzleitung hatte entschieden, die Rettung im Dunkeln nicht fortzusetzen – es sei zu gefährlich.

Die Rettungskräfte schauen gebannt auf den Wal. Der hatte sich in Etappen über die Sandbank geschoben. Als der Einsatz abgebrochen wurde, fehlten nur noch zehn Meter in die Freiheit Foto: Henning Schaffner

Ein Mitarbeiter der Firma, die den ganzen Tag eine Rinne über die Sandbank ausgrub, zeigte sich zuvor noch optimistisch: „Wir ziehen jetzt durch! Egal, was kommt – wir wuppen das.“ Nach dem Abbruch sagte Baggerunternehmer Matthias Hoffmann (56): „Ich bin freiwillig hier, helfe unentgeltlich mit meinen Baggerfahrern. Morgen werden wir weiter schaufeln. Es fehlen noch zehn Meter in die Freiheit.“

Wal vertraut Taucher

Freiwillig und immer wieder war auch Robert Marc Lehmann ins eiskalte Wasser gestiegen. Mit sanftem Druck gegen den Kopf versuchte er zunächst, das Vertrauen des Tieres zu gewinnen. Nachdem dies gelungen war, wies er dem Wal auf dieselbe Weise den Weg in Richtung Freiheit.

Robert Marc Lehmann konnte offenbar das Vertrauen des Wales gewinnen. Dem Meeresbiologen gelang es jedenfalls, den Wal mit sanftem Druck gegen den Kopf in die richtige Richtung zu weisen
Robert Marc Lehmann konnte offenbar das Vertrauen des Wales gewinnen. Dem Meeresbiologen gelang es, den Wal mit sanftem Druck gegen den Kopf in die richtige Richtung zu weisen Foto: Ulrich Perrey/dpa

Und tatsächlich: Nach 18 Uhr stupste einer der Baggerfahrer vorsichtig mit der Schaufel den schätzungsweise 15 Tonnen schweren Bullen an. Der schlug daraufhin mit der Flosse und legte in mehreren Etappen zunächst etwa fünf Meter zurück.

Die Drohnenaufnahme zeigt, wie ein provisorischer Damm aufgeschüttet wird. Der Wal, der mittlerweile weiter am oberen Bildrand festsitzt, soll über diesen noch besser erreicht werden
Die Drohnenaufnahme zeigt, wie ein provisorischer Damm aufgeschüttet wird. Der Wal, der mittlerweile unten links festsitzt, soll über diesen noch besser erreicht werden Foto: privat

Provisorischer Damm zum Wal errichtet

Bis zum Abbruch der Rettungsaktion gegen 20.30 Uhr kam der Wal offenbar weitere 35 Meter voran. Im Morgengrauen wollen die Einsatzkräfte weitermachen. Die Baggerfahrer planen, am Freitag über einen provisorisch fertiggestellten Damm noch näher an das Tier heranzukommen, damit es die letzten zehn Meter in die Freiheit auch noch überwinden kann.

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