Anleger fürchten Zinserhöhungen: Wall Street im Abwärtssog | ABC-Z

Anleger fürchten ZinserhöhungenWall Street im Abwärtssog
26.03.2026, 23:25 Uhr
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Der US-Präsident wird nicht müde zu betonen, dass der Krieg im Nahen Osten bald beendet sei, an der Wall Street ist man inzwischen weniger optimistisch. Die Ölpreise ziehen wieder an und die Angst wächst, dass die nächsten Zinsschritte der Fed nicht nach unten, sondern nach oben gehen könnten.
Die Befürchtung, dass sich der Krieg im Nahen Osten noch länger hinziehen wird, hat die US-Börsen am Donnerstag belastet. Der Dow Jones verlor ein Prozent auf 45.960 Punkte. Der technologielastige Nasdaq gab 2,4 Prozent auf 21.408 Zähler nach und der breit gefasste S&P 500 büßte 1,7 Prozent auf 6477 Stellen ein. Der Nasdaq Composite befindet sich damit offiziell in einer Korrektur: Der Index hat seit seinem Rekordhoch vom 29. Oktober fast elf Prozent an Wert verloren.
Widersprüchliche Signale aus den USA und dem Iran zu den Aussichten auf eine Deeskalation im Nahen Osten hielten die Anleger in Atem. Der Iran signalisierte zuletzt zwar Bereitschaft, einen US-Vorschlag zur Beendigung des Konflikts zu prüfen. Außenminister Abbas Araghtschi betonte jedoch, der Iran führe keine Verhandlungen mit den USA. “Es herrscht einfach große Verwirrung darüber, was wirklich passiert. Verhandelt die Regierung mit dem Iran oder herrscht einfach nur Verwirrung darüber? Das ist der Grund für dieses Hin und Her”, sagte Hank Smith, Anlagestratege bei Haverford Trust.
Investoren gehen davon aus, dass die rasante Ölpreissteigerung die Inflation anheizen und damit Zinserhöhungen auf den Plan rufen könnte. Die Märkte sehen laut dem FedWatch-Tool der CME Group eine 37-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung in den USA bis Dezember, während eine Zinssenkung derzeit als nahezu ausgeschlossen gilt. Nordseeöl Brent verteuerte sich am Donnerstag um 5,4 Prozent auf 107,78 Dollar pro Barrel, US-Öl WTI stieg um 4,6 Prozent auf 94,45 Dollar.
Seit Beginn des Krieges im Nahen Osten sind die Lieferungen durch die Straße von Hormus, über die normalerweise etwa ein Fünftel der weltweiten Rohöl- und Flüssigerdgasversorgung (LNG) transportiert wird, nahezu vollständig zum Erliegen gekommen. Staatsnahe iranische Medien berichten zudem, dass Teheran auch erwägt, über die verbündeten Huthi-Milizen die Meerenge Bab al-Mandeb zu blockieren.
Ein sinkender Goldpreis zog die Aktien von Minenwerten nach unten. Newmont gaben um 2,1 Prozent nach, Sibanye Stillwater verloren 4,6 Prozent und Harmony Gold büßten 4,2 Prozent ein. Steigen die Zinsen, erscheint Gold für viele Investoren weniger attraktiv, da das Edelmetall keine laufenden Erträge abwirft.
Plattformbetreiber nach Urteil unter Druck
Die Betreiber von Social-Media-Plattformen geraten nach den jüngsten US-Urteilen wegen mangelnden Jugendschutzes und fehlender Suchtprävention unter die Räder. Aktien der Facebook-Mutter Meta, des Snapchat-Betreibers Snap, des Online-Forums Reddit und des Internet-Konzerns Alphabet fielen zwischen 4,2 und 10,6 Prozent. Eine Jury verhängte Millionenstrafen gegen Alphabet und Meta, weil das Design der jeweiligen Plattformen suchtfördernd sei. In einem weiteren Verfahren sah es ein Gericht als erwiesen an, dass Meta Verbraucher über die Sicherheitsmechanismen von Facebook, Instagram und WhatsApp getäuscht und die sexuelle Ausbeutung von Kindern begünstigt habe. “Weitere Verurteilungen könnten sich zu Prozesskosten und Strafzahlungen in Milliardenhöhe summieren”, sagte Ken Mahoney, Chef des Vermögensverwalters Mahoney.
Aktien von Brown-Forman sprangen um 9,6 Prozent nach oben. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, der französische Spirituosenkonzern Pernod Ricard prüfe eine Übernahme des US-Konkurrenten. Zu den bekanntesten Marken von Brown-Forman gehören “Jack Daniel’s” und “Southern Comfort”. Olaplex-Aktien schossen um 51,1 Prozent in die Höhe. Der Konsumgüterhersteller Henkel bietet 2,06 Dollar pro Olaplex-Aktie – das entspricht einem Gesamtwert von 1,4 Milliarden Dollar. Positive Studiendaten für ein Augenmedikament verursachten eine Kursexplosion bei Kodiak Sciences. Die Aktien des Medikamentenentwicklers stiegen um 74,8 Prozent.
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