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UN-Resolution zu Sklavenhandel: „Schwerstes Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ | ABC-Z

Die UN-Generalversammlung hat am Mittwoch eine als wegweisend betrachtete Resolution angenommen, die den transatlantischen Sklavenhandel als „schwerstes Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ anerkennt. Mit Ja stimmten 123 Staaten, drei votierten mit Nein und 52 enthielten sich. Das Datum hätte symbolischer nicht sein können. Der 25. März ist der Internationale Tag zum Gedenken an die Opfer der Sklaverei und des transatlantischen Sklavenhandels.

Bei der Einstufung als „schwerstes Verbrechen“ verweist die Resolution auf mehrere zentrale Aspekte: den enormen Umfang und die jahrhundertelange Dauer des transatlantischen Sklavenhandels, seinen systematischen Charakter sowie eine besondere Brutalität.

Ausschlaggebend seien zudem die bis heute anhaltenden Folgen, da rassistisch geprägte Arbeits-, Eigentums- und Kapitalverhältnisse weiterhin globale gesellschaftliche Strukturen beeinflussen, wie der ghanaische Menschenrechtsanwalt Oliver Barker-Vormawor gegenüber der taz erklärte.

Anders als die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats sind jene der Generalversammlung zwar nicht rechtsverbindlich, gelten aber als guter Gradmesser für die globale Stimmung zu bestimmten Themen. „Das Ergebnis wird als bedeutender Schritt gesehen, um zumindest die Tür für Gespräche zu öffnen, die lange nicht geführt wurden“, so Barker-Vormawor, der an der Ausarbeitung beteiligt war.

Anhaltende Spannungen

Die von Ghana eingebrachte Resolution fordert unter anderem dazu auf, eine Entschuldigung für den Sklavenhandel in Erwägung zu ziehen und konkrete Schritte zur Wiedergutmachung zu unternehmen. Dazu können finanzielle Entschädigungen, Schuldenerlasse, Entwicklungshilfe sowie die Rückgabe geraubter Kulturgüter gehören.

Während das Ergebnis eindeutig ausfiel, verdeutlichte die Abstimmung jedoch auch die anhaltenden Spannungen im Umgang mit historischer Verantwortung: Während sie breite Unterstützung von den Mitgliedstaaten der Afrikanischen Union sowie den Karibikstaaten erhielt, waren es vor allem westliche Länder, die sich enthielten oder dagegen stimmten – darunter sämtliche 27 EU-Mitgliedsstaaten und Ghanas ehemalige Kolonialmacht Großbritannien.

Ghanas Präsident John Dramani Mahama bei seiner Rede in der UN-Vollversammlung



Foto:
Bianca Otero/Zuma Press/imago

Als Begründung wurde unter anderem die Formulierung „schwerstes Verbrechen“ angeführt. Diese erschaffe eine Hierarchie, die Sklavenhandel über andere Verbrechen wie Völkermord stelle. Unklar sei auch, wer der Empfänger der „Wiedergutmachungsgerechtigkeit“ sein solle. Zudem bestehe kein Rechtsanspruch auf Wiedergutmachung für historische Ungerechtigkeiten, die, als sie begangen wurden, nach internationalem Recht nicht als illegal galten.

Laut Barker-Vormawor geht es bei der Resolution jedoch nicht darum, historisches Leid gegeneinander aufzuwiegen – darin eingeschlossen auch die Debatte um die Versklavung afrikanischer Menschen durch arabische Händler –, sondern blinde Flecken sichtbar zu machen.

Dunkles Zeitalter

Zwischen 1500 und 1800 wurden etwa 12 bis 15 Millionen Menschen in Afrika gefangen genommen und nach Amerika und in die Karibikstaaten verschleppt, um dort als Sklaven ausgebeutet zu werden. Schätzungen zufolge starben mehr als 2 Millionen Menschen allein auf der langen Überfahrt.

Das heutige Ghana war eines der am stärksten vom transatlantischen Sklavenhandel betroffenen Regionen Westafrikas. Noch heute zeugen unzählige Sklavenforts entlang der ghanaischen Küste von dem dunklen Zeitalter.

Seit einigen Jahren treibt das westafrikanische Land die Aufarbeitung aktiv voran. So rief Ex-Präsident Nana Akufo-Addo 2018 die afrikanische Diaspora ausdrücklich dazu auf, den Kontinent zu besuchen und sich mit seiner Geschichte auseinanderzusetzen.

Daraus entstand die Initiative „Year of Return“, die 2019 an den 400. Jahrestag der Ankunft der ersten dokumentierten versklavten Afrikaner im heutigen US-Bundesstaat Virginia erinnerte. Mit der Kampagne verbindet Ghana historisches Gedenken mit einer politischen Botschaft: Die Vergangenheit des transatlantischen Sklavenhandels soll auch als Ausgangspunkt für neue Verbindungen zwischen Afrika und der Diaspora genutzt werden.

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