Bosch-Siemens Haushaltsgeräte: Stellenabbau in Deutschland – Wirtschaft | ABC-Z

Das Dessert steht in Flammen. Ein Koch flambiert die Crème brûlée, während Rudolf Klötscher über die Zukunft von Bosch-Siemens Haushaltsgeräte (BSH) spricht. Er lässt sich von dem Spektakel nicht ablenken. Vor ihm sitzen Medienvertreter und Mitarbeiter, hinter ihm glänzt eine Vorzeigeküche. Es ist ein Abend, an dem ein Hausgerätekonzern Zuversicht verkaufen will. Und doch kreist fast jedes Wort um Krise.
„Es ist, wie wenn man in Wolken hineinfliegt: Es ruckelt“, sagt Klötscher, der bei BSH zuständig ist für Europa und die Schwellenländer. Ein schwieriger Immobilienmarkt, harte Konkurrenz aus China, schwache Konjunktur. Die Diagnose des Managers fällt hart aus. Europa wachse kaum noch, sagt er. Gerade im unteren und mittleren Bereich werde es immer schwerer, in Europa wettbewerbsfähig zu produzieren. Der Preis spiele für viele Kunden eine immer größere Rolle, das könne man mit Produkten aus Europa nicht unbedingt bedienen. Trotzdem läuft nicht alles schlecht, denn „das Gute dabei ist, dass jede Wolke nicht nur einen Eingang hat, sondern auch immer einen Ausgang“, sagt Klötscher.
Mit Marken wie Bosch, Siemens, Neff und Gaggenau hat BSH seinen Umsatz im vergangenen Jahr zwar stabil gehalten und währungsbereinigt sogar leicht gesteigert. Wichtigste Wachstumsmärkte sind Nordamerika und die Schwellenländer, in denen vor allem die Luxusmarken Gaggenau und in Nordamerika Thermador gut liefen. Auch Europa bleibt stabil. Lediglich in China sieht es düster aus mit einem Umsatzminus von 3,2 Prozent in lokaler Währung. Trotzdem werden in Deutschland weiter Stellen und Werke abgebaut: In den kommenden Jahren sollen weltweit 3500 Jobs wegfallen, der Großteil davon in Westeuropa. Besonders hart trifft es Deutschland: Im baden-württembergischen Bretten und in Nauen in Brandenburg schließt BSH zwei Werke, dort sollen bis 2028 mehr als 1400 Jobs verschwinden. Ein harter Schlag für die Regionen und die Angestellten dort.
Das Wachstum kommt aus den USA, China und anderen aufstrebenden Ländern
In Bretten begründet der Vorstand die Schließung mit sinkender Nachfrage. Dort werden Öfen und Dunstabzugshauben produziert. Gerade Dunstabzugshauben gelten als rückläufiges Produkt, weil in vielen neuen Küchen der Abzug inzwischen direkt ins Kochfeld wandert, erklärt die Geschäftsführung. Die Öfen wiederum könnten auch an anderen Standorten gefertigt werden, etwa in Traunstein in Bayern. Aus Sicht des Managements ist das eine Frage von Auslastung und Effizienz. Die Standorte seien langfristig einfach nicht rentabel genug. Aus Sicht von Betriebsrat und IG Metall ist es die Schließung eines Standorts, der keineswegs am Boden liegt. Sie haben angekündigt Berater des Ifo-Instituts an Bord zu holen, um eine Strategie zu entwickeln, wie der Standort gerettet werden kann.
Am Morgen nach dem Dinner steht BSH-Chef Matthias Metz vor laufendem Livestream und einer Schar Journalisten. Die jährliche Pressekonferenz steht an, Metz spricht von den Erfolgen und erreichten Zielen, aber auch von schwierigen Entscheidungen. Er sagt: „Wenn sich Unternehmen nicht verändern, erleiden sie Schiffbruch.“ Er meint damit die Entscheidung, die Werke in Bretten und Nauen dichtzumachen. Die Unternehmensführung stehe immer noch hinter der Entscheidung und wolle sie auch weiter durchziehen, sagt der Vorstand.
Europa bleibe wichtig, das schon, aber vor allem für den Umsatz, den es jetzt schon erwirtschaftet. Wachstum werde es hier aber eher nicht geben, sagt BSH-Manager Klötscher. Das soll künftig aus den USA, aus China und den Schwellenländern kommen. Die Zeit der Exporte aus Fabriken in Europa scheint aber vorbei. Produziert werden soll besser dort, wo auch verkauft wird. „India for India“, „China for China“ oder eben „Deutschland für Deutschland“.
Für die deutschen Standorte ist das eine schlechte Nachricht. Denn wenn das Geschäft hier stagniert und billige Modelle anderswo günstiger hergestellt werden können, geraten vor allem die Werke unter Druck, die Produkte für einen preissensiblen Markt bauen. Das bestätigen der SZ auch große Händler wie XXXL Lutz und Segmüller. Dort heißt es, die Kunden bevorzugten zwar grundsätzlich deutsche Produkte – aber der Preis treibe sie dann doch oft zu asiatischen Herstellern.
Das weiß man auch bei BSH. Für Europa und Deutschland heißt das vor allem: weg von der Hoffnung auf starkes Wachstum, hin zu einem Geschäftsmodell, das sich in stagnierenden Märkten mit einem positiven Image behaupten kann. Und zugleich näher an den Wachstumsmärkten zu produzieren – und dort zu sparen, wo die Kosten hoch und die Erwartungen eher niedrig sind. Also hier.





















