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Münsing: Wie Bürgermeister Michael Grasl seine letzten Tage im Amt erlebt – Bad Tölz-Wolfratshausen | ABC-Z

Eine Videokonferenz um neun Uhr mit Vertretern des Landratsamts zum Hochwasserschutz in Ammerland, den die Gemeinde seit Jahren trotz Planfeststellungsbeschlusses nicht umsetzen kann. Konflikte um die öffentliche Nutzung des Vereinsheims. Der künftige Bebauungsplan für ein Gewerbegebiet an der Angerbreite in Degerndorf. Der Mobilfunk. Noch eine Vernissage für eine Ausstellung im Bürgerhaus. Kreistags- und weitere Verbandssitzungen.

Wenn Münsings Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wähler) von den letzten Wochen seiner Amtszeit berichtet, klingt die Termin- und Aufgabenliste so voll wie immer. „Es meinen viele, ich wäre jetzt schon fertig“, sagt der 58-jährige. „So nach dem Motto, jetzt hast du es ja geschafft. Aber ich sage immer, es geht bis 30. April.“

Der letzte Apriltag, der in diesem Jahr auf einen Dienstag fällt, wird Grasls definitiv letzter Arbeitstag als Münsinger Rathauschef nach etwas mehr als 21 Jahren sein. Das hat er bereits 2019 angekündigt und bereut diesen Schritt keinesfalls. „Ich habe kein Problem loszulassen“, sagt Grasl. Gremienarbeit zu leisten, die Verantwortung zu tragen, Sitzungen zu moderieren und divergierende Interessen auszugleichen, koste Kraft. Und: „Die Kraft hat man mit fast 59 nicht mehr so wie mit 37.“

Das Büro des noch amtierenden Rathauschefs im neuen Bürgerhaus wirkt dennoch aufgeräumt. Von den wenigen Bildern, die an der Wand hängen, ist keines mehr privat. Grasl spricht von ausgemisteten Akten, die mittlerweile digital vorhanden seien. Gleichzeitig hat er eine Art Lexikon mit relevanten Informationen über wichtige Persönlichkeiten der Kommune von ehemaligen, inzwischen gestorbenen Gemeinderäten bis zu Künstlern und Prominenten für seinen Nachfolger zusammengestellt.

Grasl will sich so unspektakulär verabschieden, wie er gekommen ist

Es ist eine Art Nachlass, obwohl Grasl, wie er betont, um seine Amtszeit kein großes Brimborium machen möchte. „Ich würde mich gerne, das ist ein Wunsch von mir, so unspektakulär verabschieden, wie ich gekommen bin.“ 2005 setzte sich Grasl in der Wahl als Bürgermeister durch, nachdem sich Vorgänger Franz Ertl aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen hatte. „Da hieß es, nächster Tag ist Ihr Dienstbeginn. Von null auf hundert ohne Anlaufzeit.“ Zu dem Zeitpunkt arbeitete Michael Grasl noch als Bauamtsleiter im Rathaus von Schäftlarn.

Ohne viel Einarbeitung einfach losstarten zu können, sei auch eine Frage des Alters, meint der Bürgermeister. Als er anfing, gab es im Büro des Rathauschefs im einstigen Verwaltungsgebäude aus den 1970er-Jahren nicht einmal einen Computer. Am Schreibtisch, der ziemlich leer und aufgeräumt gewesen sei, stand ein Telefon. Zu Beginn der Amtszeit habe die Kommune eher konzeptionell gearbeitet, unter anderem ein Leitbild und einen Rahmenplan für das Seeufer erarbeitet. „Von beidem haben wir profitiert.“

Strittige Bauvorhaben habe es aber schon immer gegeben, weiß Grasl. Gleichzeit brauche es einen faireren Umgang. Wirklich getroffen habe ihn, so räumt der Rathauschef ein, dass manche behaupteten, mit dem Mobilfunkstandort am Kammerloh habe er sich ein Denkmal setzen wollen. „Ich brauche kein Denkmal“, sagt der scheidende Bürgermeister. „Das ist mir völlig fremd.“

Michael Grasl spielt leidenschaftlich Tuba in der Holzhauser Blaskapelle. Die Musik soll bald wieder eine größere Rolle in seinem Leben spielen. Manfred Neubauer

Das Schöne nach dem Ende der Amtsperiode als Rathauschef wird laut Grasl, nichts mehr tun zu müssen, sondern nur noch zu dürfen. Denn ein Bürgermeister könne im Grunde an allen sieben Tagen der Woche auf Veranstaltungen und bei Versammlungen zugegen sein. Er selbst sei eine Periode ehrenamtlich für die Kreissparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen tätig und neun Jahre Sprecher der Bürgermeister im Landkreis gewesen. „Da kommt man an seine Grenzen.“

So haben die Belastungen aus mehr als zwei Jahrzehnten ihre Spuren hinterlassen. Grasl spricht davon, dass er sich im vergangenen Winter mit Erkältungen, Schlaflosigkeit und Magenbeschwerden herumgeschlagen habe. Im Mai brauche er daher erst einmal eine Pause, auch um sich gesundheitlich zu stabilisieren. Dann werde er über den Sommer überlegen, in welche Richtung er sich beruflich orientieren wolle. So in die Vollen wie als Bürgermeister werde aber nicht mehr gehen, erklärt er. Die Musik – Grasl spielt unter anderem Tuba in der Holzhauser Musikkapelle – werde wieder eine größere Rolle in seinem Leben spielen. Außerdem wolle er als Großvater mehr Zeit mit der Familie verbringen.

Vermissen werde er die Zusammenarbeit mit seinem Team im Rathaus, sagt Grasl. Gleichzeitig freue er sich darüber, nicht mehr aktiv im Wahlkampf mitmischen zu müssen.

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