Delivery Hero Großaktionär fordert Abgnag von Vorstandschef Niklas Östberg – Wirtschaft | ABC-Z

Bei der Lieferdienstfirma Delivery Hero gibt es mächtig Ärger. Ein Großaktionär, die Finanzfirma Aspex, schießt sich auf Vorstandschef und Firmengründer Niklas Östberg ein. In einem Brief an den Aufsichtsrat des Berliner Essenslieferdienstes fordert der Hongkonger Vermögensverwalter einen „großangelegten Vorstandsumbau“. Auch Östberg müsse gehen. Der langjährige Vorstandschef arbeite nicht im Interesse der Aktionäre. „Viele Anteilseigner, uns eingeschlossen, haben das Vertrauen verloren, dass Niklas Östberg fähig und willens ist, Maßnahmen einzuleiten, um den Niedergang des Unternehmens zu stoppen und Wert für die Aktionäre zu schaffen“, heißt es in dem Brief.
Delivery Hero teilte auf Anfrage mit, man nehme das Schreiben von Aspex zur Kenntnis. „Wir treiben die strategische Überprüfung voran.“ Das Unternehmen hatte dies auf Druck von Aktionären im Dezember angekündigt. Aspex kritisiert auch Östbergs Führungsstil. Der Delivery-Hero-Chef zögere mit dem Verkauf von Unternehmensteilen, den Aspex gefordert hatte. „(Er) scheint mehr
von seinem persönlichen Ehrgeiz als Gründer eines der Vorgängerunternehmen getrieben zu sein“, heißt es in dem Brief.
Die Aktie hat in vier Jahren massiv an Wert verloren
Östbergs Vertrag war Anfang des Jahres bis 2029 verlängert worden. Die Aktie hat in gut vier Jahren mehr als drei Viertel ihres Wertes verloren. Die juristischen Themen, mit denen Delivery Hero mehr als alle anderen Lieferdienste konfrontiert sei, seien anders, als Östberg behaupte, nicht gelöst, kritisiert Aspex. In Spanien und Italien etwa gibt es juristische Auseinandersetzungen darüber, ob die dortige Tochter Glovo ihre Fahrer fest anstellen muss oder nicht. Bis Mitte 2025 habe Delivery Hero 375 Millionen Euro an Strafen gezahlt und 618 Millionen Euro für Strafen und Prozesskosten zurückgestellt. Der Investor forderte den Aufsichtsrat auf, Vorstände zur Rechenschaft zu ziehen, deren Handeln zu den Strafen geführt habe. Auf der diesjährigen Hauptversammlung wolle Aspex eigene Kandidaten für den Aufsichtsrat zur Wahl stellen.
Aspex hatte sich vor gut einer Woche bereits an den Vorstand um Östberg selbst gewandt und einen Rückzug aus ganzen Regionen gefordert. Am Montag hatte Delivery Hero den Verkauf der Tochter Foodpanda Taiwan an den Rivalen Grab für 600 Millionen Dollar angekündigt. Das reiche aber nicht aus, erklärte Aspex. Dass der Verkauf deutlich weniger eingebracht habe als der erste Anlauf vor zwei Jahren, zeige nur den Wertverfall von Foodpanda, seit Delivery Hero daran beteiligt sei. Den Versuch, die Tochter an Uber Eats für 950 Millionen Dollar zu verkaufen, hatten die Kartellbehörden vereitelt. Östberg betonte bei der Telefonkonferenz anlässlich des Grab-Deals, der Verkauf von Foodpanda Taiwan sei der erste Schritt der strategischen Überprüfung.
Aspex ist nach eigenen Angaben seit 2020 an Delivery Hero beteiligt und nach LSEG-Daten mit rund neun Prozent der drittgrößte Aktionär hinter der Internetholding Prosus (knapp 27 Prozent) und der Fondssparte der Bank Goldman Sachs. Prosus muss allerdings nach der Übernahme des Konkurrenten JustEat Takeaway gemäß den Auflagen der EU seine Beteiligung bis zum Herbst auf weniger als zehn Prozent reduzieren, die Stimmrechte liegen bei
einem Treuhänder.





















