Gesundheitsamt München: Eine Behörde fürs ganze Leben – Landkreis München | ABC-Z

Die Corona-Pandemie hat Spuren hinterlassen. Viele Menschen leiden bis heute unter den Folgen, trauern um Verstorbene oder hadern mit dem, was an Maßnahmen zur Eindämmung verhängt worden ist. Und immer wieder stößt man auf Relikte aus der Zeit. Wie zum Beispiel die Plexiglasscheibe am Empfang des Münchner Landratsamts am Mariahilfplatz.
Dort steht am Schalter bis heute eine dieser Infektionsschutzvorrichtungen, wie sie bis Ende 2022 allgegenwärtig waren. Als hätte jemand vergessen, sie abzubauen. Auf eine kurze Frage hin gibt die Frau am Empfang gerne Auskunft. Zum Tag des offenen Gesundheitsamts? Da geht es die Treppe hoch, dann rechts, in den Bauteil N in den Bereich 120.
Dort zeigt die Behörde, die die größte Gesundheitskrise des noch jungen 21. Jahrhunderts im Landkreis München gemanagt hat, an diesem Tag die Bandbreite ihrer Aufgaben. Stände sind aufgebaut. Man ist auf interessierte Besucher eingestellt – Menschen, die vielleicht wissen wollen, was diejenigen, die damals oft ad hoc nach ministeriellen Beschlüssen Infektionsschutzmaßnahmen verkündet haben, sonst so machen. Gleich am Eingang zum Behördentrakt kommt Joachim Weisner vom Stand, an dem groß auf einer Tafel „Schwanger !?“ steht, auf den Eintretenden zu und fragt: „Darf ich Sie auf ein Quiz einladen?“ Ja, ja, reagiert Weisner auf das Zögern. Es gehe nicht nur um Schwangerschaft. Männer seien selbstverständlich auch gemeint. Man biete Sexualberatung an, und berate auch zur Verhütung und Sterilisation beim Mann.
Das Gesundheitsamt deckt eine ganze Bandbreite an Aufgaben ab. Melanie Hörl etwa koordiniert 14 Hospiz- und Palliativdienste im Landkreis München. „Das ist eine Besonderheit im Landkreis München“, sagt sie. So viele lokale Initiativen gebe es anderswo nicht. In vielen Landkreisen existiere vielleicht ein Verein oder es gebe zwei, dafür gebe es in Freising und Germering stationäre Hospize. In den vergangenen 20 Jahren seien zahlreiche Vereine entstanden und bildeten heute ein flächendeckendes Hilfenetz: sehr wertvoll für Sterbende und deren Angehörige.
Erst kürzlich hat der Hospizkreis Ottobrunn bekannt gegeben, nun auch Menschen in Sauerlach zu begleiten. Ehrenamtliche, Ärzte, Fachkräfte arbeiten eng zusammen. „Eine Vernetzung ist in dem Bereich sehr, sehr wichtig“, sagt Melanie Hörl von der Arge Hospiz, die von 18. April an eine Aktionswoche mit vielen Vorträgen organisiert.
Ulrike Gernold hat den während der Pandemie zuständigen und in den Ruhestand verabschiedeten Amtsleiter Gerhard Schmid abgelöst und führt jetzt die Gesundheitsbehörde. „Wir decken so ein breites Spektrum ab – von der Schwangerschaft bis zum Tod“, sagt sie. Eigentlich reiche es sogar darüber hinaus. Das Amt prüfe Todesbescheinigungen und gebe Meldungen, etwa an das Krebsregister, weiter. „Gesundheit ist die Basis für alles“, sagt sie. Besonders deutlich sei das in der Corona-Pandemie geworden. Das Krisenmanagement habe damals gezeigt, was das Amt leisten könne, aber auch Grenzen sichtbar gemacht. „Natürlich haben wir viel gelernt“, sagt Gernold. Ein eigens eingerichtetes Team arbeite inzwischen an Krisen- und Notfallplänen, auch mit Blick auf mögliche neue Gesundheitskrisen. Blaupausen gebe es nicht, sagt sie. „Jede Pandemie ist anders.“

Mehtap Timur-Dirnberger leitet das Sachgebiet Gesundheitsschutz. Corona fällt somit in ihr Ressort. „Ich habe selbst drei Kinder, die das alles mitgemacht haben“, sagt sie. Infektionsherde zu bekämpfen, das ist ihr Kernthema. An einem Kasten mit Schwarzlicht zeigt sie, wie sichtbar wird, wo nach dem Händewaschen noch Bakterien oder Viren haften können. „Das A und O der Krankenhaushygiene ist Händewaschen.“ Sie ist überzeugt, dass viele Menschen durch Corona vorsichtiger geworden sind, und sich bestimmte Routinen dauerhaft eingeprägt haben. Das Tragen von Masken sei nichts Ungewöhnliches mehr, sagt sie. Manche Ärzte – auch im Gesundheitsamt – arbeiteten weiterhin mit Plexiglas-Schutzscheiben. Solche, wie sie am Empfang am Eingang zum Landratsamt stehen.
Amtsleiterin Gernhold holt aus, um die vielen Aufgaben ihrer Mitarbeiter zu beschreiben. Dazu gehöre etwa die Überwachung von Apotheken, sagt sie – auch in Krankenhäusern oder Pflegeheimen. Zudem nehme das Amt die Heilpraktiker‑Überprüfung ab, eine Voraussetzung, um in diesem Beruf arbeiten zu dürfen. Die Behörde biete kostenlose anonyme HIV-Tests an, kümmere sich um Prävention, fungiere als Kompetenzzentrum, und Kontrollinstanz. Sie sei immer dann gefragt, wenn mit Kampagnen oder Programmen gesundheitsfördernde Maßnahmen greifen sollen.
Mehtap Timur-Dirnberger kümmert sich auch um die Impfpflicht für Kinder, die Betreuungseinrichtungen besuchen. Seit September 2025 ist der Landkreis München Teil des landesweiten Programms „Gesundheitsregion plus“, das ein gesundes Leben fördern und Akteure aus Gesundheit, Pflege, Sozialem und Bildung vernetzen soll.

Mitarbeitende des Gesundheitsamts sind an Schulen unterwegs – mit Sexualaufklärung ab den achten Jahrgangsstufen und mit Programmen zur Suchtprävention. Andere, wie Susanne Schön, überprüfen Kinder bei der Einschulung. Sie ist Fachkraft im Bereich Sozialmedizin und bietet an dem Demonstrationstag Seh- und Hörtests an, bei denen man unter anderem erfährt, ob man beim räumlichen Sehen Defizite hat. Auch Ernährungsberaterinnen und ‑berater gehören zum Team des Gesundheitsamts.
Pia Fischer zeigt an einem Demenzparcours, wie sehr sich bei Betroffenen der Alltag verändert. Mit dicken Handschuhen sollen die Besucher versuchen, einen Kittel zuzuknöpfen. Beim SV-DJK Taufkirchen gibt sie Fitness- und Bewegungskurse für Menschen mit körperlichen Einschränkungen oder Demenz. Mitarbeiter kontrollieren die Qualität des Trinkwassers und untersuchen Badeseen auf Keime. Zudem kümmern sie sich um die Bekämpfung der aus Asien eingeschleppten Tigermücke. Bisher wurden sechs Exemplare im Landkreis entdeckt – zwei in Oberhaching und vier in Ismaning. Im Jahr 2025 stellte das Amt elf Fallen auf und rief Bürgerinnen und Bürger dazu auf, bei Verdacht mögliche Funde zu melden.
Hospiz-Koordinatorin Hörl lädt Besucher und Besucherinnen an ihrem Stand ein, auf einen Zettel zu schreiben, was ihr letzter Wunsch vor ihrem Tod wäre. Auffällig viele entscheiden sich für eine Reise. In solchen Fällen, erklärt Amtsleiterin Gernhold, sei etwa eine Bestätigung notwendig, dass von Patientinnen oder Patienten über die Grenze mitgenommenes Cannabis zur Schmerztherapie dient. Eine kleine Randthematik zwar – aber notwendig, damit es bei der Grenzkontrolle keine Probleme gibt.





















