Live-Daten zum Spritpreise-Anstieg: Benzin und Diesel | ABC-Z

Live-Daten zu Benzin und DieselSo reagieren die Kraftstoffpreise
23.03.2026, 09:28 Uhr
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Der Krieg im Iran führt in Deutschland zu spürbaren Verwerfungen: Die Preise für Benzin und Diesel ziehen kräftig an. Wie bewegt sich der Ölpreis an den Weltmärkten? Die wichtigsten Daten im Überblick.
Schock für Verbraucher: An den deutschen Tankstellen sind die Kraftstoffpreise seit Beginn der Angriffe im Iran zwölf Tage in Folge gestiegen. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt kostete ein Liter Superbenzin der Sorte E10 in der Spitze knapp 2,05 Euro – gut 30 Cent je Liter mehr als vor Beginn des Krieges in der Golf-Region. Der Liter Diesel kletterte zeitweise sogar bis auf 2,19 Euro. Damit lag der Dieselpreis um gut 47 Cent je Liter über dem Niveau von Ende Februar.
Immerhin: Eineinhalb Wochen nach Kriegsbeginn zeichnete sich eine erste Abschwächung ab. Die Preise für Benzin und Diesel geben an den Zapfsäulen in Deutschland bisher allerdings nur langsam nach. Wie reagieren die Kraftstoffpreise auf die geopolitische Lage? Aktuelle Daten aus den Beständen der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K) im Bundeskartellamt machen die Bewegungen nachvollziehbar. Erkennbar wird, wie stark sich die Preise für Benzin der Sorten E5 und E10 sowie für Diesel im bundesweiten Durchschnitt seit Jahresbeginn verändern.
Hinweis: Die Daten zur Entwicklung der Kraftstoffpreise werden laufend aktualisiert.
Die Nervosität ist groß, die Lage dramatisch: Neuerliche Drohungen in der Straße von Hormus schüren die Sorge, dass der Krieg gegen den Iran länger andauern könnte als erwartet. Wichtige Abnehmerländer wie etwa Japan, Südkorea und vor allem China beziehen große Anteile ihrer Energieimporte aus der Golfregion.
Hinweis: Alle aktuellen Ereignisse im ntv Liveticker zum Iran-Krieg
Eine Ausweitung des Iran-Kriegs mit brennenden Raffinerien in Saudi-Arabien, Katar, den Emiraten und Bahrain, Drohnenangriffe auf Tanker und die anhaltende Seeblockade an der Einfahrt zum Persischen Golf haben die Rohstoffmärkte ins Chaos gestürzt. Rohöl der Nordseesorte Brent verteuerte sich zu Beginn der zweiten Kriegswoche auf bis zu 98,96 US-Dollar je Barrel. Mitte März kostete das Fass Rohöl im US-Handel sogar deutlich mehr als 100 Dollar.
Indirekt verteuern sich durch die Verknappung am Weltmarkt auch die für Deutschland entscheidenden Rohstoffpreise – mit allen volkswirtschaftlichen Konsequenzen für Transport-, Energie und Produktionskosten. Der Gasoil-Future zum Beispiel, der als Terminkontrakt für die Region Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam die Richtung für den gesamten europäischen Diesel-Markt vorgibt, schnellte in den ersten Kriegstagen steil nach oben.
Auslöser waren iranische Vergeltungsschläge, bei denen in den ersten Kriegstagen unter anderem auch die größte Raffinerie Saudi-Arabiens am Standort Ras Tanura getroffen wurde. Ähnliche Angriffe meldeten Beobachter auch aus Bahrain, Katar, Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Empfindlich spürt der Rohstoffmarkt jedoch vor allem auch die Blockade der Straße von Hormus. Über diese Meerenge läuft der Löwenanteil der Rohstoffexporte aus den Golf-Staaten.
Alternativen gibt es kaum: Saudi-Arabien verfügt mit der Ost-West-Pipeline zwar eine Ausweicheroute über Land. Der Öltransport durch die Pipelinie-Röhren quer über die Arabische Halbinsel in Richtung Rotes Meer kann die Tanker-Kapazitäten allerdings kaum ersetzen. Dafür reichen die Kapazitäten der Anlage nicht aus.
Beim Gasoil-Future zeigt sich, wie eng das Netz der weltweiten Handelsbeziehungen mittlerweile verwoben ist: Die Nachfrage nach Diesel übersteigt in Europa die Produktionskapazitäten. Händler kaufen daher Diesel-Kontingente aus anderen Weltregionen an, die europäischen Raffinerien exportieren dafür Benzin.
Abgerechnet wird beim Diesel-Vorprodukt Gasoil in US-Dollar je 100 Tonnen schwefelarmes Gasoil. Binnen weniger Tage nach Kriegsbeginn kletterte die Gasoil-Notierung von einem Niveau bei rund 750 Dollar Ende Februar auf bis zu 1166 Dollar zu Wochenbeginn.
Schwankungen im Preis sind im Rohstoffhandel eigentlich an der Tagesordnung: Die Märkte reagieren üblicherweise schon in alltäglichen Situationen sehr sensibel auf das Auf und Ab der Konjunkturdaten, politische Signale oder konkretere Absatzprognosen.
Eine Unterbrechung der Handelsströme in einem Ausmaß wie aktuell am Golf versetzt die Welt der Händler jedoch komplett in den Ausnahmezustand: Wie werden die von fossilen Energieträgern abhängigen Industriestaaten reagieren? Wann werden die Spritpreise in Deutschland wieder dauerhaft sinken? Was heißt das für die deutsche Wirtschaft, den privaten Konsum, die Verbraucherpreise?
In ersten Reaktionen kündigte die Bundesregierung eine stärkere Regulierung bei den Tankstellenpreisen an. Zusammen mit anderen Staaten gibt Deutschland zudem einen Teil der strategischen Ölreserven frei. Tatsächlich gibt es bei den Kraftstoffen auch auf der Ebene der Verbraucher erste Anzeichen für eine mögliche Trendwende: Der scharfe Preisanstieg der vergangenen Tage kam in der Mitte der zweiten Kriegswoche zum Erliegen.
Mit Argusaugen achten Autofahrer und auch Kartellwächter darauf, in welchem Umfang die großen Tankstellenketten die Preissenkungen im Großhandel an die Verbraucher weitergeben. Unabhängig von den bekannten Bewegungen im Tagesverlauf müssten die laufend berechneten Durchschnittspreise in Deutschland auch im mehrtägigen Vergleich wieder nachgeben.
Und: Die Preise für Benzin und Diesel an den Zapfsäulen bewegen sich derzeit zwar auf ähnlichen Niveaus wie in den ersten Monaten nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022. Von den Rekorden kurz nach dem damaligen Kriegsausbruch sind sie aber noch ein gutes Stück entfernt. Der Preis für Diesel zum Beispiel hatte sein bisheriges Allzeithoch am 10. März 2022 markiert, als der Liter im Schnitt bei 2,321 Euro lag. Super E10 stieg am 14. März 2022 zeitweise auf bis zu 2,203 Euro.
Der starke Preisanstieg an den Tankstellen trifft die Bevölkerung auf breiter Front. Die überwiegende Mehrheit der Fahrzeugbesitzer bekommt die Bewegungen beim Tanken von Benzin oder Diesel zu spüren. Nur ein Bruchteil der in Deutschland zugelassenen Pkw kommt bislang komplett ohne fossile Energieträger aus. Der Anteil der reinen Elektro-Pkw lag den Angaben aus dem Kraftfahrt-Bundesamt zufolge im vergangenen Jahr bei rund 3,3 Prozent.
Mit den eingeleiteten Gegenmaßnahmen schien sich die Lage am Rohölmarkt vorübergehend zu entspannen. Entscheidend für die weiteren Entwicklungen dürfte jedoch der Kriegsverlauf am Golf sein. Ohne ein schnelles Ende der US-amerikanischen und israelischen Bombardierungen dürfte der Iran die Angriffe auf die Öl-Infrastruktur der Nachbarstaaten fortsetzen.
Noch vollkommen unklar ist, ab wann die Meerenge von Hormus für die zivile Schifffahrt wieder passierbar ist. Die strategischen Reserven China, Indiens und Europas sind begrenzt. Der Ölmarkt, so sieht es aus, bleibt wohl weiter massiv unter Druck.




















