Mehrere Tausend Menschen auf Demo gegen sexualisierte digitale Gewalt – Kultur | ABC-Z

Mehrere tausend Menschen haben in Berlin an einer Demonstration „Gegen sexualisierte digitale Gewalt – Solidarität mit allen Opfern“ teilgenommen. Sie versammelten sich am Nachmittag am Brandenburger Tor auf dem vollständig gefüllten Pariser Platz. Auf Plakaten stand: „Die Scham muss die Seiten wechseln“, „Mein Körper gehört mir – auch digital“ und „Kein Consent, kein Content“.
Zur Demo hatte die Schauspielerin Collien Fernandes via Instagram aufgerufen. „Lasst uns laut sein und laut bleiben“, forderte sie. „Lasst uns Licht in das Dunkelfeld bringen!“ Die Veranstalter, das neu gegründete Bündnis „Feminist Fight Club“, sprachen von 13 000 Menschen. Die Polizei schätzte die Zahl auf 6700.
Von Fernandes wurde auf der Demo schließlich eine Stellungnahme vorgelesen, in der sie sich für die Solidarität bedankte und in der es hieß: „Sexualisierte und digitale Gewalt sind weiter verbreitet, als man ahnen mag. Aktuell gibt es diesbezüglich jedoch massive gesetzliche Schutzlücken. (…) Das muss sich ändern! Wir dürfen die Täter nicht mehr davonkommen lassen! Sie verstecken sich hinter einer Mauer des Schweigens, und diese ist hoch – sehr, sehr hoch.“
Die Aktivistin Luisa Neubauer forderte in einem Redebeitrag „Gesetze, die nicht länger die Täter schützen, sondern die Opfer“. Zahlreiche Politikerinnen, darunter Ex-SPD-Chefin Saskia Esken und die ehemalige Bundesvorsitzende der Grünen, Ricarda Lang, nahmen an der Demonstration teil.
Es gehe um „Solidarität, Gerechtigkeit und eine echte Veränderung in Form von klaren Gesetzen und echte Konsequenzen“, hatte Fernandes am Samstag via Instagram angekündigt. In dem Post bedankt sie sich auch für „den überwältigenden Support“, der ihr wirklich geholfen habe. Auf dem Instagram-Foto ist Fernandes’ Arm mit einem Tattoo zu sehen. Darauf steht: „free“. Innerhalb von nur einer Stunde wurde der Eintrag am Samstagvormittag mehr als 40 000-mal gelikt, inzwischen hat er mehr als 500 000 Likes.
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Fernandes’ Auftritt in der ARD
Am Freitagabend hatte Collien Fernandes sich, einen Tag nach der Veröffentlichung der aufsehenerregenden Spiegel-Recherche, in der sie ihrem Ex-Mann Christian Ulmen schweren digitalen Missbrauch vorwirft, ausführlich in den „Tagesthemen“ geäußert. In dem Interview, von dem zuvor schon Ausschnitte in der „Tagesschau“ ausgestrahlt worden waren, forderte die Schauspielerin und Moderatorin ebenfalls mehr gesellschaftliche Aufmerksamkeit für das Thema digitale Gewalt. „Ich habe das Gefühl, dass es jahrelang nicht ernst genommen wurde. Ich finde es wichtig, aufzuzeigen, dass digitale Gewalt reale Gewalt ist. Ich war lange in psychotherapeutischer Behandlung.“

Ulmen soll während ihrer Ehe über Jahre hinweg künstlich erstelltes, teils explizit pornografisches Material von Fernandes verbreitet und unter ihrem Namen und ohne ihr Wissen Fake-Accounts bei sozialen Medien wie Linkedin erstellt haben. Der Schauspieler soll sich außerdem mit Männern zum Telefonsex verabredet und sich dabei als seine damalige Frau Fernandes ausgegeben haben. Es gilt die Unschuldsvermutung. Ulmens Anwalt Christian Schertz kündigte rechtliche Schritte gegen die Berichterstattung an, bei der es sich „in großen Teilen um eine unzulässige Verdachtsberichterstattung“ handle. Zudem würden „unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet“.
Ende 2025 hat Fernandes in Spanien Strafanzeige gegen Ulmen wegen Identitätsdiebstahls, öffentlicher Beleidigung, Offenlegung von Geheimnissen, wiederholter Misshandlung und schwerer Bedrohung erstattet. Möglich war das, weil der mutmaßliche Tatort laut Fernandes in Spanien liege, der Beschuldigte habe dort seinen Hauptsitz.

:Der Feind im eigenen Bett
In den sozialen Medien tauschen Frauen nach der „Spiegel“-Recherche zu den Vorwürfen von Collien Fernandes ihre Wut über die Geschlechterverhältnisse aus. Zur Bitterkeit und der Frage, wie aus ihr etwas erwachsen könnte.
Hubig will schnell handeln
In dem Interview mit der ARD wies Fernandes noch einmal auf die großen Gesetzeslücken in Deutschland bei Gewalt- und Cybergewalt-Fällen hin, unter anderem, weil Anzeigen oftmals nicht weiterverfolgt oder schnell fallengelassen würden. „Ich habe selbst Erfahrungen mit dem Justizversagen gemacht“, sagt sie. „Und jetzt, wo ich weiß, wer dahintersteckt, hat sich meine Haltung zu dem Thema nicht verändert, dass sich dringend etwas ändern muss.“ Deutschland sei aus ihrer Sicht „ein absolutes Täterparadies“.
Auch nach dem Willen von Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) soll das Erstellen und Verbreiten KI-generierter Nacktbilder und Pornografie, sogenannter Deepfakes, künftig strafbar sein. Sie will ein entsprechendes Gesetzesvorhaben auf den Weg bringen, sagte die Ministerin im Interview dem Magazin Spiegel. Das sei eine Lücke im Strafrecht gegen digitale Gewalt, die geschlossen werden müsse.
Ein Sprecher des Justizministeriums sagte am Freitag in Berlin, dass der Gesetzentwurf praktisch fertig sei und innerhalb sehr kurzer Zeit vorgelegt werden solle. Die geplanten Gesetzesänderungen sollen Hubig zufolge nicht nur pornografische KI-Bilder umfassen, sondern Fakes insgesamt, welche in die Persönlichkeitsrechte eingreifen.





















