Wirtschaft

Richtungsstreit: Verbrenner oder E-Autos? Antrag auf „wertfreie Betrachtung“ durch ADAC scheitert | ABC-Z

Ein Motorsportclub beantragt auf der Mitgliederversammlung des ADAC Südbayern Technologieneutralität — und scheitert knapp. Der Vorfall zeigt: Im Automobilclub schwelt ein Richtungsstreit über E-Mobilität, Klimapolitik und die Frage, wessen Interessen der Verein vertritt.

Beim ADAC gibt es Kritik an einer angeblich zu einseitigen Festlegung des Autofahrervereins auf Elektromobilität. In einem außergewöhnlichen Antrag des ADAC-Motorsport-Ortsclubs Scuderia Magra auf der Mitgliederversammlung des ADAC Südbayern sollte der ADAC aufgefordert werden, alle Antriebsarten „wertfrei zu betrachten, und damit tatsächliche Technologieoffenheit zu fördern“.

Die Forderung des Ortsvereins wurde nach WELT-Informationen aber nur von 39 Prozent oder 2808 Stimmen der anwesenden Mitglieder befürwortet und erhielt damit nicht die erforderliche Mehrheit. Ansonsten hätten die Delegierten des Regionalvereins das Anliegen auf der ADAC-Hauptversammlung am 23. Mai einbringen müssen.

Der ADAC sollte nach dem Willen des Ortsvereins dazu aufgefordert werden, vor der Herausgabe von Informationen über die Fahrzeug-Antriebe eine vorurteilsfreie Recherche durchzuführen und die Daten korrekt und gleichwertig darzustellen, „ungeachtet der Tatsache, dass dadurch gegebenenfalls auch politisch unerwünschte Fakten ans Tageslicht befördert und diese öffentlich gemacht werden“.

Der Münchner Ortsclub kritisiert, dass der ADAC seit Jahren die ständigen Kostensteigerungen für den Autofahrer durch Steuer- und Abgabenerhöhungen der Bundesregierungen mit dem Argument des Klimaschutzes „ohne wesentlichen Widerspruch“ begleitet.

Der Antrag des rund einhundert Mitglieder umfassenden Motorsportclubs im drittgrößten ADAC-Regionalverein zeigt, dass es hinter den Kulissen ein Tauziehen zwischen Befürwortern der Verbrennungstechnik oder der E-Mobilität in dem Riesenverein mit 22,7 Millionen Mitgliedern gibt.

In der Begründung zum Antrag verweist der Ortsclub auf die Mitwirkung des ADAC an dem angeblich unaufhaltsamen Siegeszug der Elektromobilität und auf das Interview des Ex-ADAC-Verkehrspräsidenten Gerhard Hillebrand. Er hatte sich kurz vor Weihnachten positiv zur CO₂-Bepreisung und damit für höhere Kraftstoffpreise für Verbrenner ausgesprochen.

Diese Äußerungen wurden von vielen ADAC-Mitgliedern als Verrat an den Interessen der Autofahrer wahrgenommen. Es kam zu massiver Kritik, Beschwerden und einer Kündigungswelle mit rund 60.000 Austritten im Januar 2026. Hillebrand trat daraufhin als ADAC-Verkehrspräsident zurück, behielt aber seine Rolle als Vorsitzender des ADAC Regionalvereins Schleswig-Holstein.

Der Münchner Ortsclub kritisiert, dass der ADAC mit Bezug auf die Klima- und Fahrzeugantriebspolitik seinen Einfluss bisher nicht im Sinne des Autofahrers nutzt, „obwohl die nachprüfbaren Fakten praktisch allen diesbezüglichen politischen Entscheidungen widersprechen“.

Was den Erfolg deutscher Klimaschutzmaßnahmen betreffe, müsste sich auch der ADAC an der Realität messen lassen. „Dass dies angesichts der unliebsamen Fakten nicht gerne gehört wird, liegt auf der Hand. Dies darf aber in keinem Fall dazu führen, dass Bürger und ADAC-Mitglieder nur interessengeleitet informiert und verunsichert, und in der Folge die tatsächlichen Verhältnisse verschleiert werden“, heißt es im Antrag des Ortsvereins.

„Kein Anlass zum Zweifeln“

Unterlegt wird die Forderung mit Darstellungen über den jährlichen weltweiten CO₂-Ausstoß und dem tatsächlichen Bestand an Batteriefahrzeugen. Wörtlich heißt es: „Eine Rettung des Weltklimas durch Deutschland ist daher völlig ausgeschlossen, auch wenn man sich das noch so sehr wünscht.“

Nach WELT-Informationen sprach sich der Vorstand des ADAC-Südbayern auf der Mitgliederversammlung für eine Ablehnung des Antrags aus. „Es gibt keinen Anlass, an der Neutralität und Kompetenz des ADAC zu zweifeln“, erklärte ein Vorstandsmitglied nach Angaben aus Teilnehmerkreisen. Die Äußerungen des Ex-Verkehrspräsidenten Hillebrand seien unglücklich gewesen und der ADAC werde bei seiner Kommunikation und der Tonalität deutlicher werden, hieß es von Seiten des Vorstands. Damit würden Argumente des kritischen Antrags aufgegriffen.

Insgesamt verstehe sich der ADAC als neutraler Aufklärer. „Wir machen keinen Unterschied, wie jemand unterwegs ist. Das ist die Entscheidung jedes Einzelnen“, erklärte ADAC-Südbayern-Vorsitzender Gerd Ennser. „Wir wollen keine ideologischen Einschränkungen auf bestimmte Antriebsarten.“ Der ADAC rede nicht der Politik nach dem Munde oder würde vor ihr kuschen, hieß es aus dem Vorstand. Der ADAC sei ein neutraler Berater der Politik, weil er keine Geldforderungen habe.

Der ADAC-Vorstand kritisierte die aktuellen Benzinpreiserhöhungen. „Es ist offensichtlich: Die Mineralölkonzerne machen sich die Taschen voll und nutzen die Lage schamlos aus“, erklärte Vorstand Rüdiger Lode. Dies zeige sich beispielsweise an den Preissteigerungen des synthetischen Dieselkraftstoffs HVO100, der kein fossiles Diesel enthalte.

Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.

Gerhard Hegmann ist freier Wirtschaftsredakteur und berichtet seit Jahrzehnten insbesondere über die Rüstungs- und Raumfahrtindustrie.

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